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Flutkatastrophe auf den Philippinen:"Wir hoffen und beten"

Mehr als 520 Todesopfer hat der Taifun "Washi" mit seinen Wassermassen seit der Nacht zu Samstag auf den Philippinen gefordert. Hunderte Filipinos werden noch vermisst, mindestens 20.000 sind obdachlos. Es war ein verheerendes Unglück, das eine ohnehin von Naturkatastrophen, Armut und Gewalt geplagte Region getroffen hat. Plantagenbesitzer Alfonso Macalong überlebte - und steht nun vor dem Nichts.

Jürgen Schmieder

Die meisten Menschen auf der philippinischen Insel Mindanao haben geschlafen, als sich die Katastrophe ereignete. Auch Alfonso Macalong lag im Bett, als der Taifun "Washi" ihn heimsuchte. Macalong lebt mit seiner Familie in Naawan, einem Dorf im Norden, das zwischen den größeren Städten Cagayan de Oro und Iligan City liegt. Genau dort hat der Tropensturm "Washi" das Festland erreicht, mindestens 521 Menschen sind ums Leben gekommen, hunderte gelten derzeit als vermisst, mehr als 20.000 Menschen sind nun obdachlos.

"Es ist das schlimmste, was ich je erlebt habe", sagt Macalong. Und diese Worte stammen von einem, der durchaus an Naturkatastrophen gewöhnt ist. "Washi" ist bereits der 19. Tropensturm, der die Philippinen in diesem Jahr erreichte. Macalong rettete sich mit seiner Familie auf das Hausdach seines Bruders. Geld, Wertsachen und Besitzurkunden für Ländereien musste er zurücklassen. Einer seiner Verwandten ist gestorben, einige andere gelten noch als vermisst.

Zehn Meter hohe Wasserwand

Die Frauen und Kinder seiner Familie hat Macalong mittlerweile in Sicherheit gebracht, mit einem von der Regierung eingesetzten Rettungsbus sind sie ins Landesinnere geflüchtet. Die Männer bleiben zurück - um ihre überschwemmten Häuser gegen Plünderer zu verteidigen, die schon in den Städten und Dörfern unterwegs sind. Danach wollen sie prüfen, ob von ihrem Besitz noch etwas übrig ist. "Alles ist voller Schlamm, bis unters Dach. Wir wissen nicht, ob wir noch etwas retten können", sagt Macalong, der Glück hatte, dass sein Bruder ein Betonhaus besitzt. Bambushäuser und leicht gebaute Hütten wurden einfach fortgespült. Immerhin: Das Weihnachtspaket mit Kleidern und Essen von Verwandten aus Deutschland dient nun als Notfallhilfe.

Am schwersten getroffen wurden die Städte Cagayan de Oro und Iligan City - und die Dörfer dazwischen. Helfer bargen allein dort nach Angaben des Militärs 208 Leichen. Cely Asinero aus Cagayan de Oro wachte durch das dröhnende Getöse draußen auf und sah die Sturzflut. "Wir mussten beim Haus meines Bruders das Dach aufreißen und hochklettern, sonst wären wir ertrunken", sagte sie im Radio. "Wir konnten erst nach sechs Stunden vom Hausdach runterkommen", erzählt auch Macalong, "wir haben gebetet, dann haben wir zumindest unsere Familien in Sicherheit gebracht."

Rettung auf den Dächern der Hütten

In mehreren Flüssen schwoll das Wasser in kürzester Zeit an, trat über die Ufer und rauschte in einigen Gemeinden wie eine zehn Meter hohe Wasserwand durch die Straßen. Die Wassermassen rissen viele der oft leicht gebauten Häuser mit. Manche Einwohner konnten sich in letzter Minute auf ihre Dächer retten. Andere sprangen aus dem zweiten Stockwerk in Rettungsboote.

Vor der Stadt El Salvador, rund zehn Kilometer nordwestlich von Cagayan de Oro, seien 60 Menschen gerettet worden, nachdem sie auf das Meer hinausgetragen worden waren, sagte ein Beamter des Katastrophenschutzes in der Provinz Misamis Oriental, Teddy Sabuga-a. 120 weitere seien vor dem Township Opol in Sicherheit gebracht worden.

Die meisten Tropenstürme treffen auf den Philippinen die Hauptinsel Luzon. Einwohner und Behördenvertreter berichteten, das Unwetter habe am späten Freitag überraschend eingesetzt. Vielen Menschen sei es daher nicht gelungen, sich in Sicherheit zu bringen. Das Fernsehen zeigte, wie Katastrophenhelfer in orangefarbenen Westen Überlebende aus brusthohen Wassermassen retteten.

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