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Hochwasser in Pakistan:Sarkozy: Eingreiftruppe für Naturkatastrophen

Angesichts der Überforderung der pakistanischen Regierung bei der Bewältigung der Flutkatastrophe nimmt Frankreichs Präsident Sarkozy die EU in die Pflicht. Unterdessen regnet es in Pakistan wieder.

Sechs Millionen Pakistaner haben nach offiziellen Angaben noch immer keine Verpflegung oder sonstige Hilfe erhalten. Nach Einschätzung der Hilfsorganisation Care steht das Land "unmittelbar vor einer Hungerkrise": Es gebe bereits Berichte über verhungerte Kinder. Zudem drohen durch verschmutztes Trinkwasser und unhygienische Zustände Seuchen: Die Weltgesundheitsorganisation stellt sich bereits auf den Ausbruch der Cholera ein.

Flutkatastrophe in Pakistan, AFP

Es regnet weiter in Pakistan: Weil die Regierung des Landes mit der Bewältigung der Flut vollkommen überfordert ist, fordert Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy eine EU-Eingreifmission für Naturkatastrophen.

(Foto: AFP)

Die Regierung in dem politisch instabilen Land ist mit dem Ausmaß der Monsunflut, die etwa ein Fünftel des Landes überschwemmt hat, vollkommen überfordert. Nun hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy angeregt, für solche Fälle eine Art europäische Eingreifmission für Naturkatastrophen einzurichten.

Diese solle durch "nationale Mittel der Mitgliedstaaten" finanziert werden, schlägt Sarkozy in einem Brief an EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso vor. Man werde in Kürze konkrete Vorschläge hierzu präsentieren.

Frankreich sei bereit, militärische Mittel zu mobilisieren, um im Rahmen der Nato mit Flugzeugen und Schiffen internationale Hilfen nach Pakistan zu bringen, fügte das französische Staatsoberhaupt hinzu. Er forderte eine "umfassende Mobilisierung der Europäer" angesichts des Ausmaßes der Katastrophe. Es sei "essentiell", dass die Nothilfe schnell die Menschen vor Ort erreiche. Die EU könne zudem bereits damit beginnen, Wiederaufbaumaßnahmen festzulegen, die als "Instrument der Stabilität" bald nötig würden.

"Überall ist Wasser"

Unterdessen ist die Wetterlage in Pakistan weiter prekär: Am Montag begann es wieder zu regnen.

Am Wochenende hatte die Flut eine arme Region an der Grenze zwischen den Provinzen Sindh und Balutschistan getroffen. Die zweieinhalb Meter hohen Wassermassen hätten 25.000 Familien obdachlos gemacht, sagte ein Regierungsvertreter im Bezirk Nasirabad. Etwa 4.000 Dörfer seien entweder abgeschnitten oder überflutet worden. "Überall ist Wasser", berichtete der Offizielle.

Indes bemühen sich die Behörden verzweifelt um die Rettung der vom Hochwasser bedrohten Stadt Jacobabad. "Wir arbeiten hart daran, das Wasser von Jacobabad wegzulenken", sagte der pakistanische Sportminister, der sich derzeit vor Ort in der südlichen Provinz Sindh aufhält. Ein Viertel der 300.000 bis 400.000 Einwohner der Stadt sei in Sicherheit gebracht worden.

Die Gegend um Jacobabad ist bereits überflutet. Dort ist auch eine Luftwaffenbasis vom Hochwasser bedroht. Die Behörden hatten bereits am Freitag eine Flutwarnung für Jacobabad herausgegeben und die Einwohner zum Verlassen der Stadt aufgerufen. Zahlreiche Bewohner weigerten sich aber, ihre Häuser und Besitztümer zurückzulassen.

Der zuständige Minister in der Provinz Sindh, Jaim Saifullah Dharejo, erklärte, der Damm im Bezirk Sukkur sei großen Belastungen ausgesetzt. "Die kommenden vier bis fünf Tage sind entscheidend."

Etwa 20 Millionen Pakistaner sind aktuell obdachlos. Hunderttausende Flutopfer harren in den betroffenen Gebieten in provisorischen Zelten aus. Der Unmut der Überlebenden steigt angesichts der scheinbaren Tatenlosigkeit ihrer Regierung. Aus Protest blockierten am Montag einige hundert Menschen eine Schnellstraße in dem besonders betroffenen Gebiet Sukkur.

Sie beklagten, dass sie wie Tiere behandelt und Regierungsvertreter nur dann Lebensmittel verteilen würden, wenn Medien dabei seien. "Sie schmeißen Lebensmittelpakete auf uns, als wenn wir Hunde wären", sagte ein Demonstrant.

Am Sonntag besuchte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon das Katastrophengebiet und forderte schnellere Hilfe für die Opfer. Die Vereinten Nationen haben zunächst um Finanzhilfen in Höhe von 460 Millionen Dollar gebeten, davon gingen bisher 60 Prozent ein. Für den Wiederaufbau nach den Überschwemmungen sind nach Einschätzung der UN mehrere Milliarden Dollar nötig.

© AFP/dpa/jobr/jab

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