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Freiburg:Die Stimmung ist angespannt

Ebenso wie die anderen syrischen Angeklagten ist Ahmed H. anerkannter Asylbewerber nach der Genfer Flüchtlingskonvention. Er könnte zur Schule gehen, hat das Recht zu arbeiten. Da in Freiburg quasi Vollbeschäftigung herrscht, suchen mehr Betriebe einen Azubi, als die Behörden vermitteln können. Aber die Männer müssen auch wollen. Im Wohnheim erlahmte bei Ahmed H. jede Motivation, er sagt, er habe kaum die Unterkunft verlassen.

Dafür Alkohol, Drogen, er habe alles ausprobiert außer Heroin. Zweimal wird er verhaftet, wegen Brandstiftung, wegen Hehlerei, bekommt acht Monate auf Bewährung. Er ist einer jener Männer, die Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) einmal als "Tunichtgute" bezeichnete. In Freiburg ist die Stimmung angespannt, öffentlich äußern will sich niemand. Kurz nach der Tat sagte der Erste Bürgermeister Ulrich von Kirchbach (SPD), es gebe unter den Migranten einen "kleinen Personenkreis von Intensivstraftätern". Einige von ihnen sitzen auf der Anklagebank. Sie waren längst bei Polizei und Ämtern bekannt, weil sie überall Ärger machten, einige wurden mehrmals in neue Unterkünfte verlegt, nahmen ihre Probleme aber mit.

Mit Sozialarbeit kaum erreichbar

Mit Sozialarbeit waren sie kaum erreichbar, wurden aber zunächst nicht derart auffällig, dass Haftstrafen fällig gewesen wären. Im Grunde unterscheiden sie sich kaum von jungen deutschen Intensivtätern. Angeklagt ist auch ein Deutscher, Timo P. Die Mutter war heroinsüchtig, die Eltern trennten sich, als er ein Baby war. Mit zwölf Jahren kam er ins Heim, danach pendelte er zwischen Pflegefamilien, Eltern, Heimen. Auch er: Schule abgebrochen, früh mit Drogen in Kontakt, Ärger mit der Polizei, heute fast 30 000 Euro Schulden.

Als Haupttäter gilt der Kurde Majd H., 22. Er soll der Frau Drogen verkauft und sie als Erster vergewaltigt haben. Auch er wirkt freundlich, spricht gut Deutsch. In Syrien brach er die Schule ab, soll sich einer Miliz angeschlossen haben, offenbar ermittelt die Bundesanwaltschaft. 2014 kam er über den Familiennachzug nach Freiburg, fiel mit Straftaten auf, Anwohner sammelten Unterschriften wegen Ruhestörungen und Gewaltandrohungen. Er soll ein illegales Tattoo-Studio betrieben haben, 2017 wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Laut Staatsanwaltschaft dealte er mit Drogen, es liegt eine weitere Anklage wegen Vergewaltigung vor.

Kurz vor der Tatnacht im Oktober wurde ein Haftbefehl ausgestellt, aber Majd H. war nicht auffindbar. Majd H. und Timo P. sind die einzigen Angeklagten, die vor Gericht ausgesagt haben, alle anderen wollen schweigen. Beide weisen die Vorwürfe zurück und sagen, die 18-Jährige sei die treibende Kraft gewesen. Doch die Aussagen des ermittelnden Polizisten und einer Freundin, die mit in der Disco war, weisen in eine andere Richtung. Sie belasten die Angeklagten schwer.

© SZ vom 25.07.2019/wib
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