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Papst in Brasilien:Der Oberhirte, den sie brauchen

Papst in der Menge in Rio de Janeiro

Das Papamobil steckt in der Menge fest - symbolisch für's Land.

(Foto: AFP)

Der Besuch des Papstes beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro zeigt einmal mehr, was für massive Probleme Brasilien mit internationalen Großveranstaltungen hat. Doch Franziskus kommt in dem Chaos gut zurecht. Er trifft den Nerv der Leute, auch wenn viele ihn kritisieren.

Brasilien erfreut sich an dem neuen Papst aus Argentinien, es hatte zuletzt ja genügend Ärger gegeben. Zwar zeigt auch dieser Besuch des Pontifex, dass das Land oder zumindest Rio de Janeiro mit Großveranstaltungen noch Schwierigkeiten hat. Umweltgipfel, Fußball, Demonstrationen, Weltjugend, Olympia - es wird ein bisschen viel. Doch Franziskus kommt in dem Durcheinander hervorragend zurecht.

Es sieht so aus, als sei er genau jener Oberhirte, den die Katholiken in einer Republik zwischen Fortschritt und Rückstand brauchen. Traditionell ist das Land eine Hochburg des Vatikans, 123 Millionen Brasilianer bekennen sich zu Rom. Aber die Gläubigen laufen in Scharen zu evangelikalen Freikirchen und Sekten über, weil sie schnelles Seelenheil suchen.

Trotz Diskussion trifft er den Nerv

Franziskus' Einstellung ist zwiespältig: Seine Sexuallehre kommt im freizügigen Brasilien nicht so gut an, auch über seine Absage an die Freigabe von Drogen wird debattiert. Wenn er indes den Kaufrausch anprangert, in die Favela pilgert und Proteste unterstützt, dann trifft er den Nerv der Menschen.

Brasilien erstickt an Konsum und Korruption. Von den Forderungen der Demonstranten hat Präsidentin Dilma Rousseff fast nichts erfüllt; Parlament und Senat bremsen sie. Brasiliens Wachstum stockt. Da gehört es zur Symbolik dieser Reise, wenn auch der Papst im Kleinwagen in Rios Verkehr festklemmt.

© SZ vom 27.07.2013/mer
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