bedeckt München

Prozess gegen Clan-Chef:Ende einer Männerfreundschaft

Arafat Abou-Chaker, Former Manager For Bushido, Goes On Trial In Berlin

Bushido im August im Berliner Landgericht, wo er wohl noch einige Zeit verbringen wird.

(Foto: Pool/Getty Images)

Kritik an der Ehefrau und ein "unfassbares" Steuersparmodell: Bushido erzählt vor dem Berliner Landgericht, wie es zum Bruch zwischen ihm und seinem früheren Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker kam.

Von Verena Mayer, Berlin

Ob sich etwas an seinen Personalien verändert habe, will der Vorsitzende Richter von Anis Ferchichi, besser gekannt unter seinem Künstlernamen Bushido, wissen. Er fragt das, weil der Rapper nun schon seit August vor dem Berliner Landgericht als Zeuge gegen seinen früheren Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker aussagt, es geht unter anderem um versuchte schwere räuberische Erpressung. Arafat Abou-Chaker soll den Künstler 2017 bedroht und körperlich angegriffen haben, als der aus den gemeinsamen Geschäften aussteigen wollte. Bushido sagt, er sei inzwischen ein Jahr älter geworden (42) und rechne damit, dass er noch einige Zeit vor Gericht verbringen werde.

Er hat schließlich viel zu erzählen. An diesem Montag geht es darum, warum die Männerfreundschaft zwischen Bushido und Abou-Chaker zerbrach und es im Nachgang zu jenen Vorfällen kam, mit denen sich die Berliner Justiz seit mehreren Jahren beschäftigen muss. Es habe damit begonnen, dass sein Kumpel Arafat zunehmend religiös geworden sei, sagt Bushido. Man sei nicht mehr in Restaurants gegangen, in denen es Alkohol gab, Abou-Chaker habe alle Leute gemaßregelt, die sich seiner Ansicht nach nicht richtig verhielten. So auch Bushidos Ehefrau.

Die drei waren gerade am Chiemsee, um sich dort bei einem bekannten Sportmediziner einem Gesundheitscheck zu unterziehen, als Abou-Chaker begonnen habe, Anna-Maria Ferchichi zu beschimpfen, weil die in seinen Augen schlecht angezogen sei, was für ihn bedeute, dass sie ihren Ehemann nicht respektiere. Es sei zu einem lauten Streit zwischen Abou-Chaker und Anna-Maria Ferchichi gekommen, in dem er sich auf die Seite Abou-Chakers geschlagen habe, sagt Bushido, "das war die dümmste Entscheidung meines Lebens". Und nicht nur das, im Lauf der Auseinandersetzung habe er "meiner Frau gegenüber die Hand erhoben", wie er es nennt, worauf diese unter dem Schutz von sechs LKA-Beamten aus dem gemeinsamen Haus in Berlin auszog und Zuflucht bei ihren Eltern in Westdeutschland suchte.

"Mülleimer auf, ich zahle meine Steuern"

Doch statt ihn dabei zu unterstützen, die Beziehung wieder zu kitten, habe Abou-Chaker nur gesagt, er sei ein "Hund", wenn er sich wieder mit seiner Frau vertrage. "Das war der Punkt, an dem er zwischenmenschlich für mich gestorben war." Bushidos Frau und die Kinder zogen, nachdem er Besserung gelobt hatte, ein halbes Jahr später wieder zu ihm nach Berlin. Mit Abou-Chaker wurde es dann auch geschäftlich immer komplizierter. So habe Abou-Chaker beim gemeinsamen Musiklabel auf nicht nachvollziehbare Art abgerechnet und einmal sogar Einfluss auf den Songtext eines dort unter Vertrag stehenden Künstlers genommen, in dem es um Jesu Kreuz ging. Abou-Chaker habe eine Zeile als Gotteslästerung empfunden, sie musste gestrichen werden, "das war ein Eingriff in die Freiheit der Kunst", sagt Bushido.

2016 sei Abou-Chaker dann noch mit einem "unfassbaren" Steuerspar-Modell angekommen. Abou-Chaker habe einen Mann kennengelernt, der offenbar der Reichsbürger-Ideologie anhing, dass Deutschland kein legitimer Staat sei und man daher auch keine Steuern zahlen müsse. Bushido sollte nun ein siebenseitiges Schreiben an das Finanzamt aufsetzen, um zu erklären, dass er ab nun keine Steuern mehr zahlen werde und alle Abgaben, die er seit 1990 geleistet habe, zurückfordere. Ob er das tatsächlich geschrieben habe, will der Richter wissen. Ja, sagt Bushido, allerdings habe das Finanzamt das wohl für einen Scherz gehalten. "Ich sagte zu meiner Steuerberaterin: Mülleimer auf, ich zahle meine Steuern." Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

© SZ/feko
Zur SZ-Startseite
Khalil O.

SZ PlusOrganisierte Kriminalität
:Der Aussteiger

Khalil O. war als Mitglied eines arabischen Clans viele Jahre lang kriminell. Er handelte mit Kokain, wurde so reich, dass er 100-Euro-Scheine in Gefrierbeutel füllen musste. Dann beschloss er, sein Leben zu ändern.

Von Verena Mayer

Lesen Sie mehr zum Thema