Wetter Die Welt schwitzt und vertrocknet

Mitteleuropa, aufgenommen aus der Raumstation ISS.

(Foto: dpa)

Menschen, Tiere, Landschaften - allen macht die Hitze zu schaffen. Japan spricht von einer "Naturkatastrophe" und Alexander Gerst schickt Fotos aus dem All.

Von Eva Casper

Gesundheit

Gerade für ältere Menschen können die hohen Temperaturen lebensbedrohlich sein. Das macht sich derzeit vor allem in Japan bemerkbar. Das Land hat zwar häufig mit heißen und schwülen Sommern zu kämpfen, doch in diesem Jahr ist das Ausmaß extrem. Mehr als 100 Menschen starben bereits an einem Hitzeschlag, mehr als 70 000 mussten deswegen in Krankenhäuser gebracht werden. In manchen Orten wurden Rekordtemperaturen von bis zu 41,1 Grad gemessen. Die Behörden sprechen inzwischen von einer "Naturkatastrophe". Tokios Gouverneurin Yuriko Koike versprach, dass die Hitze mit gleicher Priorität angegangen werde wie das Szenario terroristischer Anschläge. Einige Kinder dürften sich aber auch über die Hitze freuen. Weil zahlreiche Schulen keine Klimaanlagen haben, überlegt die Regierung, die Sommerferien zu verlängern.

Fauna und Flora

Die Stadt Hamburg hat ihre Alsterschwäne vorzeitig in ihr Winterquartier, den Eppendorfer Mühlenteich, gebracht. In den vergangenen Tagen waren vier von ihnen gestorben. Ob es an der Hitze lag, ist noch unklar. Zahlreiche Fische sind bereits durch die hohen Wassertemperaturen verendet.

Auch die jungen Tannen in Niedersachsen, Bremen und Hamburg leiden unter den Temperaturen. Der Verband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger meldet "an einigen Standorten sogar Totalverlust". Immerhin: Die Weihnachtsbaum-Versorgung der Bevölkerung in diesem Jahr sei gesichert, wenn auch bei höheren Preisen.

Von der Hitze profitieren die Wespen. Sie mögen Trockenheit und haben sich in diesem Sommer stark vermehrt. In Nordrhein-Westfalen kommen die Schädlingsbekämpfer mit der Arbeit nicht nach. Derweil haben die Winzer in Franken bereits mit der Weinlese begonnen - so früh wie nie zuvor.

Während Weinbauern in Europa mit einem guten Ertrag rechnen, vertrocknet andernorts die Ernte. Vor allem beim Getreide sind die Schäden immens. Auch das Futter für die Tiere wird rar: Einige Landwirte verfüttern bereits jetzt die Heuernte, die eigentlich für den Winter gedacht war. Wie sehr die Landschaft in der Mitte Europas ausgetrocknet ist, hat kürzlich der Astronaut Alexander Gerst dokumentiert. Er schickte Fotos aus dem All:

Waldbrände

In Kalifornien kämpfen Einsatzkräfte seit Wochen gegen die Flammen. Inzwischen haben sie ein historisches Ausmaß erreicht. Zwei nahegelegene Brände haben sich zu einem großen Feuer vereint - dem größten, den der Bundesstaat je registriert hat. Betroffen ist ein 1150 Quadratkilometer großes Gebiet. Das entspricht fast der Hälfte des Saarlands. Auch in Portugal versuchen mehr als tausend Feuerwehrleute, einen Waldbrand einzudämmen. Nachdem die Lage größtenteils unter Kontrolle zu sein schien, habe sich die Situation wegen aufkommender Winde am Montagabend erneut verschlechtert, teilten die Behörden mit. Das Feuer bedroht den Ferienort Monchique, zahlreiche Anwohner wurden bereits evakuiert. In Portugal herrschen teilweise Temperaturen von mehr als 45 Grad.

Kalifornien

Zwei riesige Waldbrände vereinigen sich

Infrastruktur

Steigen die Temperaturen auf mehr als 30 Grad, steigt die Gefahr für sogenannte "Blow-ups". Gemeint ist, dass Straßenbelage aufbrechen. Der Flughafen Hannover versucht, solche Schäden zu vermeiden und kühlt seine Landebahnen mit Wasser. Die A 6 zwischen Heilbronn und Saarbrücken musste am Dienstag zeitweise gesperrt werden, weil der Straßenbelag sich durch die Hitze stark verformt hat. Einige Großstädte in Frankreich erließen wegen der hohen Ozonbelastung Fahrverbote für Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß.

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