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Skigebiete in Österreich:Einsicht nach dem Ansturm

Coronavirus - Österreich

Der Andrang von Wochenendausflüglern war am Sonntag am Kasberg nicht mehr zu kontrollieren.

(Foto: Wolfgang Spitzbart/dpa)

Die Aufregung über das Gedränge in den Skigebieten in Österreich ist groß. Dabei betrifft das Problem nur einen Teil des Landes. Zudem braucht es für das Freizeit-Chaos nicht einmal Pisten.

Von Dominik Prantl, Innsbruck

Die Debatte um die Öffnung der österreichischen Skigebiete geht in die nächste Runde. Am Sonntag setzte sogar ORF-Anchorman Armin Wolf, mit knapp einer halben Million Twitter-Fans nicht mehr nur ein Fernseh-Schwergewicht, einen Tweet zum Thema ab: Ein Bild mit einer endlos wirkenden Menschenschlange an der Talstation des Skigebiets Hinterstoder, Oberösterreich, dazu der sarkastische Hinweis, dass man bis 18. Januar seine Großeltern aber nicht besuchen dürfe und die Eltern nur ohne Ehepartner.

Tatsächlich waren einige der Fotos und Videos aus den Wintersportgebieten im besten Falle irritierend - vor allem angesichts der Tatsache, dass Österreich fast gleichzeitig in den dritten harten Shutdown geschickt wurde. Nur wenige Tage nach dem Anlaufen der Lifte an Heiligabend wurden damit allen Kritikern des mehr oder weniger organisierten Wintersports wieder ausreichend Argumente für eine sofortige Pistensperre geliefert.

So meldeten etwa die oberösterreichischen Skigebiete Hinterstoder, Wurzeralm und Kasberg einen enormen, nicht mehr zu koordinierenden Andrang; in Hinterstoder etwa seien die Parkplätze nach Angaben der Bergbahnverantwortlichen bereits am frühen Vormittag ausgelastet gewesen. Im Skigebiet Bodental, Kärnten, musste am Sonntag die taleinwärts führende Straße für Ausflügler gesperrt werden, nachdem tags zuvor massenhaft neben der Fahrbahn abgestellte Fahrzeuge die Rettungswege blockiert hatten. Am Semmering wurden sogar die Rodelwiesen abgezäunt, da selbst dort die Abstandregeln nicht mehr eingehalten werden konnten. Anderswo bildeten sich Menschentrauben vor den Zugängen zu den Liften; die Medien berichteten von überforderten Skigebietsbetreibern und verzweifelten Dorfchefs. Dabei waren selbst in den gut besuchten Skigebieten nur halb so viele Wintersportler unterwegs wie an einem vergleichbarem Tag in Vor-Pandemie-Zeiten.

Weit weniger Aufmerksamkeit wurde wie üblich jedoch jenen Skigebieten zuteil, in denen der Betrieb weitgehend reibungslos über die Bühne ging. Dies war nach Angaben der Seilbahnwirtschaft vor allem in den westlichen Bundesländern Salzburg, Tirol und Vorarlberg der Fall, wo die Wintersportorte auf die Abfertigung der Touristenmassen ausgerichtet sind. Selbst an einem sonnigen Weihnachtswochenende wie dem vergangenen finden dort die Einheimischen viel einfacher Platz als in den eher kleinräumigen, stärker auf die lokale Bevölkerung ausgerichteten Wintersportarealen zwischen Oberösterreich und Kärnten. Wer am Sonntag etwa im Kitzbüheler Raum auf den Pisten unterwegs war, sah für diese Jahreszeit ungewöhnlich viele leere Lifte und dafür erstaunlich wenige, dafür disziplinierte Skifahrer, die sich auch an die erst kürzlich eingeführte FFP2-Maskenpflicht hielten - oder zumindest rechtzeitig vom Liftwart dazu angemahnt wurden.

Skigebiete wollen das Konzept anpassen

Die von Ansturm stärker betroffenen Skigebiete im Osten haben inzwischen Besserung gelobt und wollen das Konzept anpassen. So kündigte etwa Oberösterreichs Landesrat Markus Achleitner an, dass die Parkplätze weiter limitiert, dass Security-Personal aufgestockt und die Anstellzonen verlängert würden. Zudem appellierte er an die Eigenverantwortung und riet den Skifahrern, "so weit möglich auch erst ab Mittag in die Skigebiete zu kommen, denn da sind viele Gäste vom Vormittag wieder auf dem Heimweg, und man kommt so bequem und ohne Staus auf die Piste". Auch Helmut Holzinger, Vorstand der Hinterstoder-Wurzeralm-Bergbahnen, erklärt, man werde bei den Sicherheitsmaßnahmen nachjustieren.

Dass ein Freizeit-Chaos aber auch ganz ohne laufenden Skibetrieb möglich ist, zeigt wiederum der Fall Winterberg. In den bekannten Skiort im Westen Deutschlands zog es mit dem Wintereinbruch der vergangenen Tage Massen an Tagesausflüglern - mit Staus, Verkehrsunfällen und überfüllten Parkplätze als Folge. Und das, obwohl die Lifte dort gar nicht geöffnet haben.

© SZ/lot
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