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Fernsehköchin Sarah Wiener:"Ich muss das erst mal verdauen"

Sarah Wiener kocht britisch

Seit 2019 sitzt Sarah Wiener auch als Abgeordnete im Europaparlament.

(Foto: Stephanie Pilick/picture alliance/dpa)

Sarah Wiener hat sich über Jahrzehnte ein ganzes Ernährungsimperium aufgebaut. Jetzt musste sie für ihre Gastronomiebetriebe Insolvenz anmelden. Hat sie sich übernommen?

Von Moritz Geier

Die Gastronomie zählt zu jenen Branchen, welche die Corona-Pandemie besonders hart trifft, und das gilt auch für ihre prominenten Vertreter: Am Donnerstag gab Sarah Wiener, 57, deutsch-österreichische Fernsehköchin, Unternehmerin, Autorin und Politikerin, auf ihrer Facebook-Seite bekannt, dass sie für ihre Berliner Restaurants und ihren Catering-Service Insolvenz anmelden musste. "Corona hat vielen von uns eine Menge abverlangt. So auch einem Teil meiner Firma, meiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ... und mir", schreibt sie.

Sarah Wiener hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein ganzes Ernährungsimperium aufgebaut. Neben ihren Berliner Restaurants und ihrem Catering-Service trat sie als Fernsehköchin in zahlreichen Kochsendungen auf, schrieb Bücher, gründete eine Stiftung, mit der sie Erzieherinnen und Lehrer im pädagogischen Kochen fortbildet, Kochkurse in Kitas gibt und Kinder zu Bauernhofbesuchen einlädt. Einen Bio-Bauernhof besitzt sie selbst, im brandenburgischen Kerkow.

Mit eigenen Lebensmittelmarken und einer Bio-Holzofenbäckerei ist sie in die Lebensmittelproduktion involviert, zwischendurch hat sie weitere Restaurants in Stuttgart und Bremen betrieben und die Kantine des Bundespräsidialamts geleitet. Ach ja, und seit 2019 sitzt sie als Abgeordnete für die österreichischen Grünen auch im Europaparlament.

Sarah Wiener hat sich das alles selbst aufgebaut, sie hat keine betriebswirtschaftliche Ausbildung, die Schule brach sie mit 17 ab. Als ungelernte Küchenhilfe hat sie einst angefangen, im Kreuzberger Szenerestaurant ihres Vaters, des Schriftstellers und Gastronomen Oswald Wiener.

Hat sie sich mit der Vielzahl an Aktivitäten letztlich ein bisschen übernommen?

"Persönlich bin ich oft am Limit gerade", schreibt Sarah Wiener am Samstag nach SZ-Anfrage per Mail. "Mit Corona und der Schließung des Gastronomiezweigs hat das allerdings nichts zu tun: Ich bin schon lange nicht mehr im Tagesgeschäft und auch nicht Geschäftsführerin. Ich hätte die Insolvenz auch nicht mit mehr Engagement verhindern können, wenn ich 24 Stunden auf und ab gelaufen wäre." Der Bild-Zeitung sagte sie, sie müsse jetzt "die Angelegenheit erst mal verdauen".

"Ein bisschen gelähmt und ratlos"

Insolvenz habe sie einzig und allein aufgrund der "wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Gastronomie und Event-Branche" beantragen müssen, teilt die Unternehmerin mit. Schon im Mai hatte sie Sorgen um ihre Firma geäußert. "Wenn sich nicht schnell und radikal etwas ändert, weiß ich nicht, ob es mein Gastronomiezweig überleben wird", sagte sie damals der dpa. "Im Catering haben wir sechsstellige Verluste gemacht, uns wurden Veranstaltungen bis Jahresende abgesagt. Wir sind ein bisschen gelähmt und ratlos."

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie in Europa hätten sich die Besuchs- und Umsatzzahlen in den Restaurants "drastisch reduziert", lässt ihre Firma jetzt mitteilen. "Eine solch rasante Entwicklung konnte in dieser Form nicht vorhergesehen werden, und eine positive Änderung der Lage ist derzeit nicht in Sicht." Die Restaurants hätten nach der Wiedereröffnung nicht nur aufgrund der Abstandsregeln unter eingeschränkten Kapazitäten gelitten, sondern auch darunter, dass der Tourismus stockt.

Fokus auf Bio-Holzofenbäckerei

Und wie geht es jetzt weiter? Der Geschäftsbetrieb solle vorerst weiterlaufen, teilt die Sarah Wiener GmbH mit. Dann müssen sich einige Angestellte womöglich einen neuen Job suchen. Wie Wiener mitteilt, seien laut Insolvenzverwalter 43 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen.

Für Wiener selbst lässt sich der Verlust des Restaurant- und Cateringzweigs finanziell vermutlich leichter verschmerzen, Standbeine hat sie als Tausendsassa schließlich genug: Ihrer Firma zufolge will sie sich nun ganz auf die Lebensmittelproduktion konzentrieren. Der Fokus solle auf die Bio-Holzofenbäckerei gelegt werden, die in den vergangenen Jahren stark gewachsen sei. "Wir haben noch viel vor", schreibt sie jedenfalls auf Facebook und postet dann noch ein paar ökologische Tipps fürs nächste Grillfest.

© SZ/nas

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