Gerichtsprozess:Tim Wiese gegen Werder Bremen

Ex-Werder-Torwart Tim Wiese

"Ungeheuerlich" seien die Anschuldigungen gegen ihn: Tim Wiese am Montag im Gerichtssaal in Bremen.

(Foto: Sina Schuldt/dpa)

Weil der Ex-Torwart sich rassistisch geäußert haben soll, hat er bei seinem ehemaligen Verein Stadionverbot - doch das will Tim Wiese nicht auf sich sitzen lassen.

Von Thomas Hürner, Bremen

Wenn Tim Wiese, einst erfolgreicher Torwart bei Werder Bremen und deutscher Nationalspieler, an diesem Montag Vorurteile entkräften wollte, dann ist dieses Vorhaben eher misslungen. Es ist Tag eins im Prozess gegen seinen ehemaligen Verein, Wiese sitzt die meiste Zeit ruhig, aber mit verschränkten Armen im Gerichtssaal, am Handgelenk trägt er eine funkelnde Uhr, die langen Haare hat er nach hinten gegelt. Manchmal beugt er sich nach vorn, wischt sich eine Strähne aus dem Gesicht, das graue Seidenhemd spannt unter dem imposanten Bizeps. Die meisten Menschen dürften seine Optik für prollig halten, aber ein Proll ist ja noch lange kein Rassist.

Darum aber geht es am Landgericht Bremen an diesem Vormittag: Wiese, so der Vorwurf, soll sich während eines Spiels des SV Werder gegen Bayer Leverkusen rassistisch geäußert und seinem früheren Verein somit einen triftigen Grund geliefert haben, ihn fortan aus dem Weserstadion zu verbannen. Wiese streitet das ab, er geht zivilrechtlich dagegen vor. Für ihn geht es dabei um mehr als nur um das Live-Fußballerlebnis: Es geht um sein Image, seinen Nachlass bei jenem Klub, mit dem er einst Pokalsieger wurde.

Vier Stunden lang dauert der erste Verhandlungstag, Wiese bleibt sachlich und konzentriert. Als Erstes sagt eine 20-jährige Studentin als Zeugin aus, auf sie beruft sich der SV Werder vor allem. Seit 2019 arbeitet sie als Servicekraft, sie ist Fan des Klubs und auch von Tim Wiese, 41. Wiese war im März 2022 zu Gast in der Loge eines befreundeten Unternehmers, im Außenbereich sind sich die beiden offenbar begegnet. Die Servicekraft betreut eigentlich einen anderen Bereich, wegen eines speziellen Gästewunsches sei sie aber von einem Eck des Stadions zum anderen gelaufen - vorbei an der Box, in der Wiese logierte.

Als sie den früheren Werder-Profi sah, habe ihr Herz zu pochen angefangen, erzählt sie nun vor Gericht, doch die Freude währte offenbar kurz. Wiese und seine Freunde hätten in ihrer Anwesenheit das "N-Wort" benutzt, "Gott sei Dank" werde man von so einer nicht direkt bedient. Das habe sie "sehr verletzt". Als schwarze Person sei man "so was gewohnt", das komme vor in Deutschland. Aber ausgerechnet von Wiese, ihrem Idol? Auch eine andere Servicekraft berichtet vor Gericht von "Witzen" der Wiese-Clique, bei denen das "N-Wort" gefallen sei. Da war die 20-jährige Studentin schon weg.

Kurz vor dem Vorfall war ein Bild von Wiese publik geworden mit einem Rechtsradikalen

Wiese weist alles von sich, er nennt die Anschuldigungen "ungeheuerlich". Ähnlich klingt das bei dem Unternehmer, einem Freund und Wieses Tochter, mit der er sich das Spiel angeschaut hat. Sein Anwalt deutet mehrmals an, dass eine Art Vorwand seines ehemaligen Klubs dahinterstecke, weil sein Mandant dort nicht mehr erwünscht sei.

Kurz vor dem Vorfall im Stadion war ein Bild von Wiese publik geworden, es zeigt ihn mit einem bekannten Rechtsradikalen auf dem Bremer Freimarkt. Wiese sagt, er habe nicht gewusst, mit wem er sich da habe ablichten lassen, er erfülle Fanwünsche halt gerne. Konkrete Verbindungen konnten nie nachgewiesen werden, doch es war nicht der einzige Vorfall dieser Art. Während seiner Zeit als Werder-Torwart war er aber nie rassistisch aufgefallen, höchstens weil er gerne protzte.

Wiese und sein Anwalt können dann auch ein paar kleinere Ungereimtheiten benennen, etwa, dass die Servicekraft nicht mehr wusste, ob sich der Vorfall während des Spiels oder in der Halbzeit zugetragen haben soll. Mit Blick auf die Akustik und den Menschenauflauf im Außenbereich ist das nicht unerheblich. Auch für die Richterin. Sie hat den Prozess nun vertagt, es sollen weitere Zeugen gehört werden.

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