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SZ-Serie "Ein Anruf bei ...":"Manche fällen das Schild mit der Akku-Flex wie einen Baum"

Ortsschild Asbach schon wieder geklaut

Die Folgen eines Ortsschilderdiebstahls sollten nicht unterschätzt werden, nicht nur, was die Neuanschaffungskosten angeht. Wenn der Rahmen leer ist, muss zum Beispiel ein Bautrupp losgeschickt werden und Tempo-50-Schilder aufhängen.

(Foto: Marcel Fath)

Die Gemeinde Petershausen in Oberbayern hat ein Problem: Schon wieder sind zwei Schilder des Ortsteils Asbach geklaut worden. Dabei hat Bürgermeister Marcel Fath schon so einiges versucht, um die Diebe zu stoppen.

Interview von Jacqueline Lang

Es ist schon wieder passiert: Jemand hat zwei der acht Ortsschilder von Asbach geklaut, einem Ortsteil der Gemeinde Petershausen im Landkreis Dachau. Bürgermeister Marcel Fath von den Freien Wählern hat Anzeige erstattet, wie er es in solchen Fällen immer tut, aber noch nie konnte ein Dieb ermittelt werden. Was also tun?

SZ: Herr Fath, haben Sie mitgezählt, wie viele Asbacher Ortsschilder Ihnen schon abhandengekommen sind?

Marcel Fath: Tatsächlich habe ich keinen Überblick mehr, weil das so regelmäßig passiert wie gewisse Wetterereignisse. Es ist ein Naturschauspiel, anders kann ich's nicht sagen.

Asbach, so heißt auch ein Weinbrand. Ob wohl die Schilder deshalb so attraktiv für Diebe sind?

Tatsächlich habe ich schon einmal überlegt, ob ich bei dem Getränkehersteller einen Sponsoring-Vertrag aushandeln soll, damit der sich an den Kosten beteiligt. Aber ehrlicherweise weiß ich nicht, was diese Menschen antreibt. Es gehen ja nicht nur Asbacher Ortsschilder verloren, sondern auch Petershauser oder von anderen Ortsteilen. Aber fest steht: Die Asbacher sind schon besonders begehrt.

Für Ihre Gemeinde wird das langsam richtig teuer. Wie viel kostet denn so ein neues Ortsschild?

Das hängt ganz davon ab, wie der Gute vorgeht: Manche drehen mit gutem Bohrgerät einfach nur die Schrauben raus. Dann bleibt wenigstens der Rest erhalten und man kann ein neues hinschrauben. Andere legen das Schild um, damit das mit dem Bohren leichter geht. Und dann gibt es die ganz Gescherten, die mit der Akku-Flex das Schild wie einen Baum fällen. Ein Schild allein kostet um die 320 Euro mit allem Pipapo im Einkauf, dazu noch die Arbeitszeit zur Anbringung, also: Unter 350 Euro geht es nicht. Wenn die Zerstörungen größer sind, dann bin ich mit 500 bis 700 Euro dabei. Außerdem muss man sagen, dass es mittlerweile monatelange Lieferzeiten gibt.

Stimmt es, dass es einen festen Posten im Gemeindehaushalt für die regelmäßige Neubeschaffung gibt?

Natürlich. Das gehört zum Straßenerhalt mittlerweile einfach dazu. Drei, vier Schilder sind es im Jahr eigentlich immer. Jedes Mal, wenn wir kein Ortsschild zur Hand haben, müssen wir außerdem eine Verkehrssicherung betreiben. Da muss ein Trupp hinfahren und Tempo-50-Schilder und Achtung-Schilder hinstellen und dann wieder abbauen. Das ist ein Riesenaufwand, und auch wenn ich versuche, es mit Humor zu nehmen, ist das schon sehr ärgerlich.

Kommunalwahl 2020

Marcel Fath ist seit 2014 Bürgermeister der oberbayerischen Gemeinde Petershausen. Er hat den Überblick verloren, wie viele Ortsschilder ihm in dieser Zeit abhanden gekommen sind.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Appelle an die Vernunft scheinen ja nicht zu helfen. Haben Sie sonst eine Idee, wie man den Dieben das Handwerk legen könnte?

Ja, wo ist die Vernunft in diesem Lande? Ich such sie schon und find sie einfach nicht mehr. Tatsächlich ist kein Kraut gewachsen: Wir haben es schon mit Spezialschrauben versucht, haben geschweißt, gehämmert, genietet, aber nichts scheint zu helfen.

Klingt aussichtslos.

Wahrscheinlich bräuchte es Schilder, die sich selbst zerstören, wenn man sie abmontiert. Wir haben schon überlegt, ob man GPS-Tags da hin macht. Ein anderer Vorschlag waren Wildkameras, aber da habe ich gesagt: Ganz tolle Idee, da ist die Kamera am Ende auch noch weg. Mein Gegenvorschlag war eine Webcam. Dann kann man in Echtzeit sehen, was gerade am Ortsschild passiert. Das wäre sicher wahnsinnig spannend.

Dabei kann man das Ortsschild mittlerweile sogar ganz legal über die Homepage der Gemeinde erwerben, für 500 Euro. Wie viele haben sie schon verkauft?

Zu meinem ganz großen Bedauern hatte ich noch nicht eine einzige Anfrage. Dabei würde ich ja sogar verhandeln. Bei mir geht's im Bürgermeisterzimmer sowieso immer zu wie auf dem Basar. Ich darf nicht unter die Gesamtkosten der Gemeinde gehen, das ist mir gesetzlich untersagt, aber ein bisschen Handeln, das würde mir richtig Freude machen.

Das österreichische Fucking hat sich zum Jahresbeginn in Fugging umbenannt, damit das Ortsschild nicht mehr geklaut wird. Gibt es ähnliche Überlegungen für Asbach?

Nein. Die Identität meiner Asbacher Mitbürger werde ich nicht zur Disposition stellen - komme, was wolle.

© SZ/nas
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