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Dating-App:Dating-Apps enttäuschen häufig

Doch ganz so einfach macht es Hater seinen Benutzern nicht. Überraschend kontroverse Themen werden vorgeschlagen, zum Beispiel die Enthüllungsplattform Wikileaks. Andere Themen verlangen dem Benutzer einiges an Ehrlichkeit ab: Wer bewerten will, wie gerne er anderen Paaren beim Streiten zusieht, muss schon einigermaßen tief in seine eigenen seelischen Abgründe hinabschauen.

Zusätzlich können neue Vorschläge bei den Entwicklern eingereicht werden, um die Auswahl zu erweitern und somit Matches noch präziser zu machen. Etwa 2000 Themen stehen derzeit schon zur Auswahl.

Doch auch wenn Apps wie Hater das Kennenlernen zwischen Gleichgesinnten enorm vereinfachen, bergen sie auch Gefahren, meint Paartherapeutin Bräu. Das immer größer werdende Angebot führe bei vielen Menschen zu Enttäuschungen. "Viele gehen mit zu großen Erwartungen zu einem Date mit jemandem, der dieselben Interessen teilt", warnt sie. "Wir zäumen das Pferd dadurch von hinten auf. Man trifft nicht mehr jemanden, hat mit ihm Blickkontakt und lernt sich dann langsam kennen, sondern man gibt schon von vornherein sehr viel von sich preis." Sie rate daher immer dazu, sich recht bald mit jemandem persönlich zu treffen, anstatt lange anonym zu chatten.

Auch den immer größer werdenden Markt hinter Dating-Portalen und -Apps sollte man nicht vergessen, erklärt Bräu. "Natürlich geht es bei so was auch um Profit. Die Entwickler lassen sich immer verrücktere Konzepte einfallen, nur um möglichst viele Leute anzulocken."

"Eine App ist so was wie eine virtuelle Bar"

Ob die zunehmende Bedeutung von Online-Angeboten bei der Partnersuche insgesamt positiv oder negativ zu bewerten sei, lässt sich laut Bräu unmöglich beurteilen. "Entscheidend ist aber, dass wir verantwortungsvoll mit dieser Entwicklung umgehen und aufpassen, sozial nicht völlig zu verwahrlosen", sagt die Beziehungsexpertin.

Dennoch spricht aus ihrer Sicht nichts dagegen, die App einmal auszuprobieren: "Letztendlich ist auch eine App wie Hater ein Portal zum Kennenlernen, so was wie eine virtuelle Bar." Ihrer Erfahrung nach sei es unerheblich, wann, wie und wo man jemanden kennenlernt. "Der Volltreffer kann einem an der Bushaltestelle oder online begegnen - wenn es passt, dann passt es."

Zumindest ein wenig mehr Tiefe als Apps wie Tinder oder Lovoo, deren Selektions-Mechanismus nur auf oberflächlichen Kriterien basiert, bietet Hater. Immerhin werden hier tatsächliche Interessen und Gesinnungen abgefragt, nicht bloß ein Urteil auf Basis schlechter Selfies gefällt.

Hater mag Symptom einer scheinbar immer rauer werdenden Wirklichkeit sein, setzt aber eigentlich nur einen Trend fort, der schon lange besteht. Zudem sind dieselben Hassgefühle längst nicht die einzige Voraussetzung für einen Match bei Hater. Ebenso wichtig sind die übereinstimmenden Angaben zu den Dingen, die man liebt - ganz so misanthropisch, wie die App vermarktet wird, ist sie also gar nicht.

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