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USA:Ein Hund im Dienste der Kunst

Riley und seine Kollegen vom Museum of Fine Arts in Boston. Der Hund soll Ungeziefer in Kunstwerken aufspüren.

(Foto: Foto: Museum of Fine Arts)

Wieso in einem Museum in Boston bald der Weimaraner Riley arbeiten wird und welche Tiere sonst noch mit außergewöhnlichen Jobs betraut sind.

Von Oliver Klasen

Vielleicht ist es ein Vorteil, dass Riley zur Rasse der Weimaraner gehört. Ursprünglich beheimatet in der Stadt, in der einst Goethe und Schiller wirkten, sind diese Tiere von Geburt an auf Hochkultur getrimmt. "Wesensfester und passionierter Jagdgebrauchshund mit systematischer und ausdauernder Suche, jedoch nicht übermäßig temperamentvoll", heißt es auf der Internetseite der internationalen kynologischen Föderation, die für die Systematisierung von Hunderassen zuständig ist.

Riley, ein sechs Monate alter Welpe, scheint also gut geeignet für die verantwortungsvolle Aufgabe, die ihn nun erwartet. Im Museum of Fine Arts in Boston soll er Motten, Holzwürmer, Pilzsporen oder andere Schädlinge in Kunstwerken aufspüren. "Ein versuchsartiges Pilotprojekt" so nannte die stellvertretende Direktorin Katie Getchell im Gespräch mit der New York Times das, was das Kunstmuseum vorhat. Riley sei ihres Wissens nach der erste Museumshund weltweit.

Die Idee entstand vergangenes Jahr im Herbst, als die Museumsangestellten überlegten, wie sie die 45 000 Exponate - nicht nur Gemälde, sondern auch Musikinstrumente oder Kleidungsstücke - besser schützen können. Eine Mitarbeiterin nahm Riley als Haustier bei sich auf und wird ihn künftig zum Dienst an der Kunst mitbringen, so der Plan. Denn noch arbeitet der Weimaraner gar nicht, sondern wird von einem Hundetrainer an der Welpenschule ausgebildet. Einen eigenen Hashtag, #RileyTheMuseumDog, hat er trotzdem schon, daneben gibt es eine Plüschversion von Riley im Museumsshop zu kaufen. Und als das Tier mit schlappen Ohren und müden Augen für das erste Pressefoto posierte, musste es auch nur ganz sanft an der Leine gehalten werden.

Rassehund Riley ist nicht das einzige Tier, dem höhere, eigentlich Menschen vorbehaltene Aufgaben zugetraut werden. Ein niederländisches Start-up zum Beispiel hat vor einigen Monaten angekündigt, Krähen zu Müllmännern auszubilden. Die Tiere sollen weggeworfene Zigarettenstummel mit ihrem Schnäbeln aufsammeln und in den Abfall tragen. Eine Idee aus der französischen Stadt Colmar hat auch mit Müllvermeidung zu tun. Dort verschenkt der Abfallbetrieb Hühner an Privatpersonen. Die Tiere fressen fast alle Küchenabfälle, so spart der Hühnerbesitzer das Geld für die Biotonne und erhält regelmäßig ein Frühstücksei.

Trump und der debil dreinblickende Osterhase

In Niedersachsen verfolgte die Polizei vor einigen Jahren die Idee, mithilfe eines Truthahngeiers namens Sherlock Leichenteile aufzuspüren - wie sollte das Tier auch sonst genannt werden? Ein ornithologisch versierter Beamter fand sich auf Anhieb, die ersten Ergebnisse waren vielversprechend, auch der berühmte Vogelpark in Walsrode kooperierte, doch am Ende "ging das Projekt nicht in den Wirkbetrieb", sagte ein Polizeisprecher.

All das ist natürlich nichts gegen das Vertrauen, das man in Washington in Tiere setzt. Am Ostermontag beim traditionellen Eierrollen im Garten des Weißen Hauses zeigte sich Donald Trump auf dem Balkon. Politikerreden von Balkonen herab haben ja ein gewisses Potenzial, in die Geschichte einzugehen, man denke an Genscher in Prag oder, weniger geschichtsträchtig, an das am Ende wirkungslose Geflirte der Jamaika-Verhandler in Berlin. Trump redete also über den guten Zustand des US-Militärs und der US-Wirtschaft, aber neben ihm stand - rechts - eine böse dreinblickende Melania und - links - ein debil dreinblickender Osterhase mit viel zu großer Goldrand-Brille. Natürlich machten sich ein paar Twitterer lustig über die Szene: Ist das schon wieder ein neuer Minister, den Trump hier vorstellt? Einer, der ab und zu nach einer Karotte verlangt und ansonsten keine Widerworte gibt? Hätte der US-Präsident mal besser in Boston im Kunstmuseum angerufen. Ein intelligentes, lernfähiges und kulturbegabtes Wesen, das wäre ein echter Gewinn gewesen.

© SZ vom 04.04.2018/mane
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