König Felipe VI.:Leonor - Kronprinzessin mit acht Jahren

Lesezeit: 5 min

Was ändert sich für den Rest der Familie?

Mit dem Aufstieg des Vaters wird die erstgeborene, achtjährige Tochter Leonor zur jüngsten Kronprinzessin Europas. Bisher waren Kronprinz Felipe und seine Frau Letizia bemüht, Leonor und ihre ein Jahr jüngere Schwester weitgehend aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Das könnte sich für die Kronprinzessin jetzt ändern. "Die Thronfolge wird ihr Leben verändern. Das tut mir ein bisschen Leid für sie, denn sie wird einige ihrer Freiheiten verlieren", meint José Apezarena, der Felipes Biografie geschrieben hat. Damit einher geht auch ein wohlklingender Titel: Leonor wird "Prinzessin von Asturien". Allerdings könnte das Mädchen auch leer ausgehen. Nämlich dann, wenn ihre Mutter noch einen Sohn zur Welt bringt. Männliche Thronfolger werden in Spanien nämlich - anders als etwa in Schweden - noch immer bevorzugt.

Juan Carlos hingegen behält seinen Titel als König und wird auch künftig als Majestät angesprochen. Allerdings wird er keine repräsentativen und administrativen Funktionen mehr haben. Möglicherweise wird er Sohn Felipe aber gelegentlich bei offiziellen Veranstaltungen begleiten.

Felipes Ehefrau Letizia wird in die Geschichte der spanischen Monarchie als erste Königsgemahlin eingehen, die einem bürgerlichen Hause entstammt. Die ehemalige Fernsehjournalistin wird sich die Sympathien der Spanier erst noch verdienen müssen. Übertrieben perfektionistische und zuweilen missgelaunte Auftritte bescherten der künftigen Königin in der Vergangenheit schlechte Umfragewerte. Letizia ist bekannt für ihren eigenen Kopf und setzt sich dafür ein, dass die Familie neben offiziellen Terminen auch ein Privatleben führen kann. Ob sie jedoch auch künftig mit ihrem Mann in Jeans und Lederjacke ins Kino gehen kann, bleibt abzuwarten.

Was ändert sich sonst noch in Spanien?

Der Thronwechsel bringt für Spanien eine Reihe kleinerer Änderungen mit sich: Es müssen Münzen mit dem Porträt des neuen Königs geprägt und neue Briefmarken gedruckt werden. In Amtsstuben müssen die Porträtbilder von König Juan Carlos durch Fotos des neuen Monarchen ersetzt werden. Bei Hochschulinstituten, Schulen, Sportstätten und anderen Institutionen, die nach "König Juan Carlos" benannt sind, stellt sich die Frage, ob sie ihre Namen ändern sollen. Die spanischen Ein- und Zwei-Euro-Münzen werden wahrscheinlich noch bis 2015 das Bild von Juan Carlos tragen, erst dann werden sie schrittweise durch Geldstücke mit dem Porträt von Felipe ersetzt. Nach dem Tod von Francisco Franco 1975 waren in Spanien noch jahrelang Peseta-Münzen mit dem Bild des Diktators im Umlauf.

Was erwartet das Volk vom neuen König?

Die Erwartungen an Felipe sind hoch. Er soll das Königshaus aus seiner Image-Krise herausführen und ihm zu neuer Popularität verhelfen. Zwar stehen die beiden großen Parteien, die konservative Partido Popular und die sozialdemokratische PSOE, weiterhin hinter dem Königshaus, allerdings hat die Zustimmung der Bürger zur Monarchie in den vergangenen Jahren gelitten. Ein Grund dafür sind die Korruptionsvorwürfe gegen Felipes Schwester Cristina und deren Mannes Iñaki Urdangarin. Gegen beide ermittelt die Justiz.

Nach Felipes Verständnis müssen der König und die anderen Mitglieder des Königshauses stets mit gutem Beispiel vorangehen und in der Öffentlichkeit ein gutes Bild abgeben. Ihre Aufgabe sei es, Diener des Landes zu sein: "Wir sind eine Art öffentlicher Dienst, der an jedem Tag und zu jeder Stunde dem Land zur Verfügung stehen muss", sagte Felipe einmal.

Um diese Aufgabe erfolgreich zu bestreiten, hilft Felipe vielleicht eine Umfrage, die die Zeitung El Mundo kürzlich unter PR-Experten gestartet hat. Die Fachleute rieten dazu, angesichts der Wirtschaftskrise strikt auf Sparsamkeit zu achten. Das spanische Königshaus kostet die Steuerzahler etwa acht Millionen Euro. Verglichen mit anderen europäischen Monarchien ist das ein eher geringer Betrag, der zudem in den vergangenen Jahren bereits gekürzt wurde. Außerdem, so die PR-Fachleute, solle der Monarch in der Öffentlichkeit auch mal in den Regionalsprachen Katalanisch, Baskisch oder Galicisch äußern und den Zarzuela-Palast durch einen Tag der offenen Tür einmal im Jahr den Bürgern öffnen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema