Freud'sche Versprecher:"Miosga heiße ich"

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Freud'sche Versprecher: "Tagesthemen"-Moderatorin Caren Miosga (oder doch Carmen?) bei ihrem Liveinterview mit Wolfgang Ischinger.

"Tagesthemen"-Moderatorin Caren Miosga (oder doch Carmen?) bei ihrem Liveinterview mit Wolfgang Ischinger.

(Foto: dpa/dpa)

Der Diplomat Wolfgang Ischinger verwechselt in den "Tagesthemen" Caren Miosga mit Marietta Slomka. Recht hat er!

Von Martin Zips

Dass der hochdekorierte Diplomat sowie scheidende Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, dass also Wolfgang Ischinger im "Tagesthemen"-Interview gleich dreimal die Moderatorin Caren Miosga als "Frau Slomka" angesprochen hat, ist ihm keineswegs zu verübeln. Wer, bitte, sind schon Miosga, Zamperoni, Rakers und all die anderen?

Immerhin, und da muss man dem Außenpolitik-Experten Ischinger natürlich recht geben, sticht Marietta Slomka als Fragenstellerin aus dem Nachrichtengewusel durchaus heraus. Mal grillt die "Heute Journal"-Frau Stiko-Chef Mertens, dann den Außenminister oder die Außenministerin. Mal bringt sie Sozialdemokraten in Interviews an den Rand des Nervenzusammenbruchs (Sigmar Gabriel: "Tun Sie mir 'nen Gefallen. Lassen Sie uns den Quatsch beenden"). Auch Slomkas Anmoderationen sind deutlich besser als die manch ihrer männlichen Kollegen. Und dass Slomka mal - versehentlich - einen Polit-Hetzer "Bernd" nennt, obwohl der eigentlich "Björn" heißt, zeigt doch nur, dass sie auch gerne die "Heute-Show" schaut.

Es sollte also unbedingt als Auszeichnung verstanden werden, wenn Wolfgang Ischinger im Ersten gleich dreimal ihren Namen nennt. So wie sich "Australien" immer wieder darüber freuen darf, wenn es mit "Austria" verwechselt wird. Oder Mühlheim mit Mülheim. Edmund Stoiber, Erfinder des Wortes "Gebrecherverhirne", würde sagen: Gut gemacht, Frau Merkel! (so nannte er einmal Sabine Christiansen in ihrer Sendung).

Wer, das wusste schon Sigmund Freud, etwas "zum Vorschein" bringen möchte, irrtümlich dabei aber "Vorschwein" sagt - dessen Intention wird doch gleich viel klarer. Daher sei an dieser Stelle auch noch an den ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, erinnert, dem einmal der "Beschwerdeverführer" deutlich hörbar aus dem Mund plumpste, als er die Beschwerdeführer von ARD und ZDF begrüßte.

Und genau diese herrlich entlarvenden Lapsus Linguae sind es, die gegen den - im Fernsehen leider viel zu häufig verwendeten - Satz sprechen: "Dieses Interview haben wir vorher aus Termingründen aufgezeichnet." Caren Miosga jedenfalls (heißt sie nicht doch Carmen?) hat das Gespräch mit Wolfgang Ischinger ganz offensichtlich LIVE geführt. Gerade deshalb war es ja so spannend. Da sollte sich das ZDF doch mal ein Beispiel nehmen.

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