Dortmund:Polizist nach tödlichen Schüssen suspendiert

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Dortmund: Ein Jugendlicher steht an einem Zaun, an dem mit Kerzen und Blumen eines von der Polizei erschossenen Jugendlichen gedacht wird.

Ein Jugendlicher steht an einem Zaun, an dem mit Kerzen und Blumen eines von der Polizei erschossenen Jugendlichen gedacht wird.

(Foto: Gregor Bauernfeind/dpa)

Der Fall beschäftigt NRW seit Wochen: Ein 16-Jähriger ist bei einem Polizeieinsatz im August mit einer Maschinenpistole erschossen worden. Die SPD will eine Sondersitzung im Landtag.

Von Gunnar Herrmann

Nach den tödlichen Polizeischüssen auf einen 16-jährigen Flüchtling in Dortmund ist der Schütze suspendiert worden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Ermittlerkreisen. Vier weitere Beamte wurden laut Polizei Dortmund zunächst intern versetzt. Die SPD fordert eine Sondersitzung des Rechtsausschusses, der kommende Woche tagen könnte.

Die Polizei hatte die Disziplinarverfahren gegen die Beamten am Donnerstagabend publik gemacht. Der suspendierte Polizeibeamte hatte laut aktuellem Ermittlungsstand sechs Mal mit seiner Maschinenpistole auf den Jugendlichen geschossen. Vier Schüsse davon trafen laut einem neuen Bericht an den Innenausschuss des Landtags. Der 16-Jährige starb im Krankenhaus. Gegen den Schützen wird zurzeit noch wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. Laut dem Bericht an den Innenausschuss prüft die Staatsanwaltschaft, ob die Ermittlungen gegen den Mann wegen Totschlags ausgeweitet werden.

Der Landtag hat den Bericht am Freitagmorgen im Internet veröffentlicht, er ist nun für die Öffentlichkeit einsehbar. Das Papier wirft ein neues Licht auf den dramatischen Fall. So ist derzeit nicht klar, ob und wenn ja, wie der Jugendliche tatsächlich mit einem Messer auf die Beamten zugegangen ist. Entscheidend ist also die Frage, wie groß die Gefahr für die Polizisten wirklich war. In diesem Zusammenhang wird laut Bericht gegen die weiteren Beamten nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung im Amt beziehungsweise gegen den Einsatzleiter wegen des Verdachts der Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung im Amt ermittelt. Die Staatsanwaltschaft wird klären müssen, ob die Anwendung von Pfefferspray und Tasern angemessen war.

Die SPD-Opposition hat wegen der neuen Fragen, die sich aus dem Bericht an den Landtag auftun, eine Sondersitzung des Rechtsausschusses beantragt. Der könnte aus Sicht der Opposition am 8. September gemeinsam mit dem Innenausschuss tagen.

Der Vorfall hatte sich 8. August in einem Innenhof in der Nähe der Sankt-Antonius-Kirche in der Dortmunder Nordstadt ereignet. Die Polizei war in den Innenhof einer Jugendhilfeeinrichtung im Dortmunder Norden gerufen worden, in dem sich der 16-Jährige ein Messer mit einer 15 bis 20 Zentimeter langen Klinge an den Bauch hielt. Daher lief der Einsatz zunächst als Einschreiten bei einem Suizidversuch. Zwölf Polizisten rückten an, die Situation eskalierte.

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