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Österreich:Verdacht auf mutierte Virusvariante in Tirol

Coronavirus: Skifahrer während der Corona-Pandemie in Österreich

Eine Skipiste in Tirol. Hier verbreitet sich das Virus nach Angaben der österreichischen Tourismusministerin nicht.

(Foto: Expa; Johann Groder/dpa)

Die Öffnung der Skigebiete wird in Österreich viel diskutiert. Dass nun bei mehreren aus Großbritannien eingereisten Skilehrern die Virus-Mutation B.1.1.7 vermutet wird, lässt die Kritik nicht leiser werden.

Von Cathrin Kahlweit

Wochenlang wurde in Österreich darüber debattiert, ob man Schulen, Theater und Bibliotheken schließen, die Pisten aber nach Weihnachten öffnen und den Wintertourismus - unter Auflagen - erlauben solle. So geschah es. Nach den Feiertagen wurde dann intensiv darüber debattiert, ob die Bilder von zugeparkten Parkplätzen und Gedränge vor Gondeln nicht leider doch der Beweis dafür seien, dass die Entscheidung, dem Geschäft den Vorrang vor der Gesundheit zu geben, fahrlässig war. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger hatte das zuvor selbstbewusst dementiert: Der Wintertourismus sei für das Land extrem wichtig, eine "Verurteilung" der Branche werde es nicht geben. "Das Virus verbreitet sich nicht auf der Skipiste", so Köstinger.

Nun, knappe zwei Wochen seit Saisonbeginn, kommen irritierende Nachrichten aus Tirol. Offenbar haben sich mindestens 17 Menschen an der gefährlichen, weil stark infektiösen Mutation des Coronavirus angesteckt, die zuerst aus Großbritannien gemeldet wurde, wo sie sich in rasender Geschwindigkeit ausbreitet. Zufällig sind derzeit zugleich 38 Skilehrer, vorwiegend aus Großbritannien, offiziell zur Fortbildung in Jochberg bei Kitzbühel; in einem der drei Wohnheime, in denen sie untergebracht sind, wurde nun die B.1.1.7-Variante entdeckt.

Zahlreiche Briten, die aus beruflichen Gründen eingereist seien und als Skilehrer arbeiten, hätten am 3. Januar erstmals Symptome gezeigt und seien daraufhin getestet worden, heißt es. Die Briten, die eine Prüfung als Skischulanwärter ablegen wollen, sind offenbar auf Betreiben eines örtlichen Skischul-Unternehmers im Land, dieser wollte jedoch keine Stellungnahme abgeben. Auch in anderen Gemeinden in der Region wurden mittlerweile erste Infektionen mit der Covid-19-Mutation entdeckt. Der Jochberger Bürgermeister sagte dem ORF, die Optik sei nicht "optimal". "Wir brauchen in der Wintersaison Skilehrer und sind froh, wenn wir welche bekommen." Seit dem 22. Dezember gilt in Österreich ein Landeverbot für Flugzeuge aus dem Königreich.

Gleichzeitig zu den Nachrichten aus dem Westen des Landes sickerte in Wien durch, dass die geplante Schulöffnung offenbar noch einmal überdacht wird, weil die Inzidenzzahlen zu langsam sinken. Österreichweit gibt es derzeit täglich etwa 1500 gemeldete Neuinfektionen. In den sozialen Netzen brach sich daraufhin umgehend laute Empörung Bahn: Warum Skilehrer aus Großbritannien überhaupt hätten einreisen dürfen? Die Oppositionspartei Neos twitterte eine Grafik zur "Prioritätensetzung der Regierung" mit der Überschrift "Ausbildung: Skilehrer aus dem UK ja, SchülerInnen aus Österreich nein".

Seit den ersten Meldungen aus Tirol häufen sich die Verdachtsfälle auf die Mutation B.1.1.7 im ganzen Land. Derzeit würden 70 bis 100 solche vermuteten Fälle vorliegen, hieß es an diesem Freitag. "Wir müssen davon ausgehen, dass es zu einer relevanten Betroffenheit Österreichs gekommen ist", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Im steirischen Ausseerland ist einer der Verdachtsfälle am Freitagnachmittag bestätigt worden. An diesem Wochenende will die Bundesregierung entscheiden, wie es mit dem Lockdown nach dem 25. Januar 2021 weitergeht.

Dieser Text ist zuerst am 12. Januar 2021 auf SZ.de erschienen und wurde am 15. Januar 2021 aktualisiert.

© SZ/feko
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