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Britisches Königshaus:Wie läuft's?

  • Nach 100 Tagen Ehe hat Herzogin Meghan einiges darüber erfahren, was sie darf - und was sich nicht ziemt.
  • Vor ihrer Hochzeit galt die frühere Schauspielerin als sportlich ambitioniert.
  • Vor Kurzem gab es Gerüchte, sie wolle am Londoner Marathon teilnehmen. Der Palast dementierte. Zu hoch sei der Sicherheitsaufwand, heißt es.
  • Bleibt die Frage, was Mitgliedern des Königshauses gestattet ist in Sachen sportlicher Betätigung.

Von Nora Reinhardt

Viel hat sich in den vergangenen 100 Tagen für die sportliche Kalifornierin Rachel Meghan Markle verändert, seit sie nach der Hochzeit mit Prinz Harry Herzogin von Sussex ist. Sie darf ihre Yogaposen nicht mehr auf Instagram posten. Sie darf nie mehr einen Marathon laufen, nicht einmal zu Wohltätigkeitszwecken. Und bei Sportveranstaltungen sitzt Meghan von nun an in der "Royal Box", was man durchaus auch metaphorisch verstehen kann.

Für die hochrangigen britischen Royals gelten strenge Regeln, an welchen Veranstaltungen sie als Sportler teilnehmen und welchen sie nur als Zuschauer beiwohnen dürfen. Sport-Events eröffnen geht natürlich immer, klar. Bänder durchschneiden und Startschüsse abfeuern gehört seit jeher zu den royalen Disziplinen. Aber die aktive Teilnahme an sportlichen Großveranstaltungen ist utterly complicated, zutiefst kompliziert, auch wenn das nirgendwo schriftlich festgehalten ist, jedenfalls nicht öffentlich einsehbar. Daher muss man sich der Causa empirisch nähern.

Ein generelles Sportverbot existiert nicht. Es gab sogar schon mal einen späteren König, der auf Wimbledons Rasen Tennis spielte, George VI., im Jahr 1926. Zwei Aspekte scheinen eine wichtige Rolle zu spielen: erstens wie schicklich und zweitens wie sicher die Sportarten sind. Als es Anfang August Medienberichte darüber gab, dass Meghan am London Marathon zu Charity-Zwecken teilnehmen wollte, aber nicht dürfe, wurde gemutmaßt, es gelte als "unziemlich" für die Neu-Herzogin, schwitzend neben dem Volk herzuhecheln.

Die Queen reitet immer noch - und das ohne Helm

Aber was ist schicklich? Sind Sportarten, die traditionell mit der Arbeiterklasse verbunden werden, verboten? Nun ja, einen Boxer aus dem Kensington Palast gab es tatsächlich noch nie, und Herzogin Kate, während ihres Studiums noch begeisterte Hockey-Spielerin, hat den Schläger längst beiseite gelegt. "Ein Klassensystem für Sport gibt es nicht", sagt der Adelsexperte Joe Little, Chefredakteur des Majesty Magazine. Allerdings hänge die Wahl der Sportarten, die die Mitglieder der Königsfamilie betreiben, sehr mit ihrer gehobenen Schulbildung zusammen. William und Harry besuchten das elitäre Eton College; Kate lernte auf der renommierten Privatschule Marlborough College in Wiltshire. Und so pflegen die Royals dann doch Sportarten, die seit jeher mit der Oberklasse und dem Adel verbunden sind: Cricket, Polo, Tennis, Golf. William trägt eine wahre Upper-Class-Narbe auf der Stirn: Er wurde als Kind von einem Golfschläger am Kopf getroffen.

Joe Little fasst die Sportaktivitäten der britischen Königsfamilie so zusammen: "alles mit Pferden". Sollte Meghan mit dem Reitsport anfangen, wäre sie perfekt integriert. Denn der hat eine lange Tradition. Der Ehemann der Queen, Prinz Philip, vertrat Großbritannien bei mehreren Europa- und Weltmeisterschaften in der Kategorie der Vierspänner. Die Tochter der Queen, Anne, ebenfalls Reiterin, war 1976 das erste Mitglied der britischen Königsfamilie, das an Olympischen Spielen teilnahm. Ihr erster Ehemann, Mark Phillips, holte 1972 bei Olympia in München Gold und 1988 in Seoul Silber im Vielseitigkeitsreiten. Und deren Tochter Zara Phillips, 14. der Thronfolge, gewann 2012 in London Silber, ebenfalls im Vielseitigkeitsreiten. Die Verletzungsgefahr beim Sport scheint jedenfalls kein Problem zu sein: Die Queen reitet mit ihren 92 Jahren immer noch ohne Helm.

Marathon laufende Bodyguards?

Und Laufen? Eine Schicklichkeits- oder Security-Frage? Letzteres, denn die Royals rennen durchaus öffentlich, aber immer nur kurze Strecken. 2017 sprinteten Harry, Kate und William bei einer Trainingseinheit für den London Marathon um die Wette (Harry gewann). Gerüchte über eine Marathonteilnahme heizte Harry selbst an, als er 2012 in einem BBC-Interview erzählte, dass er seit Jahren vergeblich versuche, einen Startplatz zu bekommen. Und fügte hinzu, dass sein Bruder William und Kate im Jahr darauf teilnehmen würden. Tausende Untertanen träumten kurz davon, im Windschatten des Königs in spe 42 Kilometer zu laufen - bis ein Sprecher verlauten ließ: "Das wurde im Scherz gesagt."

Die Sicherheitsvorkehrungen wären enorm, wenn ein Royal sich auf die 42 Kilometer lange Strecke begäbe: "Security and all that", wie es Herzogin Kate einmal formulierte. Adelsexperte Little sagt: "Es bräuchte zum einen ein Team, das den Marathon mit dem Royal mitläuft." Was für eine Vorstellung: Eine Gruppe joggender Personenschützer in schwarzen Anzügen, die Prinz Harry mit rotem Kopf beim Marathon flankieren. Zudem, sagt Little, bräuchte es deutlich mehr Polizei entlang der Route. Die Kosten wären dem Volk nicht vermittelbar und würden Charity-Einnahmen deutlich übersteigen.

Durch die Hochzeit mit Harry gelten für Meghan nun sogar strengere Sicherheitsauflagen als etwa für die Queen-Enkelin Beatrice, die im Jahr 2010 den London Marathon bestreiten durfte. Ganz bürgerlich, mit einem neongrünen Käppi. Kate und William wurden trotz alledem schon beim Laufen eines Marathons gesichtet. Begeisterte Royalisten trugen beim 42-Kilometer-Lauf Pappmasken mit Gesichtern der Beiden.

© SZ vom 27.08.2018/huju
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