Energydrinks:Zappeln, bis der Arzt kommt

Energydrinks: In Polen sind Energydrinks nur noch für Erwachsene erlaubt.

In Polen sind Energydrinks nur noch für Erwachsene erlaubt.

(Foto: Imago/Pond5 Images)

Sie schmecken süß und sollen wach machen - doch sind Energydrinks vor allem für Kinder sehr ungesund. Während in Deutschland noch diskutiert wird, ob man den Verkauf an unter 18-Jährige verbieten sollte, ist man in Polen schon viel strenger.

Von Viktoria Großmann, Warschau

Wer schon von Espresso oder Cola zappelig wird, den machen Energydrinks wahrscheinlich erst recht nervös. Die süßen Limonaden enthalten oft mehr Koffein als eine Tasse Kaffee. Dazu kommt meist noch der aufputschende Wirkstoff Taurin. Ernährungsexperten warnen vor gesundheitlichen Gefahren. In Deutschland etwa fordert die Organisation Foodwatch, Energydrinks nur noch an Volljährige zu verkaufen.

In Polen ist man da schon viel strenger: Seit dem 1. Januar wird beim Kauf von Energydrinks der Ausweis kontrolliert. Wenn in einer Limonade mehr als 15 Milligramm Koffein oder Taurin enthalten sind, gilt dasselbe wie für alkoholische Getränke: erlaubt erst ab 18. Damit das kontrolliert werden kann, sind die knallbunten Dosen mit Namen wie Psychik oder Tiger nicht mehr an Automaten oder in Schulen und Bibliotheken erhältlich. In polnischen Supermärkten sind Selbstbedienungskassen weitverbreitet. Sobald solch ein Getränk gescannt wird, verlangt auch die automatische Kasse nun den Ausweis.

Der süße Geschmack verleitet zum schnellen Trinken

Die süße Wachmacherbrause ist vor allem bei Jugendlichen beliebt. Nach Erhebungen des Nationalen Instituts für öffentliche Gesundheit trinken 35 Prozent der Jungen zwischen zehn und 17 Jahren regelmäßig Energydrinks und 27 Prozent der Mädchen. Experten warnen vor Langzeitfolgen, die nicht rückgängig zu machen sind. Etwa eine Insulinresistenz, die zu Diabetes führen kann, denn die Getränke enthalten meist auch viel Zucker. Der süße Geschmack verleitet zum schnellen Trinken. So nimmt man unbemerkt sehr schnell große Mengen Koffein oder Taurin zu sich.

Diese Stoffe können Nervosität, Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen verursachen. Letztlich wird also das Gegenteil von dem erreicht, was man vielleicht möchte. Statt wach ist man nur zerstreut, kann nicht schlafen, ist deshalb müde - und greift erneut zur Dose. Auch psychische Wahrnehmungsstörungen könnten auftreten. Kamila Regin, Assistenzprofessorin an der Medizinischen Fakultät der Universität Warmińsko-Mazurski in Olsztyn, warnt, dass die Energydrinks süchtig machen. In einem Interview für die Homepage ihrer Universität erklärt sie, dass eine Abhängigkeit schon nach einem Monat regelmäßigen Konsums bestehen kann.

Regin hält das polnische Verbot für Minderjährige nicht für ausreichend. Ginge es nach ihr, müsste das neue Gesetz überarbeitet werden: Auf die schrill bunten Verpackungen müssten ähnlich abschreckende Bilder und Gefahrenhinweise gedruckt werden wie auf Zigarettenschachteln. Andere Skeptiker warnen, Hersteller würden einfach den Gehalt an den Wachmachern Koffein und Taurin leicht absenken, um das Verbot zu umgehen. Tatsächlich gibt es einige Sorten, die den Grenzwert ganz knapp unterschreiten.

Sind Warnschilder ausreichend?

Die EU setzt bei diesem Thema auf Aufklärung und Mitdenken. Überall in der EU müssen Getränke mit einem Koffein- und Tauringehalt von mehr als 32 Milligramm pro 100 Millilitern mit dem Hinweis versehen werden: "Hoher Koffeingehalt. Nicht geeignet für Kinder sowie schwangere oder stillende Frauen." Bei Kaffee und Tee entfällt der Hinweis - weiß ja jeder, dass die wach machen.

Doch Verbraucherschützern und Teilen der Politik in Deutschland reicht die Information auf den süßen Koffeinlimonaden nicht aus. Schon seit Jahren fordern Politiker von SPD und Grünen immer wieder ein Verbot für Minderjährige. Neben Foodwatch warnt auch die Verbraucherschutzzentrale vor gesundheitlichen Risiken.

Polen ist nicht das erste EU-Land, das sich zu einem Verkaufsverbot für unter 18-Jährige durchgerungen hat. Litauen hat solch ein Gesetz bereits 2014 erlassen, Lettland folgte 2016. In Litauen kam eine Marketingagentur vier Jahren später gar zu dem Schluss, dass das Verbot wohl nicht nur der Gesundheit der Heranwachsenden, sondern tatsächlich auch den Herstellern genützt habe. So seien vor dem Verbot viele negative Artikel über Energydrinks veröffentlicht worden - danach nicht mehr. Der Absatz sei gestiegen, unter Erwachsenen, versteht sich.

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