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SZ-Serie "Ein Anruf bei":"Mein Weinregal ist prall gefüllt"

64. Fränkische Weinkönigin Carolin Meyer

Die Krone kann die Fränkische Dauer-Weinkönigin Carolin Meyer zurzeit nur vor dem Bildschirm tragen.

(Foto: Stefan Bausewein)

Weinkönigin ist man in Franken für ein Jahr, doch Carolin Meyers Amtszeit will einfach nicht enden - wegen der Pandemie fällt die Wahl zum zweiten Mal aus. Wie ist es so als Langzeit-Monarchin?

Von Clara Lipkowski

Sie muss volljährig sein und sollte aus einer Winzerfamilie stammen: 64 Frauen durften schon als Fränkische Weinkönigin die Winzer der Region in der Welt vertreten. Seit fast 60 Jahren ist ihre Amtszeit auf ein Jahr begrenzt. Doch die 2019 gewählte Carolin Meyer, 25, sitzt noch immer auf dem Thron. 2020 fiel die Neuwahl pandemiebedingt aus - und jetzt wurde sie wieder verschoben.

SZ: Frau Meyer, wurden Sie da eigentlich noch gefragt oder wird so was irgendwann als Dienst an der Krone erwartet?

Carolin Meyer: Es ist mir eine große Ehre, dass ich gefragt wurde, und ich fände es auch verantwortungslos, wenn ich das ausgeschlagen hätte. Denn das geht ja nicht, dass der fränkische Wein kein Gesicht hat.

2019 hatten Sie 400 Termine. Wie nah dran sind Sie am Weinköniginnen-Burn-out?

Nach 2019 hatte ich tatsächlich Urlaub nötig. Aber jetzt bin ich entspannt und freue ich mich auf meine Termine.

Sind Sie jetzt Weinkönigin im Home-Office?

Ja, das kann man so sagen. Ich spreche digitale Grußworte, mache viele Online-Weinproben...

Digital Wein verkosten mit der Weinkönigin - das geht?

Das geht sehr gut! Wir erzählen zusammen mit fränkischen Winzerinnen und Winzern von der Heimat des Silvaners und verkosten dabei nacheinander vor dem Bildschirm die Weine, die die Weingüter vorher an die Teilnehmer versandt haben. Generell hat ja der Weinverkauf online stark zugenommen. Und anstoßen kann man auch, wenn alle ihr Glas zur Kamera halten.

Und Sie tragen dabei Krone vor dem Laptop?

Die gehört dazu, als Erkennungszeichen. Ich freu' mich dann tatsächlich, die mal wieder tragen zu können.

Markus Söder musste am Neujahrsempfang wegen Corona auf die Fränkische Weinkönigin verzichten.

Ich war noch nie bei dem Empfang, das war schon traurig. Ständig werden Veranstaltungen abgesagt, erst letzte Woche sollte in Franken die Spargelsaison eröffnet werden.

Sie haben ja noch einen weiteren Posten, haben sich als Monarchin gewissermaßen demokratisiert und sitzen für die Freien Wähler im Kitzinger Kreistag.

Da bin ich schon seit einem Jahr, und dort liegt mein Fokus auf der Landwirtschaft. Ich bin ja kein anderer Mensch, nur weil ich Weinkönigin bin.

Aber das Leben als Weinkönigin ist schon besser in Corona-Zeiten, oder?

Also, mein Weinregal ist prall gefüllt. Als Weinkönigin kriegt man oft Wein geschenkt, sodass man auch mal andere Sorten probieren kann. Aber ich bin ja beruflich Winzerin, an Wein hat es mir noch nie gemangelt. Ich muss nur runter in den Gewölbekeller gehen und mein Glas unter den Tank halten.

Gewölbekeller! Leben Sie auf Ihrem Anwesen richtig royal?

Wir haben ein großes Grundstück und einen schönen Gewölbekeller aus dem Jahr 1800, in dem unsere Fässer lagern. Da haben schon meine Vorfahren Wein gemacht. Das kann man sich so romantisch vorstellen, wie es sich anhört.

Auf Instagram fordern Bewunderer, Sie sollten gar nicht mehr abtreten. Was spricht eigentlich dagegen?

Die anderen Bewerberinnen natürlich, die mal die Chance bekommen sollen! Und bei mir steht ja irgendwann die Lebensplanung an. Ich habe zum ersten Februar das Weingut meiner Eltern übernommen und sollte zu Hause bald mal mehr Verantwortung übernehmen.

© SZ/vwu
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