bedeckt München

Pizza:Am Ende bleibt der Karton

Morgendliche Müllsammlung im Englischen Garten in München.

(Foto: Robert Haas)

Pizza im Park statt Dinner beim Italiener: 2020 ist das Jahr der Pizzakartons. Doch was macht man mit der Pappe nach dem Verzehr? Ein Blick in andere Länder zeigt: Es gäbe schon Möglichkeiten.

Von Malin Hunziker

Das Picknick im Park gehörte zu diesem Corona-Sommer wie der Mozzarella zur Tomate: die Wolldecke und ein kaltes Bier in der Tasche, eine duftende Pizza unter dem Arm, der Karton noch warm, die Ecke fettig vom Olivenöl. Fast so schön wie ein goldener Herbsturlaub in Italien zur Nachsaison. Die große Frage nach dem Verspeisen aber ist: Wie macht man's mit dem Pizzakarton?

Dieses Jahr beklagen die deutschen Städte ein besonders hohes Müllaufkommen. Darunter auch: jede Menge Pizzakartons. Laut dem Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft hat der Hausmüll in Deutschland allein im ersten Monat der Corona-Einschränkungen, von Mitte März bis Mitte April, um 20 Prozent zugenommen. Dieser Prozentsatz hat sich nach der Wiedereröffnung von Hotels und Restaurants zwar reduziert, die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft prognostizierte aber bald, dass die Hausmüllmenge bis Ende des Herbstes noch um acht Prozent angestiegen sein wird; zumal dann, wenn der Herbst weiterhin sonnig warme Tage bereithält. Einzelne Kommunen forderten zuletzt darum die Besteuerung von Pizzakartons, wie sie Tübingen als erste Stadt Deutschlands im Januar schon beschlossen hatte. Von 2021 an gibt es dort eine 50-Cent-Abgabe auf Einwegverpackungen.

Nach der Mahlzeit landet der Karton wahrscheinlich trotzdem immer noch im nächsten öffentlichen Mülleimer, zum Leidwesen der kommunalen Abfallbetriebe. Denn die sperrigen Pappschachteln versperren die Öffnung, sodass kein weiterer Müll mehr durch den Einwurfschlitz passt, auch wenn darunter noch der halbe Eimer frei ist. Aber immerhin ist das noch besser, als den Karton auf der Wiese liegen zu lassen.

"Bündeli" in der Schweiz

Aber wie entsorgt man den Pizzakarton richtig? In Deutschland wird nicht zwischen Papier und Karton unterschieden, beides kommt in die Papiertonne. Der Pizzakarton darf aber nur hinein, wenn er weder beschichtet noch grob beschmutzt ist. Letzteres ist vor allem bei viel Belag und einer dicken Käseschicht nicht der Fall. Oft genug klebt noch die halbe Capricciosa von innen am Deckel.

In manchen anderen Ländern gibt es Vorgehensweisen, die dieses Problem beheben könnten. In der Schweiz etwa werden Kartonagen separat vom gewöhnlichen Papiermüll getrennt. Einmal im Monat, an einem speziellen Karton-Abfuhr-Tag, fährt die Müllabfuhr durch die Straßen und sammelt die Kartonagen ein. Dafür bedient sich die Schweiz eines beinahe schon traditionellen Ursystems: des Bündelns. Karton- wie Papierabfälle müssen säuberlich in kleine Päckchen aufgeteilt und mit einer Schnur zusammengebunden werden, damit sie entsorgt werden dürfen. Am Abfuhr-Tag sieht man die "Bündeli" vor den Hauseingängen - hübsch aufgereiht natürlich. Das ist zwar zeitaufwendig, hat aber den Effekt, dass man den Tag gar nicht erst vergessen kann; jeder Hauseingang erinnert einen dran.

Strenges Müllregiment in Japan

Auch in Japan werden Kartonpäckchen geschnürt, allerdings ist das Land ein ganzes Stück strenger: Dort werden die Bündel nämlich nicht abgeholt, sondern man muss sie an bestimmten Tagen zu festgelegten Uhrzeiten zu einer Sammelstelle bringen, wo sie kontrolliert werden. Was nicht richtig getrennt ist, wird nicht akzeptiert. Und wer seinen Müll dann eine Woche lang nicht nachsortiert, muss damit rechnen, von der Behörde ausfindig gemacht und mit einem Bußgeld belegt zu werden.

Zumindest für den Kampf gegen verschmutzte Pizzakartons haben britische Lieferdienste eine ganz eigene Lösung gefunden. Sie bieten fettdichte Papiereinlagen an, die sie den Fahrerinnen und Fahrern kostenlos mitgeben. Die Einlagen sollen verhindern, dass Fett in den Boden des Pizzakartons gelangt. So ist der Karton sehr wahrscheinlich auch nach der Mahlzeit noch sauber genug, dass er in die Verwertung darf.

Bliebe noch der Faktor Zeit: Bald ist es sowieso zu kalt für Pizza im Freien. Und beim Italiener um die Ecke darf man derzeit auch wieder einkehren - ganz ohne Pappkarton-Sorgen.

© SZ/vwu/nas

SZ-Kolumne "Alles Gute"
:Das Kind muss an die Luft

Not macht erfinderisch: Aus dem Vorstadt-Kindergarten wird wegen Corona über Nacht ein Naturkindergarten. Das finden nicht alle sofort gut.

Von Kerstin Lottritz

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite