Felipe von Spanien Berufsanfänger mit 46

Hat er das Zeug zum König? Prinz Felipe bei einer Veranstaltung im spanischen San Lorenzo de El Escorial.

(Foto: REUTERS)

Er soll Spaniens Monarchie in die Zukunft führen: Kronprinz Felipe wird schon bald König. Ein Amt, auf das ihn sein Vater Juan Carlos vier Jahrzehnte vorbereitet hat. Nur einmal in dieser Zeit hat Felipe Widerworte gegeben.

Von Jana Stegemann

46 Jahre lang hat er sich vorbereitet. Vorbereitet auf eine große Aufgabe: König von Spanien zu sein. Dieser Tag ist für Felipe Juan Pablo y Alfonso de Todos los Santos de Borbón y Grecia nun zum Greifen nah. Schon in zwei Wochen könnte der 46-jährige Kronprinz den spanischen Thron besteigen. Sein Vater Juan Carlos hat nach mehr als 40 Jahren im Amt am Montag überraschend seine Abdankung bekanntgegeben.

Doch Kronprinz Felipe, dem künftigen König Philipp VI., schlägt aus dem ganzen Land heftiger Widerstand entgegen: Die Hälfte aller Spanier unter 35 lehnt einen König als Staatsoberhaupt ab. Tausende demonstrieren auf den Straßen Madrids und Barcelonas gegen die Monarchie und fordern deren Abschaffung.

Und Felipe fehlen zwei wichtige Dinge: der Charme und die Volkstümlichkeit seines Vaters. Dafür hat er - so berichten es Beobachter - die Herzlichkeit und Ernsthaftigkeit seiner Mutter geerbt. Er spricht neben seiner Muttersprache Spanisch fließend Französisch und Englisch, kennt sich als häufiger Gesandter seines Landes besonders gut mit der Kultur Lateinamerikas aus. Klare Worte waren von ihm bislang nicht zu hören, dafür hat er sein Lächeln und Händeschütteln perfektioniert.

"Thronfolger zu sein, bedeutet nicht, zu warten", sagte Felipe einmal, "sondern sich darauf vorzubereiten, irgendwann König zu sein." Kritiker ätzten damals sogleich, dass der 1,97 Meter große Felipe sich Zeit seines Lebens nicht gerade überarbeitet hätte. So sorgte 2007 eine Karikatur für Aufsehen im Land, die Felipe und seine Frau Letizia beim Liebesspiel zeigen soll. Ihm wurden darin die Worte in den Mund gelegt: "Stell' Dir vor, Du wirst schwanger. Es wäre das erste Mal in meinem Leben, dass ich etwas getan hätte, das Arbeit ähnelt!" Vielerorts wird von Felipe zwar das Bild eines sensiblen und netten Mannes gezeichnet. Dieser verbringe jedoch zu viele seiner Tage mit Polo- und Tennisspielen, Motorbootfahren und Cocktailtrinken, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Juan Carlos I.

Ein König, der die Demokratie brachte

Trotzdem ist Felipe mit Abstand das beliebteste Mitglied der spanischen Königsfamilie. Seine Eltern bezeichneten ihn einst als den "am besten qualifizierten Thronfolger in der Geschichte der spanischen Monarchie". Er wird in jedem Fall der erste Akademiker auf dem spanischen Thron sein.

Die Nacht des 23. Februar 1981

Am 30. Januar 1968 kommt Felipe nach den Prinzessinnen Elena und Cristina als drittes Kind von Juan Carlos und Sofia zur Welt. Seine Schulzeit verbringt der Prinz an einem katholischen Gymnasium in Madrid. Mit der Proklamation seines Vaters zum König von Spanien am 22. November 1975 wird der damals Siebenjährige zum Kronprinzen. Mit neun Jahren wird ihm der Titel "Prinz von Asturien" verliehen.

Unzählige öffentliche Termine und Auslandsreisen hat Felipe in seinem Leben absolviert, doch ein Ereignis dürfte ihn ganz besonders geprägt haben. Als sich sein Vater Juan Carlos in der Nacht des 23. Februar 1981 gegen einen Putsch von reaktionären Militärs stellt, muss der damals 13 Jahre alte Prinz bei seinem Vater in dessen Arbeitszimmer ausharren. Nachts hält Juan Carlos in der Uniform des Oberbefehlshabers eine Fernsehansprache, in der er sich für die Demokratie ausspricht, berät sich stundenlang mit seinen Offizieren. Die ganze Zeit über stumm an seiner Seite: Felipe. "Er sollte sehen, wie ich mein Amt ausübe, wenn alles in Frage gestellt ist", sagte König Juan Carlos später über diese Erziehungsmaßnahme. Nachdem die Putschisten sich schließlich ergeben haben, schicken die Eltern den übernächtigten Felipe am nächsten Tag wie gewohnt zur Schule.

