SZ-Kolumne "Bester Dinge":Ende des Kreislaufstillstands

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(Foto: Marcus Brandt/dpa)

In Hamburg wird der älteste Paternoster des Landes wieder flottgemacht. Nur wer in der offenen Kabine die große Wende mitgefahren ist, kennt das Leben wirklich.

Von Kurt Kister

Wer häufiger als nur ein paar Mal mit einem Paternoster gefahren ist, weiß wahrscheinlich, dass diese Form der Auf-und-Ab-Bewegung das Bewusstsein erweitern kann, ohne das Sein zu beeinträchtigen. Weil manche Behörden aber den sich stetig bewegenden Kabinenaufzug als gefährlich einschätzen, gibt es kaum mehr öffentlich zugängliche Paternoster. In Hamburg soll im September der möglicherweise älteste Paternoster Deutschlands, installiert wahrscheinlich 1908, im sogenannten Flüggerhaus nach umfangreicher Renovierung wieder betriebsbereit sein. Allerdings wird er eher ein Schaustück bleiben, weil der Eigentümer, eine Immobiliengesellschaft, die Menschenfördermaschine nur einmal im Jahr am Tag des offenen Denkmals zugänglich machen will.

In Deutschland laufen noch an die 200 dieser offenen Aufzüge. Sie heißen Paternoster, weil die Kabinen sich gewissermaßen bewegen wie die Perlen im Rosenkranz der Katholiken, mit denen man immer wieder Vaterunser, Paternoster, betet. Die Kabinen sind an zwei Ketten aufgehängt, die von einem Elektromotor angetrieben werden und über Zahnräder oder Scheiben in Dauerbewegung laufen. Paternosterveteranen (und selbstverständlich auch Veteraninnen) wissen, dass man hin und wieder mit der Kabine die gesamte Tour machen muss, also jeweils oben und unten die Wende mitfährt. Erst im Anblick dieser rumpelnden Ausweglosigkeit wird einem bewusst, wie klein der Mensch und wie groß der Paternoster ist.

Im alten Gebäude der Süddeutschen Zeitung in der Münchner Innenstadt gab es auch einen Paternoster. Manche Menschen sind der Auffassung, man merke es der Zeitung an, dass sie seit November 2008, seit dem Umzug in ein vaterunserloses Hochhaus, ohne Paternoster gemacht wird.

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