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Anruf bei einem Königshauskenner:Royales Baby ohne königlichen Namen

England fiebert der Geburt des Nachwuchses von Harry und Meghan entgegen, schon in einer Woche könnte es so weit sein. Royal-Experte Joe Little über Name, Titel und einen möglichen Ortswechsel der royalen Familie.

Joe Little ist leitender Redakteur des Majesty Magazine in London, das auf Royals im Allgemeinen und das britische Königshaus im Besonderen spezialisiert ist. Joe Little, 63, ist ein Mann mit feinem Humor und angenehmer Sachlichkeit, und natürlich ist er ein echter Experte in Sachen Royals. Gerade macht er noch schnell einen Kurzurlaub, bevor das Baby von Meghan und Harry, der Herzogin und dem Herzog von Sussex, erwartet wird. Er ist in Bordeaux, und auch wenn er nicht viel Zeit hat: über die bevorstehende royale Geburt reden geht immer.

SZ: Sie trauen sich ja was - wegzufahren, wo es jeden Moment losgehen könnte.

Joe Little: Nach allem, was wir wissen, wird das Kind erst in etwa einer Woche erwartet, Ende April, Anfang Mai. Wir haben also noch eine kleine Atempause.

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SZ-Magazin
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Gebärmutter royal

Herzogin Meghan bekommt ein Baby und alle drehen durch vor Freude. Dabei müsste man sie eher bemitleiden. Denn jetzt wird ihr widerfahren, was den meisten Schwangeren geschieht: Sie können nichts mehr richtig machen - und über ihren Körper bestimmen künftig andere.

Gibt es genauso viel Aufregung und frohe Erwartung bei den Briten und auch international, wie es sie bei den Geburten der Kinder von Thronfolger William gab?

Nein, es ist alles noch recht ruhig. Die Geburt ist ein freudiges Ereignis für Meghan und Harry, aber sie ist dynastisch von weit geringerer Bedeutung als die Geburten von Catherine, deren Kinder möglicherweise eines Tages König oder Königin sein werden. Und wenn Kate noch mehr Kinder bekommen sollte, dann rücken Meghans Kinder noch weiter nach hinten in der Rangfolge.

Welchen Titel wird das Kind denn tragen?

Wenn es ein Junge wird, wird er den Titel Earl of Dumbarton tragen. Wird es ein Mädchen, dürfte es Lady Mountbatten-Windsor heißen. Die Queen könnte die Kinder, sehr theoretisch, zu königlichen Hoheiten machen, aber das ist nicht sehr wahrscheinlich. Und da Meghan und Harry ziemlich moderne Eltern sind, wollen sie wahrscheinlich auch gar nicht, dass das Baby Prinz oder Prinzessin wird. Wenn allerdings Charles König wird, dann werden alle eins hochrutschen in der Rangfolge. Aber man muss abwarten, was die Sussexes wirklich wollen.

Was halten Sie von der Nachricht, dass Meghan ihr erstes Kind daheim, in Frogmore Cottage in Windsor bekommen will? Und nicht im Krankenhaus?

Meghan ist mit 37 Jahren keine sehr junge Gebärende. Es gibt die Nachricht, dass sie eine Hausgeburt plane, aber das wird sicher von den Umständen abhängen.

Royal-Fans können also nicht, wie sonst üblich, vor dem Lido-Wing des St. Mary's Hospital in London warten. Trotzdem sind sie begeistert von dem Ereignis, weil das Kind sicher süß und hübsch und auch noch halb amerikanisch sein wird ...

Ja, die Vorfreude ist groß. Dennoch folgt diese Geburt einer völlig anderen Agenda als die im Hause des Duke of Cambridge. Geburten so öffentlich zu machen, wie es mittlerweile Mode ist, das ist ohnehin eine eher neue Tradition. Erst in den vergangenen 30 Jahren, parallel zur Allgegenwart von Medien, sind royale Geburten ein öffentliches Ereignis geworden. Früher war so etwas auch in Königshäusern eine eher private Angelegenheit.

Gerade in den sozialen Medien zeigt sich die schier unstillbare Neugier der Fans, aber auch, wie immer bei solchen Ereignissen, bei den britischen Wettanbietern, wo man auf Geschlecht und Name tippen kann. Gute Quoten hat ein Mädchen, das Alice heißen wird, oder Diana.

Uns wurde gesagt, dass die künftigen Eltern keinen der üblichen royalen Namen aussuchen werden. Denn dieses Kind wird nicht König werden, es wird kein Prinz und keine Prinzessin, und daher könnten sie auch eher unübliche Namen auswählen. Es wird aber das erste Baby der Windsors mit einer schwarzen Großmutter und zwei Nationalitäten sein. Meghan ist ja immer noch auch amerikanische Staatsbürgerin. Das ist natürlich ungewöhnlich - und faszinierend.

Was uns zu einer delikaten Frage bringt. Was, wenn das Baby eher aussieht wie Meghan als wie Harry, mit dunklerem Teint und schwarzen Haaren? Gibt es dann eine Aufwallung der Rassisten, noch mehr Hass und Beleidigungen im Netz?

Es gibt ja auch jetzt schon viele Ausfälle gegen Meghan, das wird mit Blick auf ihre Kinder leider sicher weitergehen.

Das Königshaus hat bekanntlich deswegen neue, scharfe Umgangsregeln für die Accounts der Windsors erlassen, um die hasserfüllten Posts zu stoppen.

Es ist eindeutig so, dass viele Angriffe gegen Meghan einen rassistischen Unterton haben. Auch Harry leidet darunter, das hat er ja auch schon öffentlich gemacht. Man kann also nur hoffen, dass die neuen Umgangsregeln helfen.

Laut Sunday Times wollen Meghan und Harry nach der Geburt ihres ersten Kindes für eine Weile nach Afrika ziehen. Ist dazu Genaueres bekannt?

Die Briten sind alle ganz aufgeregt wegen dieses Artikels. Aber ich glaube, dass diese Pläne noch total im Anfangsstadium sind, nicht viel mehr als eine Idee. Harry hat, das ist bekannt, ein großes Interesse an Natur, Ökologie und Umweltschutz. Insofern ist der Gedanke, dass die junge Familie zum Beispiel für eine Weile nach Botswana geht, was die beiden so lieben, sicher nicht unrealistisch. Aber sicher nicht für immer, vielleicht für ein paar Monate, ein Jahr. Das ist ja auch sehr aufwendig, ihre Sicherheit müsste gewährleistet werden, was in London einfacher ist.

Vielleicht wollen die beiden ja wirklich mal eine Weile raus aus dem Trubel hier? Auch die Gerüchte über den Streit zwischen beiden Brüdern lassen nicht nach.

Ich glaube kein Wort davon. Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum ein Umzug unwahrscheinlich ist. Die Queen ist 93, ihr Mann hat sich zurückgezogen, Charles ist auch schon 70. Die beiden jungen Paare müssen also viele gesellschaftliche Verpflichtungen und Repräsentationspflichten übernehmen, stellvertretend. Das ist viel Arbeit und kostet viel Zeit, schon deshalb wäre ein Aufenthalt in Afrika sicher nur eine Phase in beider Leben.

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