SZ-Kolumne "Bester Dinge":Zu dritt ist man weniger allein

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(Foto: imago/blickwinkel)

Kraniche gelten als loyale Vertreter der Monogamie, aber jetzt hat ein Forscher mehrere Vögel beobachtet, die als Trio leben. Wilde Polyamorie?

Von Friedrich Conradi

Klar, nicht jeder lebt so katholisch wie der Kranich. Löwenmännchen etwa haben einen ganzen Harem an Löwinnen und auch bei Menschenaffen gibt es praktisch keine exklusiven Partnerschaften. Kraniche dagegen wählen einen Partner fürs gesamte Leben, bis dass der Tod sie scheidet. So sind sie auch in Film, Literatur und Dichtung zu einem Symbol für Treue geworden.

Umso überraschender ist die Entdeckung eines indischen Biologen, die er in der Märzausgabe der Zeitschrift Ecology veröffentlichte. 1999 sah Gopi Sundar nämlich zum ersten Mal ein Kranichtrio. Experten aus den USA belächelten ihn, aber der Wissenschaftler ließ nicht locker und beobachtete das Trio weiter. 16 Jahre lang. Sundar schulte auch indische Bauern darin, die Saruskraniche zu beobachten und nach Trios zu suchen. Das Ergebnis: Auf 11 500 Sichtungen kamen knapp 200 Trios. Das ist zwar selten, aber ganz offensichtlich war Sundars Erstbeobachtung alles andere als ein Einzelfall. Haben Kraniche also einen Hang zur romantischen Dreiecksbeziehung?

Auch hier gibt es mittlerweile Klarheit und nein, sie zerrüttet das Bild der treuen Partnerschaft unter den Tieren nicht. Der dritte Kranich, weiblich oder männlich (beides kommt vor), ist offenbar eher eine Art Au-pair, er verlässt die werdenden Eltern für die Zeit der Paarung und Brut und kehrt erst zurück, um bei der Versorgung der Küken zu helfen. Häufig kommt das nicht vor, aber ein einzelnes Tier, heißt es, könne durchaus mal auf ein Paar stoßen, das Unterstützung bei der Erziehung braucht. Die Chancen auf beruflichen Erfolg sind für Au-pair-Kraniche jedenfalls größer als für einen Kranich-Scheidungsanwalt.

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