Süddeutsche Zeitung

Möglicher Strafbefehl für Tebartz-van Elst:Ultimatum für den Skandal-Bischof

Lesezeit: 3 min

Robert Zollitsch stellt als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz den Limburger Geistlichen indirekt vor eine heikle Wahl: Entweder, Tebartz-van Elst geht - oder Zollitsch geht zum Papst. Sieben Tage bleiben dem Skandal-Bischof jetzt, seine Dinge zu klären.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Die Milde dieses Lächelns sollte niemand unterschätzen. Vor allem nicht der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Robert Zollitsch, Freiburger Erzbischof und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, tritt vor die Bundespresse in Berlin. Ein seit langem anberaumter Termin. Und doch hoch brisant an diesem Donnerstag.

Am Morgen noch hat der Limburger Skandal-Bischof seinen 31 Millionen Euro teuren Wohnpalast in der Bild-Zeitung verteidigt. Wenige Stunden danach platzt die Bombe: Die Hamburger Staatsanwaltschaft beantragt einen Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst wegen zwei falscher eidesstattlicher Erklärungen. Es geht um einen Erste-Klasse-Flug, den der Bischof trotz erdrückender Beweislage bestritt.

Nun prüft die Limburger Staatsanwaltschaft zudem, ob sie ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen den Bischof einleitet. Seit Anfang der Woche seien vier Strafanzeigen gegen Tebartz-van Elst eingegangen, die sich alle auf die Kostensteigerung beim Bau der Bischofsresidenz beziehen, sagte ein Behördensprecher.

Robert Zollitsch setzt sich, die Kameras klicken noch. Er lächelt. Es ist klar, dass Tebartz-van Elst das bestimmende Thema dieser Veranstaltung sein wird. Ursprünglich sollte es um das noch junge Pontifikat von Papst Franziskus gehen. Zollitsch bedankt sich für die Einladung in die Bundespressekonferenz, spricht darüber, wie "beeindruckt" die deutschen Bischöfe von Franziskus seien, spricht von den Impulsen, die der Papst gebe; von dessen Besuchen auf Lampedusa, in Gefängnissen, bei den Armen. Er referiert über neue Anforderungen an die Seelsorge, natürlich auch über neue Wege, mit wiederverheirateten Geschiedenen umzugehen. Darüber werde er kommenden Donnerstag in Rom mit dem Papst sprechen. Es wird dort aber nicht das einzige Gesprächsthema bleiben.

Um zwölf Uhr mittags wird Deutschlands ranghöchster Katholik auf Franziskus treffen. High Noon. Vor allem wohl für Tebartz-van Elst. Vor wenigen Wochen noch hat Zollitsch von "kollegialer Solidarität" gesprochen, die seinem Limburger Kollegen zuteil werden müsse. An diesem Donnerstag wiederholt er diese Worte nicht. Wer weiß, wie sehr es Kirchenmänner verstehen, mit dem gesprochenen Wort umzugehen, der weiß, was das bedeutet. Die Tage für Tebartz-van Elst dürften gezählt sein.

Bis kommenden Donnerstag sollte der sich selbst geprüft haben. Andernfalls will Zollitsch dem Papst "Vorschläge" unterbreiten, wie mit dem Fall weiter verfahren werden könne. Und der wird aufmerksam zuhören.

Zweifelhafter Ruhm auch in Südamerika

Die Kunde vom Lügen-Bischof macht längst nicht mehr nur deutsche Kirchgänger ratlos. In Italien und auch im argentinischen Heimatland von Papst Franziskus hat sich Tebartz-van Elst inzwischen zweifelhaften Ruhm erworben, weil er offenbar falsche Angaben über den Erste-Klasse-Flug, vor allem aber über seinen Anteil an den immensen Kostensteigerungen seines neues Dienstsitzes gemacht hat. Zollitsch spricht den Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst selbst an: "Das bewegt mich sehr", sagt er. Er und seine Bischofskollegen verfolgten den Vorgang "aufmerksam und mit großer Sorge". Und weiter: "Der Strafbefehl ist eine ernste Sache. Das hat es meines Wissens so noch nicht geben." Aber: Die Verantwortung liege jetzt beim Heiligen Vater, sagt Zollitsch. Ihm selbst stehe nicht zu, über Tebartz-van Elst zu richten. Was er im Grunde aber gerade getan hat.

Zollitschs Ankündigung, den Fall Tebartz-van Elst zum Thema in der ersten Audienz zu machen, die er bei Papst Franziskus hat, ist wohl mehr als nur ein Terminhinweis. Es ist ein Ultimatum. Sieben Tage hat der Limburger Palast-Herr jetzt Zeit, seine Dinge zu klären. Zollitsch verpackt das in eine freundliche Aufforderung. Er sei sicher, "dass sich der Bischof gründlich und mit der notwendigen Selbstkritik mit den Vorwürfen auseinandersetzt".

Was denn er von einem Bischof erwarte, wird Zollitsch gefragt. Der Erzbischof zählt auf, was er von sich selbst verlangt: In Kontakt mit den Menschen sein, das Evangelium verkünden und beides in dem Wissen, dass er dafür "das Vertrauen der Menschen brauche". Vertrauen, das ist wohl das, was Tebartz-van Elst gerade am wenigstens hat. Dafür aber eine 15.000-Euro-Badewanne in seinen Privatgemächern.

Das Ultimatum scheint für Zollitsch das letzte Mittel zu sein, den Limburger Bischof noch zur freiwilligen Aufgabe seines Amtes zu bewegen. "Ich habe versucht, so weit ich das konnte, zu vermitteln, zu helfen", sagt er. Bis jetzt ohne Erfolg. Von den ungeheuren Baukosten des Limburger Bischofssitzes von 31 Millionen Euro statt der avisierten knapp fünf Millionen Euro, sagt er zu den Journalisten, sei er "genauso überrascht wie Sie". Er "werde das auch in Rom deutlich machen". Aber noch schlimmer wiegt wohl gerade der Strafbefehl. Als sich der Augsburger Bischof Walter Mixa 2010 in einen Prügel-Skandal verstrickte, hat Zollitsch ihm öffentlich zu einer Auszeit geraten.

Was, wenn der Strafbefehl rechtskräftig wird? Der Limburger Bischof gilt dann als überführter Lügner. Zollitsch hat eine klare Haltung: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich da weitermachen könnte", sagt Zollitsch. Mal sehen, wann Tebartz-van Elst zu dieser Erkenntnis gelangt.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1791922
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
Süddeutsche.de/leja/rus
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.