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Rosa Gefängniszellen in NRW:Erste Ergebnisse aus NRW

Was heißt das nun für die rosa Zellen in Hagen und Dortmund? Zunächst bedeutet es, dass die Haftanstalten mit negativen Reaktionen rechnen müssen. Nicht nur Kritiker aus den Reihen der Politik, wie etwa der CDU-Abgeordnete Peter Biesenbach, vermuteten hinter den Meldungen über die neue Farbgestaltung zunächst einen Karnevalsscherz. Auch auf Seiten der Wissenschaft herrscht Befremden.

"Selbst wenn bei Laborexperimenten eine beruhigende Wirkung der Farbe Rosa festgestellt werden könnte, wären die Ergebnisse nicht auf die Situation in einer Haftanstalt übertragbar", sagt Köhler, der als Rechtspsychologe jahrelang im Strafvollzug tätig war. In einem Gefängnis herrsche in der Regel ein stark repressives Klima. Um aggressive Häftlinge zu beruhigen, seien daher andere Maßnahmen nötig als eine neue Wandfarbe. Laut Köhler tragen vor allem das Vermeiden von Überbelegungen und die leichte Zugänglichkeit von Gesprächs- und Behandlungsangeboten zur Entspannung des Gefängnisalltags und der Häftlinge bei. Vor diesem Hintergrund betrachtet der Psychologe den rosa Anstrich in Nordrhein-Westfalen als "äußerst fragwürdig".

Neutrale Reaktionen

Fragwürdig oder nicht - das Justizministerium in NRW will an den rosa Zellen festhalten. Dabei konnte in Hagen, wo das Projekt bereits seit einem Jahr läuft, noch keine beruhigende Wirkung des Bonbonanstrichs festgestellt werden. "Bisher sind die Reaktionen neutral", sagt Ministeriumssprecher Peter Marchlewski. Keiner der Häftlinge habe sich außergewöhnlich positiv oder negativ verhalten.

Die Aufregung um die rosa Zellen kann sich Marchlewski nicht erklären. Schließlich habe man nur ein paar Wände rosa gestrichen.

© Süddeutsche.de/leja

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