SZ-Kolumne "Mitten in ...":Ein Mann und sein Schnarchphone

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Wer sich über den Handy-Konsum seiner Mitbewohner aufregt, dem sei ein Blick nach Südkorea empfohlen: Es geht noch intensiver! Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in ... Seoul

SZ-Kolumne "Mitten in ...": (Illustration: Marc Herold)

(Illustration: Marc Herold)

Das Leben in Südkorea wird so sehr vom Smartphone bestimmt, dass es hier manchmal so aussieht, als seien Mensch und Gerät miteinander verwachsen. Wie bei diesem Herrn in der U-Bahn. Sein Kopf hängt kraftlos über dem massigen Körper. Der Ellbogen ist auf den Oberschenkel gestützt. In der offenen Hand ruht das Smartphone. Er sieht aus wie eine Skulptur mit dem Titel: Schlafender mit Handy-Hand. Aber dann wird plötzlich die Fahrt unruhig. Das Smartphone fällt bei dem Geruckel herunter. Der Herr? Schläft einfach weiter. Ein junger Mann sieht die leere Hand, das Smartphone auf dem Boden. Das kann er so nicht lassen. Liebevoll legt er das Smartphone zurück in die Hand des schlafenden Herrn. Bevor er aussteigt, schaut er kurz zurück. Südkoreaner und Smartphone in seliger Eintracht. Alles in Ordnung. Thomas Hahn

Mitten in ... St. Jakob

SZ-Kolumne "Mitten in ...": (Illustration: Marc Herold)

(Illustration: Marc Herold)

Nach knapp vier Stunden Fahrt sind die großstadtgeplagten Münchner auf dem Bergbauernhof in St. Jakob im Südtiroler Ahrntal angekommen. Autotür auf, die unfassbar klare Bergluft einatmen. Am Nachmittag eine Wanderung mit Blick auf Lärchenwälder, deren rostbraune Nadeln in der Herbstsonne leuchten. Am Abend füttern die Kinder im Stall ein Lämmchen mit der Milchflasche, eine Katze schmiegt sich an unsere Beine. Die Sterne funkeln, ein fast unberührtes Idyll. Am vierten Tag verlässt die Bauersfamilie die Szenerie und bricht selbst auf in den Urlaub; am siebten Tag, kurz vor unserer Heimreise, ist sie zurück. Nach knapp vier Stunden Fahrt. Herrlich war es, sagen sie. Viel geshoppt, gut gegessen, beeindruckende Museen. Wo sie waren? In München. Wir klappen die Autotüren zu. Urlaub ist eben eine Frage der Perspektive. Lisa Sonnabend

Mitten in ... Rom

SZ-Kolumne "Mitten in ...": (Illustration: Marc Herold)

(Illustration: Marc Herold)

Vor unserem Rom-Urlaub erhielten wir allerlei Tipps - den Stadtteil Trastevere, die Villa Borghese, unbedingt auch Trastevere, Eisessen bei Giolitti hinterm Pantheon, noch einmal Trastevere - nur auf die Sache mit dem Schlangestehen hat uns niemand vorbereitet. Dabei ist es so: Wer in Rom essen will, steht an. Und wartet. Egal ob mittags oder abends. Vor der Osteria da Fortunata am Campo de' Fiori lungern die Reisenden schon mal in einer dreißig Meter langen Schlange herum. Ist auch ein schönes Lokal. Und die Nudeln sehen fantastisch aus. Was also tun, wo wir doch auf gar keinen Fall vor dem Essen anstehen wollen? Wir kommen am nächsten Tag wieder, noch bevor der Laden öffnet. Um 11.59 Uhr. Tatsächlich: freie Platzwahl. Die Spaghetti sind wirklich super. Dafür würden wir uns beim nächsten Mal sogar anstellen. Dominik Fürst

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