Englische Bulldogge Der deformierte Hund

Folgen der Inzucht: Herzprobleme, Atemnot und wenig Ausdauer

(Foto: Franck Prevel/Getty Images)

Herzprobleme, Atemnot, Allergien: Die Englische Bulldogge leidet an unzähligen Gesundheitsproblemen. Forscher machen Züchter für die Qual der Tiere mitverantwortlich.

Von Christoph Behrens

Das Bullbaiting war ein brutales Spektakel. In speziellen Arenen traten Hunde gegen Stiere an. Der erste Hund, der den Stier bei der Nase packte und zu Boden rang, siegte bei den Wettbewerben, die sich in der frühen Neuzeit zum Nationalsport Englands entwickelten. Die Kampfhunde selbst nannte man vom 17. Jahrhundert an "Bulldoggen".

Mit den Kämpfertypen von damals haben ihre Nachfahren kaum mehr etwas gemein. Da Züchter die Hunderasse immer weiter auf ihre charakteristischen Merkmale verdichtet haben - tiefe Furchen im Fell, rundliches Babygesicht, kurze Beine, Stiernacken - hat die Englische Bulldogge heute mit allerlei Gesundheitsproblemen zu kämpfen. Die Schädel sind häufig so deformiert, dass die Hunde bei schneller Bewegung kaum noch Luft bekommen. An heißen Tagen drohen Hitzschläge, nachts lebensgefährliche Aussetzer der Atmung. Die Rasse gilt als besonders anfällig für Herzleiden, Allergien und Krebs. Viele Fluglinien nehmen die Tiere nicht mehr mit, weil sie die Reisen häufig nicht überleben.

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Lässt sich die Gesundheit der Tiere wiederherstellen? Ein Forscherteam der University of California hat das Erbgut von 102 Englischen Bulldoggen von Haltern aus den USA und Europa analysiert und sieht wenig Hoffnung. Die genetische Vielfalt der Hunde sei mittlerweile so gering, schreiben die Veterinärmediziner im Fachmagazin Canine Genetics and Epidemiology, dass nur eine Kreuzung mit anderen Rassen den Tieren helfen könne.

Die Wissenschaftler schätzen, dass alle reinrassigen Englischen Bulldoggen von nur 68 Individuen abstammen. Diese Gründerpopulation sei im Vergleich zu anderen Hunderassen sehr klein. Die Überzüchtung habe die Vielfalt in den letzten Jahrzehnten weiter verengt und damit die Gesundheitsprobleme befördert. Bei einem der untersuchten Gene gibt es praktisch überhaupt keine Varianz mehr, die Ausprägungen von mütterlicher und väterlicher Seite waren bei fast allen Hunden identisch. Damit halten die Tiermediziner es für nahezu ausgeschlossen, dass sich die Gesundheitsrisiken mit dem bestehenden Genpool der Rasse wegzüchten lassen.

Ihr Alternativvorschlag, die Englische Bulldogge mit anderen Rassen zu kreuzen, stößt allerdings auf wenig Gegenliebe. Vor einigen Jahren mahnte der britische Hundehalterverein "The Kennel Club" vorsichtige Reformen an und sprach sich gegen Züchtungen aus, die einen Hund davon abhalten, "frei zu atmen, zu laufen und zu sehen". Der Vorsitzende eines Bulldoggenzüchter-Verbands drohte daraufhin mit rechtlichen Schritten und sagte englischen Zeitungen, damit werde man einen "völlig anderen Hund" bekommen, jedenfalls keinen britischen. Möglicherweise liegt die Zukunft der Dogge ohnehin auf dem Kontinent: In der Schweiz haben Züchter begonnen, die Englische mit der "Olde English Bulldogge" - diese stammt aus den USA - zu kreuzen. Das Ergebnis: die "Kontinentale Bulldogge".