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Corona-Spürhunde:Arbeitslose Schnüffel-Helden

Die Hunde Kössi (links) und Miina können Corona-Infizierte am Geruch erkennen.

(Foto: ANTTI AIMO-KOIVISTO/AFP)

In Finnland erschnuppern Spürhunde seit Monaten erfolgreich Corona-Infizierte am Flughafen. Der Zoll aber darf sie nun doch nicht einsetzen.

Von Kai Strittmatter, Kopenhagen

Hunde, die Corona-Infizierte erschnüffeln - die Finnen machten im vergangenen Herbst vor, wie das geht: Europaweit zum ersten Mal wurden im September am Flughafen Helsinki in einem Pilotprojekt eigens trainierte Spürhunde eingesetzt, die bei Geruchsproben von ankommenden Passagieren anschlagen, wenn diese das Coronavirus in sich tragen. Die Hunde Kössi, Tiina, E.T. und Valo, allesamt Pioniere auf diesem Gebiet, wurden schließlich vom finnischen Hundezüchterverband als "Hundehelden" des Jahres 2020 ausgezeichnet.

Der finnische Zoll ging noch im November daran, seine eigenen Hunde auszubilden, die eigentlich nun, von Anfang März an, hätten eingesetzt werden sollen an Fähr- und Flughäfen und Grenzübergängen überall im Land. Daraus aber wird wohl nichts. Das Ministerium für Gesundheit und Soziales hat sich gegen den Einsatz der Hunde entschieden. "In letzter Minute" seien entsprechende Klauseln aus dem neuen Seuchenschutzgesetz gestrichen worden, berichtete die Zeitung Helsingin Sanomat. "Es gibt nicht genug Beweise dafür, dass Hunde Covid-19 entdecken können", sagte Anni Virolainen-Julkunen, eine medizinische Beraterin des Ministeriums.

Beim Zoll stieß die Entscheidung der Regierung auf Enttäuschung. In den 400 Prüfungen, die die ausgewählten Hunde in ihrem Training durchliefen, hätten sie in 90 Prozent der Fälle Corona-Infektionen tatsächlich erkannt, heißt es in dem Bericht von Helsingin Sanomat. Der Zoll habe zudem lediglich geplant, die Hunde als Ergänzung zu anderen Tests einzusetzen, so wie es im Flughafen Helsinki heute schon geschieht: Wer von den Hunden dort als positiv identifiziert wird, der wird anschließend noch zu einem PCR-Test geschickt. "Wenn man Millionen von Passagieren hat, dann ist alles ein Fortschritt, was über das Raten hinausgeht", sagte Mikko Grönberg, ein mit dem Hundeprogramm befasster Zollbeamter. Und der Generaldirektor des Zolls, Hannu Mäkinen erklärte, er verstehe nicht, "warum man uns nicht den Einsatz der Hunde im Kampf gegen die Pandemie offiziell erlaubt". Die Hunde würden die Arbeit des Zolls wesentlich erleichtern.

Coronaviren an sich sind geruchlos

Dass Spürhunde Sprengstoffe und Drogen erschnüffeln können, ist bekannt. Dass man sie auch schon auf Krankheiten wie Krebs oder Diabetes angesetzt hat, weniger. In Pilot- und Forschungsprojekten auch in Deutschland waren talentierte Hunde mitunter schon nach einer Woche in der Lage, Corona-Infektionen zu erkennen. Nicht das Virus selbst gibt dabei Geruch ab, aber der Stoffwechsel der infizierten Personen ändert sich, offenbar erkennen die Hunde die dann abgegebenen Stoffe.

Das Flughafenprojekt ist eine Kooperation der Organisation "Wise Nose", die seit Jahren Spürhunde ausbildet und die Hunde zur Verfügung stellt, der Gemeinde Vantaa, zu der der Flughafen gehört, und der Universität Helsinki, die das Projekt wissenschaftlich begleitet. Vertreter der Stadt Vantaa zeigen sich bislang angetan von den Ergebnissen, auch weil der Einsatz der Hunde lediglich 85 000 Euro im Monat kostet - ein Bruchteil der Kosten für die PCR-Tests, die gleichzeitig laufen. Die Passagiere kommen dabei nicht in direkten Kontakt mit den Hunden, die Tiere schnüffeln an einem Tuch, mit dem die Leute sich die Haut abreiben. Hunde können nicht an Covid-19 erkranken.

Ein ähnliches Projekt gibt es am Flughafen Dubai. Und auch anderswo in der Welt - etwa in Südtirol, Frankreich oder England - wird mit dem Einsatz von Corona-Hunden experimentiert. In Deutschland stellte ein Team an der Tierärztlichen Hochschule Hannover im vergangenen Sommer eine Studie mit Spürhunden der Bundeswehr vor, die nach etwas Training beim Schnüffeln an Proben ebenfalls auf Erkennungsraten von um die 90 Prozent kamen. Eingesetzt wurden sie bis heute ebenso wenig wie die finnischen Zollhunde - die Politik hat sich bislang nicht anstecken lassen von der Begeisterung der Hundeführer und -forscher.

© SZ/lot
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