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Herzogin Meghan:Geht's dir gut?

Herzogin Meghan Markle

"Ich habe versucht, mir vorzustellen, wie wir darüber hinwegkommen würden": Herzogin Meghan über ihre Fehlgeburt im Juli.

(Foto: Daniel Leal-Olivas/AFP)

Herzogin Meghan schreibt in einem Zeitungsessay über ihre Fehlgeburt im Sommer. Der Text liest sich wie die Chronik ihrer Entfremdung von der königlichen Familie - und wie ein Appell, näher zusammenzurücken.

Von Alexander Menden

"Mutter, Feministin und Fürsprecherin" ist unter dem Namen der Autorin zu lesen, die am Mittwoch eine Kolumne in der New York Times veröffentlicht hat. In der Autorenzeile selbst steht: Meghan, Duchess of Sussex. Für den ersten Artikel, den Herzogin Meghan, ehemals Markle, Ehefrau von Prinz Harry, nach dem Rückzug des Paares aus der ersten Reihe der britischen Royals verfasste, hat sie nicht das Vereinigte Königreich gewählt, sondern ihr Heimatland Amerika. Das Thema ist ein denkbar gewichtiges: Es geht um eine Fehlgeburt im Juli, um Verlustgefühle und ganz allgemein um die Bedeutung eines pfleglichen Umgangs miteinander in Zeiten von Pandemie und Polarisierung.

Herzogin Meghan beschreibt zunächst einen ganz normalen Sommermorgen in ihrem Haus in Kalifornien: "Ich mache Frühstück. Füttere die Hunde. Nehme Vitamine. Finde eine fehlende Socke. Hebe einen unter den Tisch gerollten Wachsmalstift auf. Binde mein Haar zum Pferdeschwanz, bevor ich meinen Sohn aus seinem Bettchen hole."

Dann, während sie ihren Sohn Archie wickelt, spürt sie einen "stechenden Krampf" und fällt vor Schmerzen zu Boden: "Ich wusste, während ich mein erstgeborenes Kind umklammerte, dass ich dabei war, mein zweites zu verlieren", schreibt sie.

Einige Stunden später habe sie sich mit ihrem Mann in einem Krankenhauszimmer wiedergefunden: "Ich starrte auf die kalten weißen Wände und meine Augen wurden glasig. Ich habe versucht, mir vorzustellen, wie wir darüber hinwegkommen würden." Es sei ihr klar geworden, dass der erste Schritt zu einer Verarbeitung die Frage sein müsse: "Geht es dir gut?"

Herzogin Meghan: Habe Fehlgeburt erlitten

Meghan, Harry und Sohn Archie im September 2019 während einer Afrika-Reise.

(Foto: Toby Melville/dpa)

Der Artikel unter der Überschrift "Die Verluste, die wir teilen" weitet von einer sehr persönlichen Verlustgeschichte ausgehend den Blickwinkel und kommt über das Verschweigen von Fehlgeburten auf Themen wie Rücksicht und Distanz. Der Text ist in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert. Er ist in der New York Times erschienen, ein klares Signal, welches Publikum für das Ehepaar Sussex derzeit am bedeutsamsten ist - das US-amerikanische, nicht das britische. Gleichzeitig bezieht die Herzogin sich implizit auf ein Interview, das sie im vergangenen Jahr mit dem ITV-Journalisten Tom Bradby führte. Dieser stellte ihr damals die Frage: "Geht es Ihnen gut?", worauf Meghan sichtlich gerührt antwortete: "Danke, dass Sie fragen. Es haben mich nicht sehr viele Menschen gefragt, ob es mir gut geht."

Clinch mit der Presse, Umzug in die USA

Mit der ITV-Dokumentation begann vor gut einem Jahr die Ablösung des Herzogpaares von der Royal Family und Großbritannien. Seit ihrer Eheschließung hatte Harry der britischen Presse immer erboster mehr oder weniger unverhohlenen Rassismus in der Berichterstattung über seine Frau vorgeworfen. Der Wegzug aus Großbritannien, der vorläufig in den Vereinigten Staaten endete, war ein klares Signal für diese Distanzierung. Diesen September dann verkündete der Streamingdienst Netflix, mit Harry und Meghan einen Vertrag über die gemeinsame Produktion von Dokumentationen, Doku-Serien, Spielfilmen, Drehbuchshows und Kinderprogrammen abgeschlossen zu haben.

Abgesehen von seiner erstaunlichen emotionalen Offenheit und der mutigen Auseinandersetzung mit dem Tabuthema Fehlgeburt ist der New-York-Times-Artikel durchaus als konsequente Fortführung der Medienstrategie des Paares lesbar. Meghan spricht von einem Thanksgiving-Fest, "wie wir es noch nie erlebt haben": "Viele von uns sind von ihren Lieben getrennt, allein, krank, verängstigt, zerstritten und haben vielleicht Schwierigkeiten, etwas zu finden, wofür wir dankbar sein können." Das kann, wer will, auch unmittelbar auf das Verhältnis von Harry und Meghan zur Familie Windsor verstehen. "So uneins und distanziert wir uns auch sein mögen", schreibt die Herzogin weiter, "die Wahrheit ist, dass wir aufgrund all dessen, was wir in diesem Jahr individuell und gemeinsam erlebt haben, mehr denn je miteinander verbunden sind". Und auch das Schlusswort klingt wie eine persönliche Botschaft: "Geht es uns gut? Es wird uns gut gehen."

© SZ/nas
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