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Kriminalität - Wernigerode:Polizist schildert Angriff eines mutmaßlichen Einbrechers

Deutschland
Akten liegen auf dem Tisch des Vorsitzenden Richters am Amtsgericht. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Magdeburg (dpa/sa) - Ein 33-Jähriger hat sich bei seiner Verhaftung so massiv gewehrt, dass er sich seit Donnerstag wegen versuchten Mordes an einem Polizeibeamten am Landgericht Magdeburg verantworten muss. Die Verhandlung verfolgte er die ganze Zeit mit Handfesseln. Das Gericht habe Hinweise aus der Justizvollzugsanstalt, die dies erforderten, sagte Richter Dirk Sternberg auf den Antrag des Verteidigers, die Handfesseln abzunehmen. Der 33-Jährige aus Wernigerode soll nach einem erfolglosen Einbruch in einen dortigen Baumarkt im Ortsteil Benzingerode versucht haben zu fliehen, wurde von der Polizei gestellt und leistete bei seiner Festnahme Widerstand. Dabei hatte er eine Pistole in der Tasche.

Über seine Anwälte schilderte der Angeklagte seine Sicht auf die Tatnacht am 4. November 2019. Er sei in den Baumarkt eingebrochen, musste unverrichteter Dinge wieder abziehen. Er habe sich geärgert, dass er nichts erbeutet hatte und habe unter Drogen gestanden. Als ihn die beiden Polizisten aus dem Streifenwagen festnehmen wollten, sei er "tierisch wütend gewesen", weil er noch unter Bewährung gestanden habe, Arbeit hatte und alles ganz in Ordnung gewesen sei. Er habe sich ungerecht behandelt gefühlt. In seine Jacke habe er gegriffen, um die Pistole wegzuwerfen. Nach drei Zeugen, die den Einbruch beobachtet hatten, und einem Mitarbeiter der Sicherheitsfirma des Baumarkts schilderte der angegriffene Polizist das Geschehen. Die Streifenwagenbesatzung sei zu dem Einbruch gerufen worden und fand das Fluchtfahrzeug in Benzingerode. Die Beamtin am Steuer habe den Streifenwagen vor das Auto des Tatverdächtigen gestellt. Dieser habe daraufhin das Polizeiauto seitlich gerammt, den Rückwärtsgang eingelegt und sei geflohen.

Wenig später sei es zu einem weiteren Zusammenstoß gekommen. Der Tatverdächtige flüchtete zu Fuß. Nach mehreren Aufforderungen legte er sich auf den Boden, stand aber immer wieder auf. Als der Beamte ihn festnehmen wollte, habe der 33-Jährige um sich geschlagen, den Kopf des 48-jährigen Polizeibeamten an seine Brust gezogen und dessen Kopf ruckartig hin und hergerissen.

"Ich habe die Orientierung verloren und habe Angst um mein Leben gehabt", beschrieb der Polizist im Verhandlungssaal. Er habe panisch um sich geschlagen, wobei ihm egal gewesen sei, wen er dabei treffe. Erst als eine zweite Streifenwagenbesatzung eintraf, konnte der Mann überwältigt werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 33-Jährigen vor, er habe den Polizisten töten wollen. Da er damit den Einbruch verdecken wollte, komme das Mordmerkmal der Verdeckung einer Straftat in Betracht. Die Tat war zunächst vorm Amtsgericht in Wernigerode verhandelt worden. Da nicht nur eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung in Betracht kommt, wurde das Verfahren wegen versuchten Mordes ans Landgericht Magdeburg verwiesen und wird dort erneut verhandelt.

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