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Clankriminalität:Wie bedrohlich ist die Situation für Bushido?

Bushido

Lebt zurzeit unter Polizeischutz: Rapper Bushido.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Clanchef Arafat Abou-Chaker und sein Bruder wurden festgenommen, weil sie Entführungspläne geschmiedet haben sollen. Die Familie des Rappers Bushido steht unter Polizeischutz - und sendet nun ein Lebenszeichen.

Zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, sitzen auf dem Boden und basteln, ihr Onkel beugt sich von einem Sessel herunter und tätschelt den Kopf des Jungen. Keine außergewöhnliche Szene, wäre sie nicht auf dem Instagram-Account von Anna-Maria Ferchichi gepostet worden. Sie, ihr Mann Bushido und die gemeinsamen vier Kinder, von denen zwei auf der Aufnahme zu sehen sind, stehen unter Polizeischutz. Der Mann auf dem Bild ist Robin Lewe, jüngerer Bruder von Ferchichi und der Sängerin Sarah Connor.

Anna-Maria Ferchichi

Aus der Instagramstory von Anna-Maria Ferchichi: ihr jüngerer Bruder mit zweien ihrer Kinder.

(Foto: Screenshot: Instagram)

Das Foto ist ein Lebenszeichen der Familie, die gerade deutschlandweit in den Schlagzeilen ist, weil Clanchef Arafat Abou-Chaker verhaftet wurde. Er soll Pläne geschmiedet haben, Bushidos Kinder zu entführen und dessen Ehefrau etwas anzutun. Seit 15. Januar sitzt Abou-Chaker deswegen in Berlin in Untersuchungshaft.

Wie bedrohlich ist die Situation für Bushido und seine Familie? "Die große Drohung halte ich für nicht realistisch", sagt Ralph Ghadban. Ghandban ist Islamwissenschaftler und Gründungsmitglied des Muslimischen Forums Deutschland, der sich intensiv mit dem Fall beschäftigt. Außerdem hat er ein Buch über Arabische Clans geschrieben. Die Gefahr, dass Bushidos Familie entführt werden könnte, besteht seiner Ansicht nach nicht. "Bushido wird von einem größeren Clan geschützt", sagt Ghadban. Gemeint ist der Clan von Ashraf Rammo. "Er hat in drei Monaten mehr für mich gemacht als Arafat in 14 Jahren", sagte Bushido im Interview mit dem Stern.

Sehr wohl ernst nehmen müsse man aber die Gerüchte, die zuletzt öffentlich wurden. Mehrere Medien berichteten, die Abou-Chakers hätten ein Säure-Attentat auf Anna-Maria Ferchichi geplant. "Das wäre für einen Clan nur eine Bagatelle", sagt Ghadban.

Die Geschichte von Bushido und Arafat Abou-Chaker ist oft erzählt worden, sie handelt von zwei engen Freunden und Geschäftspartnern, die dann zu Feinden werden. Es heißt, Bushido habe Abou-Chaker damals eine Generalvollmacht ausgestellt, habe etliche Millionen an ihn gezahlt. Beide hatten sich zusammen ein Anwesen mit mehreren Villen gekauft, ihre Familien lebten Tür an Tür. "Bis dann die Abou-Chakers ihre Religiosität entdeckt haben", sagt Ghadban. Nur eben nicht im guten Sinne, sondern im radikalen. "Arafat und seine Brüder haben sich Salafisten angenähert und immer mehr islamische Rituale eingeführt."

Für alle sichtbar sei dies an dem Punkt geworden, als die deutsche Mutter von Bushido starb. Da "wurde Arafats Einfluss auf uns noch größer", sagte Anna-Maria Ferchichi im Stern-Interview. Abou-Chaker habe verlangt, "dass es eine islamische Beerdigung werden müsse, also dass Männer und Frauen getrennt zum Grab gehen müssen", sagte Bushido.Und seine Frau berichtet: "Er bestimmte unser gesamtes Leben, das ganze Denken meines Mannes. Was wir zu tun haben, welche Küche wir kaufen, wie wer bestattet wird. Wie wir unsere Kinder erziehen." .

"Diese Islamisierung hat die Freundschaft belastet", glaubt Islamwissenschaftler Ghadban. Dass daraus eine Trennung wurde, liegt ihm zufolge vor allem an einer Person: Anna-Maria Ferchichi. Im Gegensatz zu anderen Frauen, die sich in der Welt der Clans oft dem Mann unterordneten, habe sie sich nicht kleinkriegen lassen. "Die Abou-Chakers haben sich mit der falschen Frau angelegt", so drückt es Ghadban aus. "Sie ist eine Löwin." Dass Bushidos Frau so dominant aufgetreten sei, sei für den arabischen Clan wie ein "Gesichtsverlust" gewesen, "eine große Ehrverletzung."

Neben ihr scheint eine zweite Frau eine große Rolle in der Geschichte zu spielen: Die Cousine von Arafat Abou-Chaker, die mit seinem jüngeren Bruder Yasser verheiratet ist. Sie hat gegen die beiden Männer ausgesagt, ihre Informationen führten sogar zur Verhaftung der Brüder. Vergangenen Mittwoch wurde Yasser Abou-Chaker in Dänemark verhaftet. Auch ihm wird vorgeworfen, an der Verabredung zu einem Verbrechen beteiligt gewesen zu sein.

Im vergangenen Herbst soll die in der Öffentlichkeit anonym gebliebene Frau mit ihren Kindern von Berlin nach Dänemark geflohen sein, wo ihre Eltern leben. Ihr Mann habe Drogen genommen und sie geschlagen, sagte sie den Ermittlern, der Berliner Zeitung zufolge.

#esgehtbergauf

"Dass die Frau flieht, ist keine Seltenheit in islamischen Familien", sagt Ghadban. Unüblich sei, dass sie die Kinder mitgenommen habe - denn die gehörten in islamischen Ländern auf jeden Fall zum Mann. Dieser, Yasser, habe den Fehler begangen, die Kinder aus Dänemark zurück nach Deutschland holen zu wollen. Das macht die Sache strafbar. "Wäre Yasser mit den Kindern in den Libanon geflogen, wäre die deutsche Justiz machtlos gewesen", sagt Ghadban. Kindesentführung hätte Yasser Abou-Chaker nach islamischem Recht nicht vorgeworfen werden können.

So sitzt er weiterhin in dänischer Untersuchungshaft und wartet auf seine Auslieferung nach Berlin. "Es muss erst mal das Auslieferungsverfahren betrieben werden", sagt Mona Lorenz, Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft. "Das kann einige Zeit dauern."

Und wie geht es weiter mit Bushido und seiner Familie? Die Staatsanwaltschaft will sich zum laufenden Verfahren nicht äußern. Anna-Maria Ferchichi postete zwei Tage nach der Festnahme Arafat Abou-Chakers ein Foto von sich und ihrem Mann auf Instagram. Darunter schrieb sie "Ich liebe dich" und: #esgehtbergauf.

© SZ.de/ick/olkl/rus
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