Katholische Kirche Der Dompropst, der jetzt auch Frauen einstellt 

Bisher reine Männersache: Ein Kölner Domschweizer bittet Kirchenbesucher freundlich um Ordnung.

(Foto: Oliver Berg/picture alliance)

Im Kölner Dom fällt eine uralte Männertradition: Nun sollen auch Frauen freundlich für Zucht und Ordnung bei Besuchern in dem Gotteshaus sorgen.

Interview von Martin Zips

Im Kölner Dom fällt die letzte Männerbastion. Erstmals sollen bei den sogenannten Domschweizern, die wohl schon seit dem Mittelalter bei den Besuchern auf gutes Benehmen achten, auch Frauen eingestellt werden. Dazu der Kölner Dompropst Gerd Bachner.

SZ: Herr Dompropst, als junger Mensch sind Sie ja in Düsseldorf zur Kirche gegangen. Haben sich die Menschen da auch schon so zügellos verhalten wie in Köln?

Gerd Bachner: In Düsseldorf war ich Obermessdiener und Pfarrjugendführer. Und nein, natürlich ist das nicht vergleichbar.

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Nun möchten Sie Frauen als "Domschweizerinnen" einstellen. Was ist das?

Das sind die Personen, mit denen sie während eines Besuchs im Kölner Dom meist als Erstes in Kontakt kommen. Die tragen lange rote Talare und heißen so, weil sich früher oft schweizerische Söldner als Wachpersonal bewarben.

Man könnte auch "Aufpasser" sagen.

Wer sich zu benehmen weiß in einem Gotteshaus, auf den muss man nicht aufpassen. Aber der Kölner Dom ist weder ein Museum noch eine Imbissstube. Die Domschweizer sorgen dafür, dass eine gewisse Hausordnung eingehalten wird.

Aber Sie sind doch auch schon mal auf die Turmspitze geklettert ...

Ja, aber das ist außerhalb des liturgischen Raumes. Bergsteigen ist mein Hobby.

Was machen die Leute in der Kirche so?

Da gibt es nichts, was es nicht gibt. Manche ziehen sich aus oder setzen sich als Pärchen in den Beichtstuhl. Auch Wasser aus dem Weihwasserbecken wurde schon getrunken. Da geht ganz viel verloren.

Und wie reagiert man am besten?

Einerseits weiter die Türen öffnen und alle willkommen heißen. Andererseits sich nicht als Kulisse missbrauchen lassen. Wir machen nicht "Glauben light". Wir bieten einen Glauben an, der den Menschen ernst nimmt. Also sollte man auch uns ernst nehmen.

Wie oft kommt es denn vor, dass sich Menschen nicht benehmen?

Gerd Bachner, 73, verbrachte nach der Flucht seiner Eltern aus Ostpreußen seine Jugend in Düsseldorf und wurde 1972 im Kölner Dom zum Priester geweiht. Heute kümmert er sich als Dompropst um das Gotteshaus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Täglich. Und es nimmt zu. Besonders schlimm fand ich es, als ein Tourist so handgreiflich wurde, dass unser Helfer mit Bänderriss ins Krankenhaus musste.

Das geht nicht.

In Deutschland sind wir ja noch liberal. In Italien etwa herrscht eine viel strengere kirchliche Kleiderordnung. Und in England müssen Sie sogar Eintritt zahlen, wenn Sie eine Kirche anschauen wollen.

Sind Frauen als Aufpasser denn besser geeignet als Männer?

Es ist einfach an der Zeit, dass wir auch diese uralte Männertradition beenden. Wir haben ja schon viele Frauen im Einsatz: Als Küsterinnen, in der Domschatzkammer, als Lektorinnen...

Nur nicht als Priesterinnen. Gibt es Kirchenbesucher, die sich besser benehmen können als andere?

Mit den Fans vom 1. FC Köln haben wir kein Problem, beim Gottesdienst zum ersten Heimspiel. Auch nicht mit den Fans der Höhner oder Karnevalisten. Problematisch wird es bei böswilligen Störern.

Zumal man gerade von Christen immer Toleranz erwartet. Selbst bei fotografierenden Eltern und schreienden Kindern.

Fotos dürfen nur dezent gemacht werden. Sonst kommen die Domschweizer. Und wenn viele Kinder herumkrabbeln ist es für mich manchmal schon schwierig, bei der Predigt. Aber ich sage fast nie etwas.

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