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Festnahme von Clanoberhaupt:Arafat Abou-Chaker zum ersten Mal verhaftet

Achtung Personen sind eigenstaendig unkenntlich zu machen Berlin den 09 11 2018 Prozess gege

Arafat Abou-Chaker im November 2018, als er sich wegen eines anderen Delikts verantworten musste.

(Foto: Olaf Wagner/Imago)
  • Arafat Abou-Chaker kommt vom Gerichtssaal direkt ins Untersuchungsgefängnis.
  • Der Chef des gleichnamigen Berliner Clans wurde erstmals zu einer Haftstrafe verurteilt. Eigentlich wegen Körperverletzung und Bedrohung zu zehn Monaten auf Bewährung.
  • Doch er sei außerdem "der Verabredung eines Verbrechens dringend tatverdächtig". Dem 42-Jährigen wird vorgeworfen, eine Racheaktion gegen Rapper Bushido geplant zu haben.

Der 15. Januar war für Arafat Abou-Chaker ein Tag der ersten Male. Der Chef des gleichnamigen Berliner Clans wurde erstmals zu einer Haftstrafe verurteilt, zehn Monate auf Bewährung. Und nachdem der Amtsrichter das Urteil verkündet hatte, wurde Abou-Chaker festgenommen. Die Staatsanwaltschaft nutzte die Gelegenheit, um einen Haftbefehl zu vollstrecken.

Abou-Chaker sei "der Verabredung eines Verbrechens dringend tatverdächtig", so der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Dem 42-Jährigen wird vorgeworfen, eine Racheaktion gegen den Rapper Bushido geplant zu haben. Abou-Chaker kam vom Gerichtssaal direkt ins Untersuchungsgefängnis.

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Sie weisen mafiöse Strukturen auf, ihnen werden diverse Verbrechen vorgeworfen - doch Arafat Abou-Chaker, ihr Oberhaupt, wird nie verurteilt. Wie hat der Clan seine organisierte Kriminalität entwickelt?

Der Nachname Abou-Chaker ist weit über Berlin hinaus bekannt. So heißt eine arabischstämmige Großfamilie, von der etliche Mitglieder der organisierten Kriminalität zugerechnet werden. Der Clan soll in Drogenhandel, Prostitution und Schutzgelderpressungen verwickelt sein, auch spektakuläre Coups gehen auf sein Konto, wie der Überfall auf ein Pokerturnier 2010 im Hyatt-Hotel auf dem Potsdamer Platz, bei dem 240 000 Euro erbeutet wurden.

Arafat Abou-Chaker ist in seiner Familie eine besonders schillernde Figur. Er besitzt ein Restaurant, postet auf Instagram und sucht die Nähe zu Promis wie dem Rapper Bushido. Deren Freundschaft steht schon lange im Fokus der Medien. Zum einen wegen der Natur dieser Beziehung. Abou-Chaker soll Zugriff auf das Vermögen des Rappers gehabt haben und ihm dafür zu Plattendeals verholfen haben. Zum anderen aufgrund der Interviews, die Bushido dazu gab. Sagte er noch 2013 in der Zeit, Arafat sei wie ein Bruder für ihn, weshalb man zusammen auf einem Grundstück von 16 000 Quadratmetern lebe, brach er vor einem halben Jahr im Stern öffentlich mit seinem Kumpel. Abou-Chaker habe ihn kontrolliert, sagte Bushido, privat und beruflich, er habe sich wie dessen "Leibeigener, ein Hund" gefühlt. Zwar schrieb Abou-Chaker daraufhin auf Instagram, er wolle "diese Trennung im Ruhigen beenden", doch das stimmte womöglich nicht. So schrieb Bushidos Ehefrau auf Instagram von einer Razzia auf dem Grundstück, von Polizeischutz und einer Zeugin, die ausgesagt habe, "dass den Kindern oder mir was angetan werden soll". Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigt, dass die Taten, die Abou-Chaker vorbereitet haben soll, gegen Bushidos Familie gerichtet waren, unter anderem soll eine Kindesentführung geplant gewesen sein.

Wegweisende Verhaftung

Dass Arafat Abou-Chaker Auseinandersetzungen nicht immer verbal regelt, war auch Gegenstand des Prozesses vor dem Amtsgericht Tiergarten. Er musste sich wegen Körperverletzung verantworten, nachdem er in einer Physiotherapie-Praxis mit einem Hausmeister aneinandergeraten war. Er stach ihm mit den Fingern in die Augen und brach ihm das Nasenbein. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Geldstrafe, der Richter verhängte Haft auf Bewährung. Es ist der erste Eintrag ins Strafregister von Abou-Chaker - fast drei Dutzend Verfahren zuvor wurden eingestellt oder endeten mit Freisprüchen. Die Gründe waren immer ähnlich: Zeugen konnten sich plötzlich an nichts mehr erinnern oder nahmen lieber eine Strafe in Kauf, als vor Gericht auszusagen. Die Verhaftung sei "eine gute Nachricht und ein starkes Signal" an kriminelle Clans, schrieb der auf organisierte Kriminalität spezialisierte Berliner SPD-Politiker Tom Schreiber auf Twitter.

In der Szene wird unterdessen spekuliert, was Abou-Chakers Verhaftung zu bedeuten hat. Denn seit Monaten kämpfen mehrere Clans in der Hauptstadt um die Vorherrschaft, immer wieder geschehen schwere Verbrechen. Zuletzt sorgte der Tod der Szenegröße Nidal R. für Schlagzeilen, der Mann wurde am helllichten Tag erschossen, am Tempelhofer Feld mitten in Berlin. Bei seiner Beerdigung im September waren 128 Besucher "direkt der organisierten Kriminalität zuzuordnen", wie die Senatsinnenverwaltung kürzlich bekannt gab.

Auch Arafat Abou-Chaker wurde zum Ziel, im Frühjahr feuerte jemand 15 Schüsse auf sein Restaurant ab. Wer hinter den Taten steckt, ist noch unklar. Fest steht aber, dass ein Clan gerade stark an Einfluss gewinnt: die Familie R. Sie ist doppelt so groß wie die der Abou-Chakers und wird mit aufsehenerregenden Straftaten wie dem Diebstahl einer hundert Kilo schweren Goldmünze aus dem Bode-Museum in Verbindung gebracht. Und auch Bushido schenkt einem Mann aus diesem Clan neuerdings sein Vertrauen. Weil dieser so "höflich, elegant und verständnisvoll" sei, sagte er dem Stern.

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