Nach mehreren Auslandsauftenthalten in Internaten und einer Offiziersausbildung an Militärakademien studiert der Adelsspross Rechtswissenschaften in Madrid, bevor er mit seinem Cousin, Kronprinz Paul von Griechenland, in eine WG in die USA zieht. Hier absolviert Felipe bis 1995 einen Master-Studiengang im Fach Internationale Beziehungen an der Georgetown University.

Begehrtester Junggeselle Europas

Nach seiner Rückkehr Mitte der Neunzigerjahre gilt er in Spanien als begehrtester Junggesselle Europas. Täglich sollen mehr als 300 Liebesbriefe den Palast in Madrid erreichen. Da ist der Prinz jedoch bereits vergeben - wenn auch unter missbilligenden Blicken seiner Eltern: Seit 1997 ist Felipe mit dem norwegischen Dessous-Model Eva Sannum liiert. Sogar zur Hochzeit des norwegischen Prinzenpaares Haakon und Mette-Marit 2001 bringt Felipe seine blonde Freundin mit. Der Königspalast bestätigt die mehrjährige Beziehung jedoch nie, das Königspaar soll mit der Wahl Felipes überhaupt nicht einverstanden sein. Wenige Monate nach dem gemeinsamen öffentlichen Auftritt trennen sich die beiden.

Felipe ist wieder Single, die spanischen Klatschblätter wähnen in ihm schon den "ewigen Junggesellen". Bis zu dem Abend, an dem Felipe eine neue Nachrichtensprecherin im Fernsehen sieht. Sie heißt Letizia Ortiz Rocasolano, galt in der Redaktion des Senders als witzig, ehrgeizig und unfassbar charmant. Der Prinz schaut nun häufiger Nachrichten - und bittet einen Bekannten, ein Privatessen mit der zierlichen Journalistin zu arrangieren. Die beiden verlieben sich. Doch dem strengen spanischen Königshof gefällt die Verbindung gar nicht. Letizia Ortiz stammt aus einfachen Verhältnissen, ist einmal geschieden, fällt Felipe auch schon mal öffentlich ins Wort. Dennoch markiert diese Zeit einen Wendepunkt in seinem Leben. Der als schüchtern und zurückhaltend geltende Prinz lehnt sich zum ersten Mal gegen seinen Vater auf.

Der Kronprinz will sich der Staatsräson und dem Willen seiner Eltern nicht beugen, droht gar mit Thronverzicht, sollte der Vater - wie schon im Falle Eva Sannums - sein Veto einlegen. Siehe da: Auf einmal geht alles ganz schnell. Der Zarzuela-Palast bestätigt die Beziehung zwischen Felipe und Letizia in einer kurzen Presseerklärung, am 22. Mai findet findet die Hochzeit in der Kathedrale von Madrid statt.

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Die Töchter Leonor, acht Jahre, und Sofia, sieben Jahre, haben aus dem Kronprinzenpaar inzwischen die perfekte Vorzeigefamilie gemacht. Gerüchte über Eheprobleme und Letizias Magersucht konnten diesem Bild lange nichts anhaben. Auch als der Palast zum ersten Mal in seiner Geschichte Stellung nehmen muss, zu Gerüchten um eine Schönheitsoperation der Prinzessin an der Nase ("aus gesundheitlichen Gründen"), schadet es dem Ansehen der jungen Familie nicht. Erst das zuletzt erschienene Buch "Adé Prinzessin" hat einen Schatten auf das Kronprinzenpaar geworfen. Der Autor des Buches und Letizias Vetter, Rechtsanwalt David Rocasolano, behauptet darin, dass er kurz vor der Verlobung Dokumente über eine lange zurückliegende Abtreibung Letizias an sich genommen habe, damit sie dem König nicht in die Hände fielen. Abtreibung gilt im erzkatholischen Spanien als Todsünde.

"Letizia sorgte dafür, dass Felipe menschlicher erscheint", sagte der Königshausexperte Jaime Peñafiel vor kurzem. Letizia habe den verwöhnten und steifen Felipe in die Wirklichkeit zurückgeholt. Doch nicht wenige Spanier sind enttäuscht darüber, dass die 41-jährige Prinzessin in den zehn Jahren ihrer Ehe kaum eigenes Profil entwickelt hat. Felipe hat (bislang) alle Skandale des Königshauses unbeschadet überstanden - und muss nun das Herrscherhaus aus der tiefsten Krise seit der Vereidigung seines Vaters im Jahr 1975 führen.

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