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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Fisch auf den Tisch

(Foto: Uli Deck/dpa)

Wie eine Veterinärin aus Baden-Württemberg Tierheilung und Tierverspeisung problemlos unter einen Hut kriegt.

Von Martin Zips

Mitten im Lockdown erfahren wir von der Existenz einer Fischtierärztin in Baden-Württemberg. Sandra L., 57 Jahre alt und "Sternzeichen Fische", wie es in einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur heißt, behandele Schuppentiere nicht nur in ihrer Praxis. Sie besuche Patienten gelegentlich auch daheim. In diesem Zusammenhang verstört der der Tierärztin zugeschriebene Satz: "Ich bin natürlich ein leidenschaftlicher Fischesser."

Seit jeher leiden Veterinäre unter der zermürbenden Ambivalenz, einerseits Lebewesen retten zu wollen, diese andererseits aber auch gerne mal in den Ofen zu schieben. Insofern unterscheiden sie sich kaum von Veganern, welche zwar mit Pflanzen sprechen, diese aber anschließend in der Salatschüssel mit Dressing übergießen. Auch unterscheiden sie sich nicht von Liebenden, die mit ihrer Liebe anderen manchmal die Luft zum Atmen nehmen. Sigmund Freud sprach hier vom "Grundkonflikt". Und der bayerische Volksphilosoph Weiß Ferdl fand dafür folgende treffende Beschreibung: "I woaß net wia ma is."

Muss man jetzt die Fischtierärztin L. dafür verurteilen, dass sie gerne Fische isst? Sollte man - am besten über die sozialen Medien - sofort alle Schamanen im Land zusammentrommeln, um die Fischpraxis zu stürmen? Nein, das sollte man nicht. Das Leben ist eben voller Widersprüche. Man muss sie nur aushalten können. Und, seien wir ehrlich, so ein kleines Fischrisotto als Vorspeise zum Rinderfilet, das kann was ganz Herrliches sein.

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