Tiere:New York sucht einen Rattenfänger mit "Killer-Instinkt"

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Tiere: New York ist auf der Suche nach einem obersten Rattenfänger. "Ratten werden dieses Jobangebot hassen", heißt es auf der Webseite der Stadtverwaltung.

New York ist auf der Suche nach einem obersten Rattenfänger. "Ratten werden dieses Jobangebot hassen", heißt es auf der Webseite der Stadtverwaltung.

(Foto: Carlo Allegri/Reuters)

In der Stadt leben etwa zwei Millionen Ratten. Nun hat das Rathaus von New York eine Stelle für einen "Ratten-Zar" ausgeschrieben. Er soll knallhart sein und Powerpoint können.

Von Christian Zaschke, New York

In New York City leben rund 8,8 Millionen Menschen und zirka zwei Millionen Ratten. Die erste Zahl wurde im Jahr 2020 in einer Volkszählung ermittelt, die zweite Zahl hat der Statistiker Jonathan Auerbach von der Columbia University im Jahr 2014 errechnet. Bis zu der Erhebung ging man davon aus, dass auf einen Menschen mindestens ein Tier komme, insofern war Auerbachs Statistik willkommen. Aber zwei Millionen Ratten sind halt doch immer noch ziemlich viele.

New Yorks Bürgermeister Eric Adams hat sich deshalb zu einer Initiative entschlossen. Die Stadt schreibt die Stelle eines "Direktors zur Nagetier-Kontrolle aus", gesucht wird, wie es im Rathaus heißt, ein "Ratten-Zar". Dieser soll laut Stellenausschreibung über einen "Killer-Instinkt" verfügen und eine "general aura of badassery", eine generell knallharte Aura. Zu verdienen sind in dem neu geschaffenen Job 120 000 bis 170 000 Dollar im Jahr.

Die in New York vorherrschende Spezies ist die Rattus norvegicus, eine braune Ratte, die sich gegen ihre schwarzen Artgenossen größtenteils durchgesetzt hat, vor allem, indem sie diese verzehrte. Da es in der Stadt rund 25 000 Restaurants gibt, leben die Ratten wie im Schlaraffenland. Abend für Abend stellen viele dieser Restaurants ihren Müll in Plastiktüten auf die Straße, und da lassen sich die Tiere nicht zweimal bitten.

"Die Straßen von diesen schmutzigen Kreaturen zu befreien, ist der Schlüssel zum Aufschwung."

Nun ist es nicht so, dass dieses Problem erst jetzt aufgefallen wäre. Seit Jahrzehnten bekämpft New York die Ratten, doch ohne Erfolg. Vor zehn Jahren war der Plan, die weiblichen Tiere durch das Auslegen von speziell präparierten Ködern zu sterilisieren. Die Ratten ignorierten die Köder. Der Plan, sie durch nach Minze riechende Mülltüten zu vertreiben, war ebenfalls nicht erfolgreich, und das Auslegen von Gift hat noch nie funktioniert. Ratten sind nicht dumm, zudem vermehren sie sich rasant. Ein Weibchen wirft alle zwei Monate zehn Junge.

Im Gesundheitsamt ist bereits ein Rodentologe angestellt, zudem ist dort das Büro für Schädlingsbekämpfung angesiedelt. Außerdem gibt es eine Nagetier-Taskforce, die in allen fünf New Yorker Boroughs operiert. Dem neuen Ratten-Zar oder der neuen Ratten-Zarin soll es obliegen, deren Arbeit zu koordinieren und innovative Methoden zur Bekämpfung des Problems zu ersinnen. Gefordert werden ein Bachelor-Abschluss und einige Jahre Erfahrung im Feld, zudem eine "draufgängerische Haltung" und ein "schlauer Humor". Unerlässlich auch die Beherrschung von Microsoft Word, Excel und Powerpoint.

Es gibt in New York etwa 60 000 Obdachlose, die Kassen der Stadt sind leer, die Kriminalität ist hoch, es gäbe für Bürgermeister Adams an vielen Fronten genug zu tun. Doch das Thema Ratten treibt ihn schon lange um. Als Borough-Präsident von Brooklyn präsentierte er einmal stolz eine Falle, in der die Tiere ertrinken. Zu seiner jüngsten Initiative sagte er: "Ich hasse nichts mehr als Ratten. Die Straßen von diesen schmutzigen Kreaturen zu befreien, ist der Schlüssel zum Aufschwung." Für die Person, die er nun sucht, soll die Rattenjagd daher sein, was sie für ihn ist: "ein Traumjob".

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