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Menstruation:Schottland stellt Tampons und Binden gratis zur Verfügung

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In Schottland darf man künftig an öffentlichen Orten einfach zugreifen - und sich Tampons und Binden gratis nehmen.

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)
  • Das schottischen Parlament hat beschlossen, Tampons und Binden künftig kostenlos zur Verfügung zu stellen.
  • Das verabschiedete Gesetz sieht vor, dass an öffentlichen Orten wie etwa Gemeindezentren, Jugendclubs oder Apotheken Tampons und Binden kostenlos erhältlich sein sollen.
  • In Deutschland gilt seit Anfang des Jahres für Tampons und Binden der Mehrwertsteuersatz für Güter des täglichen Gebrauchs, 7 Prozent.

Das schottische Parlament hat beschlossen, Tampons und Binden allen Frauen im Land kostenlos zur Verfügung zu stellen. Schottland geht damit viel weiter als alle anderen Länder, in denen oftmals bereits die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Menstruationsprodukte, die "Tampon tax", zu Diskussionen führt.

In den meisten Staaten werden Produkte für die Menstruationshygiene mehr oder weniger stark besteuert. In den vergangenen Jahren haben sich die Regierungen einiger Länder aber der Sichtweise angeschlossen, dass es unfair sei, Menstruierende für etwas bezahlen zu lassen, das sie nicht gewählt haben, sondern angeboren ist: In Deutschland gilt seit Anfang des Jahres für Tampons und Binden nicht mehr der Regelsteuersatz von 19 Prozent, sondern der für Güter des täglichen Gebrauchs, 7 Prozent. In der Schweiz stehen Bundesrat und Nationalrat hinter einer Senkung von 2,7 auf 2,5 Prozent.

Im Vereinigten Königreich beträgt die Steuer auf Menstruationsprodukte 5 Prozent, und eigentlich hatte die Regierung schon 2016 angekündigt, sie abzuschaffen. Passiert ist bisher jedoch nichts. Gemäss dem nun verabschiedeten schottischen Gesetz, der "Period Products (Free Provision) Scotland Bill" werden die Menstruationsprodukte in Schottland an öffentlichen Orten wie Stadtteilzentren, Jugendclubs oder Apotheken erhältlich sein. 112 Abgeordnete stimmten dafür, keiner dagegen; es gab eine Enthaltung. Das Gesetz muss noch die zweite Stufe durchlaufen, in der es auch Änderungsanträge geben kann. Das Programm soll jährlich etwa 24 Millionen Pfund kosten.

Während der Debatte sagte die Abgeordnete Monica Lennon, das Gesetz zu verabschieden bedeute "einen Meilenstein auf dem Weg dahin, die Menstruation in Schottland zu normalisieren" und ein Signal auszusenden, "wie ernst das Parlament die Gleichheit der Geschlechter nimmt". Ihre Kollegin Alison Johnstone erklärte, es sei "weder gleichberechtigt noch fair", jemanden für eine natürliche Körperfunktion finanziell zu bestrafen.

In Schottland hingegen gibt es bereits seit 2018 an Schulen und Universitäten kostenlose Tampons und Binden - es war weltweit das erste Mal, dass ein Land diesen Schritt ging.

© SZ.de/Reuters/fie
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