SZ-Kolumne "Bester Dinge":Malen nach Zahlen

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(Foto: Daniel Rayneau-Kirkhope/Arianna Casiraghi/Instagram)

Der Lenker ist bei Paris, der Sattel in Belgien: Ein Paar hat ein Fahrrad per GPS auf die Europakarte gemalt. Eine riesige Sache. Aber warum?

Von Titus Arnu

Es ist gar nicht so einfach, ein Fahrrad korrekt darzustellen. Eine Studie der University of Liverpool hat gezeigt, dass nur wenige Testpersonen in der Lage waren, ein Fahrrad aus der Erinnerung heraus richtig zu zeichnen. Die Forscher berichten, dass viele Leute grobe Fehler machten und zum Beispiel glaubten, die Fahrradkette sei sowohl mit dem Vorder- als auch mit dem Hinterrad verbunden.

Daniel Rayneau-Kirkhope und Arianna Casiraghi haben sich diesem speziellen Problem auf großformatige Weise genähert. Sie sind mit Fahrrädern auf einer präzise ausgetüftelten Route quer durch Europa gefahren, insgesamt 7237 Kilometer. Das italienisch-britische Paar gab seine Jobs auf, um die Radtour durch sieben Länder absolvieren zu können, insgesamt vier Monate lang. Sie zeichneten die Strecke per GPS-Tracking auf, und dabei kam das Bild eines Fahrrads heraus. Der Hinterreifen steht auf dem Alpenbogen, der Vorderreifen in Südwestfrankreich, der Lenker ist bei Paris, der Sattel in Belgien.

Die Reise hat ihnen drei Weltrekorde eingebracht: die größte GPS-Zeichnung, das größte Bild, das nur mit dem Fahrrad gezeichnet wurde, und das größte Fahrrad, das jemals gezeichnet wurde. Schön, aber man fragt sich trotzdem, ob die beiden ein Rad ab haben. So viel Aufwand, um ein gigantisches Fahrrad zu skizzieren, das niemand in echt sieht, auch nicht aus dem Weltall? Die Radmaler verstehen ihre Aktion als umweltpolitisches Signal: "Wenn die Leute das Bild sehen, wollen wir ihnen sagen: Bitte denken Sie daran, dass Sie wahrscheinlich irgendwo ein Fahrrad haben, und es wäre schön, wenn Sie es für kurze Strecken öfter benutzen könnten als das Auto." Und das ist wirklich ein guter Radschlag.

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