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Möglicher Strafbefehl für Tebartz-van Elst:Zweifelhafter Ruhm auch in Südamerika

Die Kunde vom Lügen-Bischof macht längst nicht mehr nur deutsche Kirchgänger ratlos. In Italien und auch im argentinischen Heimatland von Papst Franziskus hat sich Tebartz-van Elst inzwischen zweifelhaften Ruhm erworben, weil er offenbar falsche Angaben über den Erste-Klasse-Flug, vor allem aber über seinen Anteil an den immensen Kostensteigerungen seines neues Dienstsitzes gemacht hat. Zollitsch spricht den Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst selbst an: "Das bewegt mich sehr", sagt er. Er und seine Bischofskollegen verfolgten den Vorgang "aufmerksam und mit großer Sorge". Und weiter: "Der Strafbefehl ist eine ernste Sache. Das hat es meines Wissens so noch nicht geben." Aber: Die Verantwortung liege jetzt beim Heiligen Vater, sagt Zollitsch. Ihm selbst stehe nicht zu, über Tebartz-van Elst zu richten. Was er im Grunde aber gerade getan hat.

Zollitschs Ankündigung, den Fall Tebartz-van Elst zum Thema in der ersten Audienz zu machen, die er bei Papst Franziskus hat, ist wohl mehr als nur ein Terminhinweis. Es ist ein Ultimatum. Sieben Tage hat der Limburger Palast-Herr jetzt Zeit, seine Dinge zu klären. Zollitsch verpackt das in eine freundliche Aufforderung. Er sei sicher, "dass sich der Bischof gründlich und mit der notwendigen Selbstkritik mit den Vorwürfen auseinandersetzt".

Was denn er von einem Bischof erwarte, wird Zollitsch gefragt. Der Erzbischof zählt auf, was er von sich selbst verlangt: In Kontakt mit den Menschen sein, das Evangelium verkünden und beides in dem Wissen, dass er dafür "das Vertrauen der Menschen brauche". Vertrauen, das ist wohl das, was Tebartz-van Elst gerade am wenigstens hat. Dafür aber eine 15.000-Euro-Badewanne in seinen Privatgemächern.

Das Ultimatum scheint für Zollitsch das letzte Mittel zu sein, den Limburger Bischof noch zur freiwilligen Aufgabe seines Amtes zu bewegen. "Ich habe versucht, so weit ich das konnte, zu vermitteln, zu helfen", sagt er. Bis jetzt ohne Erfolg. Von den ungeheuren Baukosten des Limburger Bischofssitzes von 31 Millionen Euro statt der avisierten knapp fünf Millionen Euro, sagt er zu den Journalisten, sei er "genauso überrascht wie Sie". Er "werde das auch in Rom deutlich machen". Aber noch schlimmer wiegt wohl gerade der Strafbefehl. Als sich der Augsburger Bischof Walter Mixa 2010 in einen Prügel-Skandal verstrickte, hat Zollitsch ihm öffentlich zu einer Auszeit geraten.

Was, wenn der Strafbefehl rechtskräftig wird? Der Limburger Bischof gilt dann als überführter Lügner. Zollitsch hat eine klare Haltung: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich da weitermachen könnte", sagt Zollitsch. Mal sehen, wann Tebartz-van Elst zu dieser Erkenntnis gelangt.