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SZ-Kolumne "Alles Gute":Färöer vor, noch ein Tor!

Corona und Alltag
(Foto: Steffen Mackert)

Endlich wird in Europa wieder Liga-Fußball gespielt, die Fans sollten jetzt ganz schnell ein paar färingische Spielernamen lernen.

Von Kai Strittmatter

TV2, Norwegens größter Privatsender, hat vor ein paar Tagen einen Coup verkündet, der sich für Fußballfans anfühlt wie ein lang ersehnter Regen nach Monaten der Dürre. TV2 nämlich hat etwas ergattert, was im Moment kein anderer Fernsehsender Europas besitzt: die TV-Rechte an europäischem Erstliga-Fußball. Live! Von kommendem Samstag an! Endlich wieder Fußballer aus Fleisch und Blut.

Erstligafußball mitten in Europa? Doch, gibt es. Wobei "mitten in" vielleicht ein wenig übertrieben ist: TV2 wird die Liga der Färöer übertragen.

Die Färöer, das ist die zum Königreich Dänemark gehörende autonome Inselgruppe hoch oben im Nordatlantik. Bekannt sind die Färöer seit jeher für ihre Schafe, seit Kurzem aber auch für ihr smartes Management der Corona-Pandemie: Die Färinger verwandelten kurzerhand ein der Lachszucht gewidmetes Labor für Fischkrankheiten in eines für Sars-CoV-2-Tests und bekamen das Virus damit so gut unter Kontrolle, dass der Ausübung von Kontaktsportarten nichts mehr im Wege steht. Und so sind die Färinger die ersten in Europa, die wieder Liga-Fußball spielen - und die Norweger die ersten, die nach endlosen Wochen der Wiederholungen, Rückschauen, Studiodebatten wieder Fußball live im Fernsehen serviert bekommen.

"Faszinierende" Stadien

Die Bewohner der Färöer sind als fußballbegeistert bekannt. Von 48 000 Einwohnern sind mehr als 5000 Mitglied in Fußballvereinen. Das erste internationale Wettkampfmatch der Nationalmannschaft 1990 ist auch das legendärste: Die Färöer besiegten Österreich 1:0.

Allerdings spielen die Vereine meist nur vor ein paar Hundert Zuschauern, und die Spieler sind fast alle Amateure. In der Uefa-Fünfjahreswertung liegen die Färöer auf Platz 50 von 55. Die Norweger und auch die Dänen wissen bis heute kaum etwas über den Fußball auf den Inseln, sodass die Medien dort nun Nachhilfe leisten: Die ersten Blätter druckten diese Woche "Leitfäden", stellten Spieler vor wie Adrian Justinussen ("der Verrückte"), Jóannes Bjartalid ("der Unberechenbare") oder Klämint Olsen (Torschützenkönig). TV2 empfiehlt den Zuschauern, sich bis Samstag schon einmal aus den zehn Erstligavereinen eine Lieblingsmannschaft auszusuchen.

TV2 ist offenbar nicht der einzige Sender, der an der Liga interessiert war. Sportchef Vegard Jansen Hagen sagte der Zeitung VG, es habe in Norwegen einen Bieterwettkampf um die Rechte gegeben, was ein wenig "absurd" gewesen sei. Nun aber verspricht Hagen den Zuschauern "ziemlichen Spaß": Es werde anständigen Fußball zu sehen geben, außerdem "einige Stadien, die, gelinde gesagt, faszinierend sind".

In jeder Krise passiert auch Gutes, selbst wenn man es nicht immer auf den ersten Blick erkennen kann. In dieser Kolumne schreiben SZ-Redakteure täglich über die schönen, tröstlichen oder auch kuriosen kleinen Geschichten in diesen vom Coronavirus geplagten Zeiten. Alle Folgen unter sz.de/allesgute

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