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Oskar Roehler über Rainer Werner Fassbinder:"Deutschland ist ein Altersheim"

Und was bedeutet er für Sie?

Ein Film wie "In einem Jahr mit 13 Monden" hat mich tief ergriffen. Das ist auch ein Lehrstück, aber eben nicht abstrakt, sondern zum Leben zurückgeführt. Das hat eine große Tragik, die aber stilistisch einwandfrei ist. "Die Sehnsucht der Veronika Voss" - dieses perfekte Timing! "Satansbraten" - herrlich! Fassbinder hat mindestens sechs Filme gedreht, von denen ich sofort ein Remake machen würde, wenn sie nicht so perfekt wären.

Haben Sie Fassbinder denn noch gekannt?

Ja, in seinen letzten Jahren habe ich ihn in Berlin manchmal im "Dschungel" gesehen. Die verspiegelte Sonnenbrille, die fettigen Haare, der Hut - das war der Fassbinder. Er führte das überspannte Leben vor, das Schwulsein. Die frühen Achtziger waren die Zeit der Stilisierung, und Fassbinder war ein absolutes Icon. Aber mit dieser Arroganz kommt man heute nicht durch.

Sie können es aber doch ganz gut.

Für mich hat sich die Faszination Film verbraucht. Da ist nicht mehr viel.

Und was ist beispielsweise mit dem Amerikaner Quentin Tarantino?

Ja, der hat so was Besessenes, Größenwahnsinniges, ähnlich wie Fassbinder. Aber auch das amerikanische Independent-Kino ist vorbei. Überall findet nur die totale Restauration statt. Deutschland ist ein Altersheim, geheimnislos, alles brave, liebe Köpfe. I don't fucking care.