bedeckt München 28°

Tierschutz:Warum die Niederlande verbieten, Möpse zu züchten

Mops

Kurze Nase, kurzer Kopf, es ist ein Mops: ein Hund wie eine Karikatur des Kindchenschemas.

(Foto: dpa)
  • Die Niederlande verbieten das Züchten von Hunderassen mit angezüchteten Behinderungen.
  • Dazu zählen Kurzköpfigkeit und Kurznasigkeit wie beim Mops.
  • Tierschützer fordern nun auch deutsche Hundezüchter auf, das niederländische Mops-Gesetz zum Vorbild zu nehmen und etwas gegen die sogenannte Qualzucht zu tun.

Stummelbeinchen, Ringelschwanz, Fettschwarten, Glubschaugen - und dazu diese notorisch schlecht gelaunt wirkende Visage: Möpse sind keine klassischen Schönheiten. Ihre plattgedrückten Schnauzen sehen aus, als wäre ein Haustier-Crashtest komplett schiefgelaufen. Ein Hund wie eine Karikatur des Kindchenschemas - und Mops-Fans lieben ihn genau dafür. Mops-Hasser dagegen sehen in ihm ein groteskes, bemitleidenswertes Mini-Monster mit Vielfachbehinderung - und fordern seit Jahren ein Zuchtverbot.

Doch der Mops ist schwer in Mode, gerade weil er nicht so perfekt hundemäßig aussieht wie ein Labrador Retriever. "Möpse sind mit Hunden nicht zu vergleichen. Sie vereinigen die Vorzüge von Kindern, Katzen, Fröschen und Mäusen", schrieb Loriot, bekennender Mops-Fan, in seinem Standardwerk "Möpse & Menschen - Eine Art Biographie". Von ihm stammt der viel zitierte Satz "Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." Loriot war Komiker, es war sein Job, skurrile Dinge zu sagen und dazu passte es, skurrile Tiere zu halten. Aber ernsthaft gefragt: Wieso kaufen sich Menschen freiwillig einen Hund, der nicht mal richtig atmen kann, weil er an Brachyzephalie leidet, angezüchteter Kurzköpfigkeit?

Zoologie Bulldoggen sollen aus Werbung verschwinden
Hunde

Bulldoggen sollen aus Werbung verschwinden

Bulldoggen und Möpse sind oft gesundheitliche Wracks. Britische Tierärzte starten nun eine Kampagne gegen die Überzüchtung - sie richtet sich auch gegen Stars wie Lady Gaga.   Von Christoph Behrens

Es ist erstaunlich, wie viele Mühe angebliche Hundefreunde im Lauf der Jahrhunderte aufgebracht haben, um ein stattliches Tier wie den Wolf in eine Witzfigur wie den Mops, die Englische Bulldogge, den Chihuahua oder den Pekinesen zu verwandeln. "Qualzucht" nennen Kritiker dieses langwierige Verfahren, das üble gesundheitliche Folgen für die Tiere haben kann. Viele dieser kurzköpfigen Rassen leiden unter Kurzatmigkeit. Möpse schnarchen eigentlich immer, auch wenn sie wach sind. Ottos Mops kotzt oft, wie im Gedicht von Ernst Jandl, weil er gar nicht anders kann.

Tierärzte bieten teure Operationen an, bei denen Gaumensegel und Nasen umgeformt werden, so dass die armen Kreaturen wieder Luft bekommen.

Ein Zuchtverbot, kein Mopsverbot

Die niederländische Regierung hat die Zucht von kurzköpfigen Hunderassen wie dem Mops nun kurzerhand verboten. Aufgrund dieser wegweisenden Regelung hat der niederländische Zuchtverband Commedia beschlossen, kurzköpfige Möpse sofort aus dem offiziellen Zuchtprogramm zu nehmen.

Die deutsche Tierschutzorganisation Peta fordert nun den Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) auf, sich ebenfalls gegen die Qualzucht auszusprechen und Mopszüchter aus dem Verband auszuschließen. Brachyzephale Rassen sollten demzufolge nicht mehr auf Ausstellungen zur Schau gestellt werden und von der Internetseite des Vereins verbannt werden.

Bevor Mops-Freunde jetzt Schnappatmung kriegen, Gegner des neuen Gesetzes Flashmops organisieren und niederländische Möpse in der Handtasche über die Grenze geschmuggelt werden, noch eine kleine Präzisierung zum Schluss. Möpse werden in den Niederlanden nicht komplett verboten, der Verband schließt nur die Zucht von extrem kurznasigen Hunden aus. Das niederländische Mops-Gesetz schreibt eine bestimmte Nasenlänge vor. Die Schnauze des Hundes muss mindestens ein Drittel so lang wie der Kopf sein. Die Niederländer sind den Nachbarstaaten im Mopsschutz also immerhin um eine Nasenlänge voraus.

Zoologie Vorliebe für Hunde ist erblich

Haustiere

Vorliebe für Hunde ist erblich

Ein Leben ohne Hund ist nicht vorstellbar? Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das womöglich mit dem Erbgut zu tun hat.   Von Clara Hellner