bedeckt München 22°

Krebstherapien:"Alternative" Krebstherapie - mit tödlichem Gift vom Heilmeister

Unscheinbarer Ort des Unheils: das inzwischen geschlossene Behandlungszentrum in Brüggen-Bracht am Niederrhein.

(Foto: Henning Kaiser/AFP)

Eine Häufung von Todesfällen in einer Klinik am Niederrhein zeigt: In Deutschland gibt es für solche Angebote keine klaren Regeln. Und wer todkrank ist, sucht oft verzweifelt nach Behandlungsmethoden.

Fleur W. suchte und las, las und suchte. Was soll man auch tun, wenn man 31 Jahre alt ist, Krebs im Endstadium hat und die Ärzte im Universitätsklinikum sagen, dass sie nichts mehr machen können? So fahndete Fleur W. im Internet nach einer letzten Chance, und im Juni glaubte die Niederländerin sie in Deutschland gefunden zu haben, gleich hinter der Grenze. In Brüggen-Bracht am Niederrhein bot der Heilpraktiker Klaus R. eine "biologische Krebstherapie" an. Eine Therapie mit zweifelhafter Wirkung. Und, so hat es mehr und mehr den Anschein, offenbar eine sehr gefährliche Therapie.

Drei Wochen nach ihrem ersten Besuch bei Klaus R. muss Fleur W. die Behandlung abbrechen; zu schlecht ergeht es ihr, sie stirbt Ende Juli. Ein Einzelfall. Doch nur wenige Tage später kommt es unter den Patienten des Behandlungszentrums in Brüggen-Bracht zu einer außergewöhnlichen Häufung von Todesfällen. Eine 43-jährige Niederländerin, ein 55-jähriger Niederländer und eine 55-jährige Flämin sterben wenige Tage, nachdem sie dort eine Infusion erhalten haben. Zwei weitere Frauen liegen noch im Krankenhaus.

Alle fünf wurden am 27. Juli bei R. behandelt. Dessen Klinik ist inzwischen versiegelt, die Staatsanwaltschaft hat die Räume durchsucht, auch darf der Heilpraktiker seinen Beruf nicht mehr ausüben. 26 Patienten meldeten sich derweil bei den Behörden, wie die niederländische Polizei am Dienstag mitteilte. Sie hatte dazu aufgerufen: Es bestehe "ein konkretes Gesundheitsrisiko".

Die Patienten können auch an ihrer Krankheit gestorben sein

An dem Zentrum in Brüggen-Bracht steht heute kein Name mehr. Drei Praxisräume hatte es hier bisher gegeben, mit jeweils vier Behandlungsstühlen. Und meist waren diese gut gefüllt, wie Patienten niederländischen Medien berichteten. Gelockt wurden sie alle mit einer angeblich biologischen Behandlung, die "100 Prozent frei von giftigen Stoffen" sei, wie es auf der Website des Zentrums heißt, "im Gegensatz zur Chemotherapie, die fast komplett toxisch ist".

Ob die angeblich so sanfte Behandlung den Patienten den Tod brachte, müssen die Staatsanwälte nun herausfinden. Einfach wird das nicht. Schließlich können die Krebspatienten auch an ihrer Krankheit gestorben sein.

Übergewicht Ist Gewicht gar nicht so wichtig?
Lebenserwartung

Ist Gewicht gar nicht so wichtig?

Ist Übergewicht schädlich? Oder gar gesund? Die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen widersprechen sich. Der Einfluss der Figur auf die Lebenserwartung wird wahrscheinlich überschätzt.   Von Werner Bartens

Doch mindestens die Sache mit der biologischen Behandlung ist anrüchig. Zu den Mitteln, die Klaus R. den fünf Patienten vom 27. Juli verabreichte, gehörte offenbar die Substanz 3-Bromopyruvat (3-BP). Das Mittel ist synthetisch hergestellt und ein Zellgift, mit Biologie hat es wenig zu tun. Vor allem aber wurde 3-BP bislang nur im Tierversuch getestet, es ist weit entfernt von einer Zulassung als Medikament.

Wie R. an 3-BP kam, ist bisher offen. Die Ehefrau der verstorbenen Belgierin Leentje C. sagt RTL Nieuws, R. habe das Mittel früher aus Deutschland bezogen und erst seit Kurzem aus den USA. Als Leentje C. über Beschwerden klagte, habe R. die Firma kontaktiert. Aber man habe ihm versichert, dass alles in Ordnung sei.