Südafrika Wasserkrise gemeistert - und dazugelernt

Manche Kapstädter sorgten sich um ihren Swimmingpool, andere musste für Wasser sogar anstehen.

(Foto: dpa)

Anfang des Jahres hatte Kapstadt den Wasser-Notstand ausgerufen. Doch dann fand das südafrikanische Land eine Lösung.

Von Bernd Dörries, Kapstadt

In vielen Hotels in Kapstadt fanden Gäste in den vergangenen Monaten übergroße Wasserentchen in ihren Badewannen. Was aber fehlte war der Stöpsel, mit dem man auch Wasser in die Wanne laufen lassen konnte. In Zeiten der dramatischen Wasserkrise musste also der Gast mit dem Entchen durch die Lobby laufen, um es an der Rezeption gegen den Stöpsel einzutauschen, was kaum jemand machte.

Jetzt sind die Stöpsel zurück und die Wasserkrise ist vorbei, was einerseits daran liegt, dass es viel geregnet hat im Winter, der gerade zu Ende geht. Aber auch daran, dass die vier Millionen Einwohner von Kapstadt riesige Mengen Wasser gespart haben.

Beim Duschen wurden Eimer untergestellt und das Wasser für die Toiletten benutzt. Restaurants kreierten Menüs, deren Zubereitung fast ohne Wasser auskam. Politiker erklärten, wie selten sie noch ihre Haare waschen. Wer es sich leisten konnten, ließen sich einen Brunnen in den Garten bohren oder zumindest Regenwassertanks aufstellen. Wassersparen wurde chic, auch wenn die Lasten nicht gleich verteilt waren. Die Menschen in den Townships traf es härter als die, die einen leeren Swimming-Pool hatten.

Der "Day Zero" hat viele Touristen abgeschreckt

Anfang des Jahres hatte Stadt Kapstadt den Notstand ausgerufen und berechnete, dass es im Sommer zum Day Zero kommen würde, dem Tag, an dem der Stadt das Wasser ausgeht. Wie viel dieser Berechnung auf tatsächlicher Mathematik beruhte und wie viel auf einer pädagogische Maßnahme, ist bis heute Gegenstand der Debatten. Letztlich wirkte das Drohszenario. Die Bürger sparten, die Politik baute Entsalzungsanlagen und bohrte neue Quellen an. Die Gesellschaft hat die richtige Antwort gefunden auf eine dramatische Herausforderung. Die Folgen allerdings sind noch nicht vorbei.

Das Szenario eines "Day Zero" hat viele Touristen abgeschreckt, die Buchungen aus Europa gingen um etwas zehn Prozent zurück. Vor allem Deutsche hatte die Sorge, dass sie den Einheimischen das knappe Wasser wegnehmen. So richtig begründet war das nie. "Die Touristen sind nur für ein Prozent des Wasserverbrauchs verantwortlich", sagt Tim Harris, von der Investitionsagentur der Region Westkap, die auch für die Tourismusförderung zuständig ist. Die ausbleibenden Einnahmen und die damit verbundenden Arbeitsplatzverluste durch Touristen, die nicht kamen, sind weit dramatischer, sagt Harris. Und nicht nur er.

Südafrika geriet durch die Dürre und die damit verbundene Krise in Tourismus und Landwirtschaft in eine Rezession. Eine Rezession, aus der es sich schnellstmöglich befreien will. Für Urlauber ist das Land durch den Verfall der Währung günstig wie nie.

Ab 1. Oktober dürfen wieder 80 Liter Wasser pro Person und Tag verbraucht werden, was auch fast wieder für ein Bad mit Entchen reicht.

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