Vegetarismus in Frankreich Auschwitz-Vergleiche und ein Schlachthof in Flammen

Unter den geschätzt 200 000 eingefleischten Veganern in Frankreich sind wohl nur ein paar hundert militante Aktivisten. Die aber sind sichtbar. Immer wieder versammeln sie sich vor Metzgereien, stellen blutige Schlachtungen nach, laden Videos von Tierqualen in Mastbetrieben ins Netz.

Und dann gibt es den anonymen Vandalismus. Nahe der Grenze zur Schweiz wurde neulich sogar ein Schlachthof abgefackelt. Besonders aktiv ist die Szene in der Stadt Lille. Dort wurden nicht nur Metzger angegriffen, sondern auch Fischhändler, Käseläden und Restaurants. Sogar ein Denkmal, das an den Einsatz von Brieftauben im Ersten Weltkrieg erinnert, wurde beschmiert: "Stop spécisme."

Die militanten Veganer berufen sich auf den australischen Tierethiker Peter Singer, der mit dem Konzept des "Speziesismus" den intellektuellen Überbau für ihre Aktionen liefert. Ihr Ziel ist, jede Nutzung von Tieren durch den Menschen zu beenden, auch für Kleidung. Manche, wie Eric Riquier, treiben die Gleichsetzung von Mensch und Tier auf die Spitze: "Auschwitz und Schlachthöfe, das ist das Gleiche", behauptet er. Seit dem Sommer ziert ein riesiges Tattoo seinen Rücken, darauf zu sehen sind das Tor des Vernichtungslagers Auschwitz und Tierkadaver.

Neues Nahrungsmittelgesetz als Grund für die Radikalisierung der Tierschützer

Riquier, der als Koch in einem veganen Lokal in Paris arbeitet, ist seit 2014 Veganer. "Ich wollte nicht mehr töten, um zu leben", sagt er. Vor einem Jahr gab er seinen alten Job als Bio-Imker in den Pyrenäen auf: Als er verstanden habe, dass er die Bienen ausbeute, habe er es nicht mehr ausgehalten. Er habe "den Kampf führen" wollen und zog dafür nach Paris.

Seit dem Sommer ziert dieses riesige Tattoo den Rücken des militanten Tierschützers Eric Riquer.

(Foto: privat)

Warum sich die Bewegung in letzter Zeit radikalisiert hat, erklärt Riquier so: Im Frühjahr wurde in Frankreich ein neues Nahrungsmittelgesetz verabschiedet. "Nichts, was Tierschützer drin haben wollten, wurde aufgenommen." Das Schreddern von lebenden Küken bleibt erlaubt, die Videoüberwachung in Schlachthöfen verboten. "Dann gibt es jetzt halt mehr direkte Aktionen", sagt Riquier. Dass von Tierschützern Gewalt ausgehe, bestreitet er. "Es gibt nur ein paar Beschädigungen."

"Wo bleibt das Recht der Tiere auf Leben?"

Die Metzger sehen das anders. Schon im Sommer rief ihre Innung die Regierung auf, sie vor "physischer, verbaler und psychischer Gewalt" zu schützen und forderte ein Versammlungsverbot für die Vegan-Aktivisten vor Fleischereibetrieben. Die Metzger selbst demonstrieren neuerdings allerdings, gemeinsam mit den Jägern und Viehbauern. Mancherorts schickt die Polizei öfters eine Streife bei den Metzgern vorbei. Doch denen genügt das nicht. "Muss erst ein Drama geschehen, bevor wirklich gehandelt wird?", heißt es beschwörend in einer Mitteilung der Innung.

Natürlich ist es auch ein Kampf ums Geschäft. Wenn die Kunden ständig mit Bildern leidender Tiere konfrontiert sind und Demonstranten den Zugang zu den Läden behindern, sinkt der Umsatz. Ohnehin geht der Trend zu gesundheitsbewusster Ernährung. "Die Leute kaufen weniger", bestätigt Metzger Pitel. Einstige Delikatessen wie Rinderhirn braucht er gar nicht mehr anzubieten.

Die Kampf-Veganer sollen den Kunden den Appetit jetzt nicht ganz verderben. "Eine radikale Minderheit kann der großen Mehrheit doch nicht ihre Ideologie aufzwingen. Jeder hat das Recht, Fleisch zu essen." Aktivist Riquier entgegnet: "Und wo bleibt das Recht der Tiere auf Leben?" Verständigung unmöglich.

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