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Social Media zum Sturm:"Sandy" zieht durchs Netz

Am Montag lachte die Internetgemeinde noch über den #frankenstorm, inzwischen hat "Sandy" vielen den Strom abgedreht. Jene, die noch posten können, schicken Gebete und gute Wünsche - oder wetteifern um das beste Bild der Zerstörung.

Barbara Vorsamer

16 Tote, Millionen Haushalte ohne Strom, 50 Millionen Menschen sind von den Auswirkungen betroffen: Der mittlerweile zum posttropischen Sturm zurückgestufte Hurrikan Sandy hat die Ostküste der USA hart getroffen und den Nutzern der sozialen Netzwerke ist das Lachen mittlerweile vergangen. "Wow, das ist ja wirklich schlimm" ist seit gestern Nacht ein oft gelesener Post auf Facebook. Wer gestern noch witzige Fotos mit den Care-Paketen der einzelnen Familienmitglieder (Blackberry, Lippenstift und Schokolade für Sie, Windel, Rassel und Milch für's Kind, Bier für Ihn) postete, schickt heute nur noch diese Nachricht in die Welt: "Bitte, Sandy, sei gnädig mit uns."

Doch Sandy ist nicht gnädig. Sandy wirft Bäume um, zerstört die Stromleitungen, überflutet die U-Bahn. Und das Netz ist hungrig nach dem besten Bild der Zerstörung.

Auf Plattformen wie Instagram oder dem iReport von CNN finden sich unzählige Nutzerbilder, zum Beispiel von Wassermassen in U-Bahnhöfen oder vom wild schäumenden Meer, das über schmalen Stegen zusammenschlägt. Besonders beeindruckend ist auch das Bild von einem Karussell, von dem nur noch ein Teil über die Wasseroberfläche hinausragt. Dass man die New Yorker U-Bahn derzeit nicht betreten soll, oder dass die amerikanische Katastrophenschutzbehörde Fema davon abrät, sich am Strand oder in Häfen aufzuhalten, scheint den Fotografen auf der Jagd nach dem besten Motiv egal zu sein. Dass CNN politisch korrekt unter seinen Fotoblog "Bitte bringen Sie sich nicht in riskante oder gefährliche Situationen" schreibt, wirkt da wie ein Feigenblatt.

Ein paar der Bilder, die derzeit durchs Netz ziehen, sind allerdings ganz bequem vorm Bildschirm entstanden - zum Beispiel das, in dem die Freiheitsstatue beinahe von den Wassermassen weggeschwemmt wird. Das Original ist ein Poster zum Film "The Day After Tomorrow". Ein anderes zeigt eine überschwemmte McDonald's-Filiale. Becher, Müll, Tische und sogar eine Ronald-McDonald-Figur schwimmen im Wasser. Daran war aber nicht Hurrikan Sandy schuld. Das Bild stammt aus einer Kunstausstellung. Fast schon Klassiker sind die Bilder, auf denen ein Hai durch überflutete Straßen schwimmt. Die Fotomontage wurde schon bei Hurrikan Irene 2011 gerne gepostet.

Diejenigen, die derzeit in der Lage sind, Bilder hochzuladen (echte oder falsche), sind in den meisten Fällen sowieso nicht die am heftigsten vom Sturm Betroffenen. Acht Millionen Menschen sind derzeit ohne Strom. Für sie wird twittern, bloggen und Fotos posten ziemlich schnell unmöglich. Der Akku eines Smartphones hält nicht lang.

Dass dadurch viele Kommunikationswege abgeschnitten sind, beschäftigt auch die Nutzer, die sich auf der Facebook-Seite der Fema tummeln. Die Behörde bekommt dort viel Lob für ihr Bemühen, über alle Kommunikationskanäle erreichbar zu sein. Zum Beispiel soll, wer eine SMS mit seiner Postleitzahl an die Fema schickt, als Antwort zurückbekommen, wo die nächste Notunterkunft ist. Viele bedanken sich online für den Service. Andere meckern, dass die nächste Notunterkunft angeblich am anderen Ende des Bundesstaats sei und dass es ja auch keine öffentlichen Transportmöglichkeiten mehr gäbe, um dorthin zu gelangen.

#Sandy ist immer noch viel diskutiertes Thema auf Twitter, auch Promis äußern sich dort. Zum Beispiel Chelsea Clinton: "Ich bin froh, dass meine Mutter in Algerien in Sicherheit ist." Schwimmer Ryan Lochte vermisst eine TV-Serie: "Wegen Hurrikan Sandy entfällt @90210. Ich hoffe, es geht euch allen gut!" Schauspieler Rob Lowe lässt wissen, dass er gerade nach Hause fliege, weg von der Ostküste und sich wünsche, er könne alle mitnehmen. Sängerin Lee Ann Rimes postet wie viele andere Nutzer einfach nur: "Ich bete für alle, die sich im Auge von Hurrikan Sandy befinden."

© Süddeutsche.de/feko/gba
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