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Flugzeugunglück:Absturz vor Jakarta

Die Suchtrupps haben keine Hoffnung mehr, noch Überlebende zu finden. 62 Menschen sterben bei dem Flugzeugabsturz vor Jakarta.

(Foto: Demy Sanjaya/AFP)

Wenige Minuten nach dem Start verliert eine Maschine des indonesischen Billig-Airliners Sriwijaya dramatisch an Höhe und stürzt ins Meer. Hoffnung auf Überlebende gibt es nicht mehr. Nun wird fieberhaft nach der Ursache geforscht.

Von David Pfeifer, Bangkok

Zwei große Plastiktaschen haben die indonesischen Rettungskräfte am Sonntag an Land gebracht. Darin eingewickelt waren Teile der Boeing 737-500, die Samstagnachmittag im heftigen Regen direkt nach ihrem Start in Jakarta abgestürzt war. Außerdem persönliche Gegenstände und Körperteile. 62 Menschen sind beim Absturz von Flug SJ 182 der Airlinie Sriwijaya ums Leben gekommen. Zwölf Crew-Mitglieder, von denen sich sechs auf einem Transferflug befanden, und 48 Passagiere, unter ihnen zehn Kinder. Alle waren Indonesier auf dem Weg in die Provinz Borneo. Am Flughafen wartete unter den verzweifelten Angehörigen ein Mann, dessen Frau und drei Kinder sich an Bord der Maschine befunden hatten. Hoffnung auf Überlebende gibt es keine mehr. "Meine Frau hat mir noch ein Bild des Babys geschickt, wie könnte mein Herz nicht in Stücke gerissen sein" sagte Yaman Zai der Jakarta Post.

Die Behörden suchen nun nach der Ursache des Unglücks. Wegen der heftigen Regenfälle hatte sich der Start der Boeing 737-500 um fast eine Stunde verzögert. Um 14.06 Uhr hob die Maschine ab, sie stieg auf etwa 3350 Höhenmeter, der Pilot hatte gerade die Erlaubnis eingeholt, weiter zu steigen, als sie in der Flugüberwachung des Soekarno-Hatta-Flughafens in Jakarta auf den Bildschirmen sahen, dass die Maschine innerhalb weniger Augenblicke über 3000 Höhenmeter verlor und vom Radar verschwand. Die Maschine war bereits in Sicht und Hörweite der benachbarten Inseln Laki und Lancang. Fischer berichteten laut CNN, dass sie einen lauten Knall hörten, aber wegen des dichten Regen nichts sehen konnten. Kurz darauf seien sie von einer zwei Meter hohen Welle getroffen worden und sahen, wie sich ein Kerosin-Film um ihr Boot bildete.

Keine Hoffnung auf Überlebende

Noch in der Nacht wurde eine Flotte losgeschickt, zusammengestellt von der indonesischen Marine, der Polizei, der Küstenwache und vom Transportministerium, insgesamt 28 Schiffe, fünf Helikopter und zwei Flugzeuge suchten die Gegend des Absturzes ab, Hunderte Kräfte waren im Einsatz, darunter Kampftaucher der Marine. Schnell wurde jedoch klar, dass es nichts mehr zu retten gab. Die vermutete Absturzstelle wurde mit orangen Ballons markiert, um die Ursachenforschung auf ein überschaubares Gebiet eingrenzen zu können. Kapitän Eko Suryo Hadi Prayitno von der Küstenwache erklärte, dass sie bereits um 19 Uhr in den Gewässern zwischen Laki und Lancang angekommen waren, etwa 45 Minuten später fanden sie eine Notfallrutsche, die sie der vermissten Maschine zuordnen konnten. Die Suche würde durch den heftigen Regen und die raue See jedoch erschwert. Nun wird mit Sonar unter Wasser nach weiteren Wrackteilen gesucht. Wie Indonesiens Armeechef am Sonntag mitteilte, orteten Suchtrupps den Flugschreiber im Meer, kurz darauf wurde das Wrack von Tauchern in 23 Meter Tiefe gesichtet.

Im Oktober 2018 stürzte unter vergleichbaren Umständen eine Boeing 737-Max der Lion Air vor Jakarta ab, nur zwölf Minuten nach dem Start. Wenig später geschah Ähnliches mit einer Maschine des gleichen Modells, die für die Ethiopian Airlines flog. Im Verlauf der Untersuchungen wurde klar, dass die Ursache fehlerhaft programmierte Software war. Im Fall von Flug SJ 182 aber handelte es sich um eine 26 Jahre alte Maschine anderen Typs, die vorher bereits viele Jahre für eine US-Fluglinie im Einsatz war. Weder Boeing noch die Sriwijaya Airline haben bis Sonntag Mittag Ortszeit ein Statement zur vermuteten Absturzursache herausgegeben. Boeing wurde in der Jakarta Post mit dem allgemeinen Statement zitiert, "wir sind uns der Medienberichte aus Jakarta über den Sriwijava-Flug SJ 182 bewusst. Unsere Gedanken sind bei der Crew, den Passagieren und den Angehörigen."

Indonesische Airlines mehrfach mit Sicherheitsmängeln aufgefallen

Dafür arbeiten die indonesischen Behörden mit besonderem Hochdruck an einer Aufklärung. 2014 stürzte eine Maschine der Air Asia mit 162 Menschen an Bord ab. Die Untersuchung ergab, dass marode Teile, mangelnde Wartung und ein überforderter Pilot die Ursachen waren. Alle Airlines des Inselstaats Indonesien wurden wegen mangelnder Flugsicherheit wiederholt international gerügt. Die dort ansässigen Unternehmen waren seit 2017 für den Flugverkehr in Europa gesperrt. Sriwijaya Air ist die drittgrößte Billig-Airline in Indonesien, 950 000 Passagiere fliegt sie pro Monat von einem Ziel an das nächste, etwa 5200 Kilometer weit spannen sich die mehr als 17 000 Inseln des Landes, vergleichbar der Distanz von Reijkjavik nach Palermo. Die Sriwijaya Air, im Jahr 2003 gegründet, hatte eine solide Sicherheitsbilanz, erst im Juni 2018 war sie gemeinsam mit vielen anderen indonesischen Airlines von der Liste der gesperrten Fluglinien der Europäischen Union genommen worden.

© SZ/dapf/mxm
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