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Coronavirus in Lateinamerika:Freitags die Männer, samstags die Frauen

An Dienstagen, Donnerstagen und Samstagen dürfen in Peru nur noch Frauen aus den Häusern. Hier wartet in Lima eine Frau auf den Bus.

(Foto: Rodrigo Abd/AP)
  • Um die Zahl der Menschen auf der Straße weiter zu reduzieren, hat Peru eine nach Geschlechtern getrennte Ausgangssperre eingeführt.
  • An drei Tagen in der Woche dürfen nur Männer, an drei nur Frauen aus dem Haus. Und das auch nur zum Einkaufen. Sonntag darf keiner raus.
  • In Panama hat eine ähnliche Regelung zu Problemen geführt: Eine Trans-Frau wurde festgenommen, weil ihr Pass sie als männlich ausweist.

Von Christoph Gurk, Buenos Aires

An Dienstagen, Donnerstagen und Samstagen dürfen in Peru nur noch Frauen aus den Häusern. Hier wartet in Lima eine Frau auf den Bus.

(Foto: Rodrigo Abd/AP)

Der Freitag ist für Männer. Nur sie dürfen an diesem Tag in Peru auf die Straße, das gleiche gilt für den Montag und den Mittwoch. Anders herum müssen sie dafür an Dienstagen, Donnerstagen und Samstagen zu Hause bleiben. Dann dürfen in dem südamerikanischen Land nur Frauen das Haus verlassen.

Seit Freitag ist die neue Maßnahme in Kraft. Tags zuvor hatte Perus Präsident Martín Vizcarra die Regelung in einer Videopressekonferenz bekanntgegeben. Ziel sei es, die Zahl der Menschen auf der Straße zu reduzieren und so eine weitere Ausbreitung des Coronavirus in dem Land zu verlangsamen. Für die Sicherheitskräfte sei es dabei leichter, Passanten auf der Straße nach Geschlechtszugehörigkeit zu überwachen, als beispielsweise gerade und ungerade Seriennummern in Ausweisdokumenten zu kontrollieren.

Peru ist nicht das einzige Land in Lateinamerika, das eine solche, nach Männern und Frauen getrennte Ausgangssperre eingeführt hat. Zuvor hatte schon in Panama am Mittwoch dieser Woche eine ähnliche Regelung begonnen. Hier ist allerdings Mittwoch der Tag der Frauen, genauso wie Montag und Freitag und beide Geschlechter dürfen jeweils auch nur für mehrere Stunden das Haus verlassen.

Peru will Rücksicht auf spezielle Geschlechterfragen nehmen

Allerdings gibt es in Panama auch schon erste Probleme. Mehrere Hundert Menschen wurden festgenommen, weil sie die Ausgangssperre verletzt hatten, unter ihnen auch Menschen aus der Trans-Gemeinschaft. So wurde am Mittwoch lokalen Presseberichten zufolge in der Kleinstadt La Chorrera eine Frau festgenommen, die als Mann geboren war und deren Geburtsgeschlecht auch so noch im Pass vermerkt ist. Die Beamten hätten daraufhin erklärt, dass mittwochs nur die "echten Frauen" auf die Straße dürften, berichtet die Zeitung La Estrella de Panama. Nach einem mehrstündigen Aufenthalt auf dem Polizeirevier und einer Geldstrafe sei die Festgenommene dann wieder freigekommen.

Perus Präsident Martín Vizcarra erklärte am Donnerstag, die Sicherheitskräfte seien angewiesen, auf spezielle Geschlechterfragen Rücksicht zu nehmen. Gleichzeitig rief er die Bevölkerung auf, die neuen Regelungen zu befolgen. "Lasst uns alle Mühe geben, damit wir diese Seuche unter Kontrolle bringen", sagte er.

Regelung gilt bis 12. April - vorerst

In Peru gibt es bislang knapp 1400 registrierte Infektionen, 55 Menschen starben schon an oder im Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung. Das Gesundheitssystem des südamerikanischen Landes sei allerdings nicht auf einen größeren Ausbruch der Pandemie vorbereitet, haben Experten in der Vergangenheit immer wieder erklärt. Die Regierung versucht darum eine Ausbreitung des Virus so weit wie nur irgendwie möglich zu verhindern. Die Grenzen sind seit Wochen größtenteils geschlossen, was dazu geführt hat, dass Tausende Touristen feststecken, darunter auch Deutsche. Und bereits seit Mitte März ist eine Ausgangssperre in Kraft, Sicherheitskräfte patrouillieren auf der Straße.

Die neue, nach Geschlechtern unterscheidende Maßnahme ist vorerst bis 12. April in Kraft. Sie besagt auch, dass für alle Peruaner, egal ob Mann oder Frau, lediglich Gänge zum Supermarkt oder zur Apotheke erlaubt sind. Und Sonntag müssen, von Medizinern oder Polizisten abgesehen, ohnehin alle zu Hause bleiben. Das ist, man könnte es so sagen: Geschlechtergerechtigkeit.

© SZ/moge
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