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USA:Chicago erlebt Nacht der Gewalt und Plünderungen

Auslöser war offenbar ein Schusswechsel zwischen einem Verdächtigen und der Polizei. Die Bürgermeisterin spricht von "schlicht und ergreifend kriminellem Verhalten".

Polizeiführung und Stadtregierung haben nach den schweren Unruhen und Plünderungen in Chicago einen Zusammenhang mit einer legitimen Protestaktion bestritten. Polizeichef David Brown nannte die Ausschreitungen in der Nacht zum Montag "pure Kriminalität" und Bürgermeisterin Lori Lightfoot erklärte: "Das war ein Angriff auf unsere Stadt."

Begonnen hatte die Gewalt nach einem Beitrag in einem sozialen Medium, der dazu aufrief, einen Autokorso zu formieren und sich im Geschäfts- und Einkaufsbezirk zu versammeln, sagte Brown. Der Aufruf sei offenbar nach Schüssen auf einen Mann erfolgt, der seinerseits zuvor auf Polizisten gefeuert habe. Nachdem der Social-Media-Post von der Polizei bemerkt worden sei, seien 400 zusätzliche Beamte in das Viertel geschickt worden. Über mehrere Stunden seien mehr als 100 Festnahmen erfolgt und 13 Polizisten verletzt worden.

Brown sagte, es seien Fenster eingeworfen worden. Dutzende Geschäfte seien geplündert und verwüstet worden. Mit einem organisierten Protest nach dem Zwischenfall vom Sonntagnachmittag habe das nichts zu tun gehabt. So hätten Insassen eines Fahrzeuges auf Polizisten geschossen, die einen Mann verhaften wollten, der eine Registrierkasse weggetragen habe. Bürgermeisterin Lightfoot pflichtete ihm bei: "Das war echt kriminelles Verhalten." Die Polizei verfüge über eine Menge Material, das von Überwachungskameras von den Plünderungen aufgezeichnet worden sei, sagte Lightfoot: "Wir haben euch gesehen, und wir werden euch verfolgen."

Chicago ist wegen eines Anstiegs der Gewaltkriminalität ohnehin in den nationalen Fokus geraten. Die Polizeistatistik weist einen Anstieg von Schusswaffengewalt und Morden aus. Präsident Donald Trump hat deswegen mehrfach die Stadtregierung kritisiert und zusätzliche Bundespolizisten nach Chicago beordert. Justizminister William Barr erklärte, sie sollten dort "klassische Verbrechensbekämpfung" unterstützen.

© SZ.de/dpa/AP/jobr
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