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Hunde:Bulldoggen sollen aus Werbung verschwinden

Canine Champions Compete In The Westminster Dog Show

Tiefe Furchen im Fell, kurzer Hals, kaum noch Nasenlöcher: Viele Bulldoggen bekommen keine Luft mehr.

(Foto: AFP)
  • Britische Tierärzte haben die Kampagne #breedtobreathe ins Leben gerufen.
  • Damit wollen sie auf die gesundheitlichen Probleme von Bulldoggen und Möpsen aufmerksam machen.
  • Viele der Tiere sind so überzüchtet, dass sie an Atemnot und Übergewicht leiden und sich kaum noch schnell bewegen können.

Rundliches Babygesicht, breite Nase, große Kulleraugen und kurze, tapsige Beine - französische und englische Bulldoggen sehen niedlich aus und sind nicht zuletzt wegen ihres Äußeren in den vergangenen Jahren immer populärer geworden. Spätestens wenn die Welpen ausgewachsen sind, folgt für die Halter jedoch häufig Enttäuschung. Denn die gleichen knuddeligen Merkmale, für die sie einst gekauft wurden, verschaffen den Tieren später allerlei Gesundheitsprobleme, und ihren Herrchen und Frauchen teure Tierarzttermine. Vor allem bekommen die Tiere häufig kaum noch Luft, weil ihre Schädel und Atemwege so deformiert sind.

In England warnen Tierärzte nun vor einigen Auswüchsen der Hundezucht. Wie der Verband britischer Tierärzte (BVA) erklärt, leide mehr als die Hälfte aller flachgesichtigen Hunde an Atemnot. Die Kurzköpfigkeit der Hunde, genannt Brachyzephalie, kann für sie lebensgefährlich sein. Bei schnellen Bewegungen bekommen sie kaum noch Luft, an heißen Tagen drohen Hitzschläge, nachts lebensgefährliche Aussetzer der Atmung. Tierärzten bleibt häufig nur, die Tiere zu operieren und ihre Luftröhren freizuschneiden, um die schlimmsten Symptome zu beseitigen.

#breedtobreathe will Käufer sensibilisieren

Nach Zahlen des britischen Hundehaltervereins Kennel Club ist die Zahl der kurzköpfigen Hunde in den vergangenen Zehn Jahren rasant angestiegen. Die Registrierungen von Französischen Bulldoggen haben sich in Großbritannien seit 2006 auf mehr als 20 000 pro Jahr verdreißigfacht, die der Englischen Bulldoggen und Möpse mehr als verdoppelt (beide etwa 10 000 Registrierungen pro Jahr). In Deutschland gibt es keine so detaillierten Statistiken, bei den Welpen zeigen Zahlen deutscher Hundehaltervereine, dass französische Bulldoggen ebenfalls populärer geworden sind. Laut den britischen Ärzten sind diese drei Rassen nicht nur für Kurzatmigkeit anfällig, ihnen drohen auch Sehprobleme, Hautkrankheiten, Zahnschmerzen und Übergewicht. Einige Hundekörper sind so deformiert, dass sie auf natürlichem Weg keinen Nachwuchs zur Welt bringen können, es bleibt nur ein Kaiserschnitt.

Mit der Kampagne unter dem Twitter-Hashtag #breedtobreathe ("Züchten um zu atmen") wollen die britischen Tierärzte den Trend zum ungesunden Hund nun stoppen. Weniger als zehn Prozent aller Halter seien in der Lage, die gesundheitlichen Leiden ihrer Tiere zu deuten. "Diese Tiere haben wirklich Schwierigkeiten, Luft in ihre Lungen zu bekommen, aber viele Besitzer erkennen dieses Problem nicht", sagte der Tierarzt John Fishwick der BBC. Das Röcheln der Tiere hielten die Halter einfach "für normales Atmen".

Möpse als Youtube-Stars

Vor allem eine Forderung der #breedtobreathe Kampagne hat es in sich: Ungesunde Hunde sollen aus der Werbung verschwinden. In süßen Tiervideos und Werbefilmen sehen die Tierärzte einen wesentlichen Grund für die hohe Nachfrage nach den Hunderassen. So wirbt etwa "Heinz Beanz" mit bettelnd dreinblickenden Möpsen für seine Bohnen. Lady Gaga zeigt sich auf Instagram häufig mit ihren französischen Bulldoggen, und Youtuber wie Zoella erreichen mit der Inszenierung ihrer Hunde als niedliche Gadgets ein Millionenpublikum. Die BVA fordert nun Internetnutzer auf, große Marken auf die Problematik aufmerksam zu machen. Einen ersten Erfolg haben die Tierärzte schon erzielt: Die Lebensmittelmarken Heinz und Costa sowie die Bank Halifax haben erklärt, künftig auf Werbung mit kurzköpfigen Hunden zu verzichten.

Längerfristig wollen die Tierärzte erreichen, dass gar keine ungesunden Bulldoggen und Möpse mehr gezüchtet werden. Die Frage ist, ob das überhaupt möglich ist. Ein Forscherteam der University of California hat 2016 das Erbgut von 100 Englischen Bulldoggen untersucht und sieht zumindest für diese Rasse wenig Hoffnung. Wegen Überzüchtung sei die genetische Vielfalt der Hunde mittlerweile so gering, dass nur eine Kreuzung mit anderen Rassen den Tieren noch helfen könne. Das hieße auch, sich vom bisherigen Äußeren der Tiere zu verabschieden.

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